Gedichte
Gustav Schwab
Inhalt:
Gustav Schwab – Biografie und Bibliografie
Gedichte
1. Lieder und vermischte Gedichte
Zueignung
Liebe im Winter
Die stille Stadt
Die Wolke am Sternenhimmel
Nachruf
Liebe in der Fremde
Liebesmorgen
Schlittenlied
Lied eines abziehenden Burschen
Abendsegen
Trost
Erste Liebe
Vom Berge
Auf ein Paar gestickte Rosen
Das Wort der Liebe
Gesang der fliehenden Griechen von Parga
Mit Flemmings Gedichten
Zum 17. Februar 1822
Aprilreise 1822
1. Ausmarsch
2. Am andern Morgen
3. Auf dem Bussenberge
4. Hayingen auf der Asp
5. Im Bergwirthshaus
6. Liedsinger politische Zeitung
7. Auf der Bergheide
8. Im Lauterthal
9. Abschied vom Gebirge
An den Gesang
Gesellschaftslied auf dem Bodensee
Die Feuerwerkerstochter
Das Neckarthal bei Canstatt
Wandre – Andre
An Mathilde
Erinnerungslied an ein Brautpaar
Dichterbitte
Wanderlieder eines Mannes
1. Ausmarsch
2. Die Alß
3. An der Quelle
4. Bekanntschaft
5. Ein Mord
Fußnoten
6. Heimweh
7. Festmorgen
8. Im Kursaal
9. Rückblick
10. Heimkunft
Heuernte
Der Bäurin Süden
Die Linde
Geburtstagsfeier in Schweden
1.
2.
Ein Kranz
Fußnoten
An die Wände einer Bergkapelle angeschrieben
An die Geliebte
Morgenbegegnung
Im Tempel
Vermächtniß
Fußnoten
An einen Freund ins Stammbuch
Tischgebet
Einzug
Das Schäferfest
Wechsel
An Pauline
Fußnoten
An Fouqué
Lied in der Mark
Lied im Norden
Am 17. Februar 1815
Erhörung
Sonnenschein
Frühlingsmorgenlied
Heloise an Abelard
Auf Ludwig Uhlands Hochzeit
Nachruf an Wilhelm Müller, den Dichter der »Griechenlieder«
Nachruf an Wilhelm Hauff
Klagelied eines deutschen Dichters
Fußnoten
Zueignung des Tübinger »Neuen allgemein deutschen Commers- und Liederbuchs« von 1815
2. Zeitgedichte
Zum 18. October 1814
Kirchenbesuch am 18. October 1814
An die deutschen Frauen
Zur Todesfeier der verewigten Königin Katharina von Württemberg
An Seine Majestät den König von Württemberg
An denselben
Prolog
Fußnoten
Prolog
Neujahrslieder
1. Zum neuen Jahr
2. Die neue Zeit
3. An das Wasser
4. Gottes Engel
5. Griechenlands Hoffnung
6. Biston
An Goethe
Zum Feste der Erinnerung an den russischen Feldzug
Ein Flüchtling
An Ludwig Uhland, den Abgeordneten
An einem Sonnentage
Den Naturforschern
Im Jahr 2030
Gedächtnißfeier
1. Zu Goethe's Tasso
2. Zu Schiffers Braut von Messina
3. Zu Lessings Nathan
Christus und die Vernunft
Am Morgen des Himmelfahrtstages
Die Weissagung des Chiliasten 1740
Ein Lebenslauf
Die Schwaben im Winkel
Auf den Tod eines Seelsorgers
Ein Fund in der Opferbüchse
Wechselsang
Auf Friedrich Creuzers Jubiläum
Ein Kirchenbesuch in Stockholm
Fußnoten
3. Sonette
Die Gesänge
Weiblichkeit
Deutschheit
Erdenkrieg und Himmelsfrieden
Maria mit dem toten Jesus auf dem Schoos
An eine Weinende
Vorzeichen
Herbstesahnung
Auf eine Landkarte der Schweiz
Totenopfer für L.A.P.
Irrtum
Rechtfertigung
Nachtklage
Sonette an G.
1.
2.
An einen Greis
Am Sophientage
1.
2.
Sonett
Antwort an einen jungen Dichter
1.
2.
3.
4.
An Aglae
Der Wohllaut
An August Grafen von Platen
Sonette aus dem Bade 1835
1.
Fußnoten
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
4. Romanzen, Balladen, Legenden1
1. Freie Sagen
Der Todesklang
Fußnoten
Des Fremden Königreich
1.
2.
3.
Die Gottesbraut
Das Opfer
Schuldforderung
Der Sänger und die Fremden
2. Geschichtliche und halbgeschichtliche Sagen
Kaiser Heinrich
Fußnoten
Der große Kurfürst auf der Spreebrücke zu Berlin
Fußnoten
Die beiden Gleichen bei Göttingen
Das Mahl zu Heidelberg
Fußnoten
Die Insel der Seelen
Theophorus
Der Köhler
Johannes Kant
Die Gräfin zu Wertheim
Kaiser Heinrichs Waffenweihe
Der Schwedenthurm
Soldatenrache
Der Sohn des Regenten
Ein Vorbote
3. Vermischte schwäbische Sagen
Das Gewitter
Der Riese von Marbach
Fußnoten
Die Glocke vom Wunnenstein
Das Eßlinger Mädchen
Fußnoten
Die Wurmlinger Kapelle
Der Hirte von Teinach
Der Kellergeist
Herzog Christoph und sein Schreiber
Des Löwen Zunge
Der Glockenklang
Psalm 104, 4
Fußnoten
Kepplers Adelsbrief
4. Sagen von der schwäbischen Alb
Die Schwabenalb
Fußnoten
Hans Koch von Ebingen
Fußnoten
Nikodemus Frischlin's Vater
Fußnoten
Die Heidenkapelle bei Belsen
Die Steinlacherin und der Russe
Schloß Lichtenstein
Fußnoten
Die Feien des Ursulenberges
Die Achalm
Der Graf von Zollern
Herzog Ulrich vor Neufen
Der Graf von Aichelberg
Der Bau des Reissensteins
Fußnoten
Eberhard der Gütige zu Göppingen am Brunnen
Die Böhmenkönigin in Schwaben
Fußnoten
Der neue Staufenritter
Die Beiszwanger Kapelle
Des Ritters von Gerhausen Schwur
Elsbeth von Calw
5. Sagen vom Bodensee und der Schweiz
Die Schöpfung des Bodensee's
Der Reiter und der Bodensee
Der Spuk auf dem Bodensee
Fußnoten
Des Fischers Haus
Des Feindes Tod
St. Fridolin und der Tote
Graf Gero von Montfort
Fußnoten
Konradin
Die Maid von Bodman
Im kupfernen Kessel von Bodman zu singen
Die seltne Kur
Der Fleischer von Constanz
Rudolph und der Gerber
Der Gant
Die Thurbrücke bei Bischofszell
Die Rittergruft zu Bucheck
Der Gefangene auf Kyburg
Fußnoten
Das Glaswappen von Frauenfeld
1. Der Stein in Ketten
2. Das Erdbeben
Fußnoten
Größere Dichtungen
1. Legende von den heiligen drei Königen
In zwölf Romanzen
1. Wie auf einen Berg im Morgenlande zwölf Sternseher gesetzt wurden
2. Wie der Stern erschien
3. Wie drei Könige sich aufmachten, dem Sterne nachzuziehen
4. Wie die Könige fuhren
5. Wie die Könige zusammen kamen
6. Wie die Könige in Jerusalem einzogen und zu Herodes kamen
7. Was den Königen auf ihrer Fahrt nach Bethlehem begegnet
8. Wie die Könige zu Bethlehem das Kind Jesus fanden und es anbeteten
9. Wie Joseph mit der Jungfrau und dem Kinde floh
10. Wie Herodes die Kindlein in Bethlehem ermorden ließ
11. Wie die Könige nach Hause kamen und was weiter geschah
12. Wie die Könige Abendmahl hielten und starben
2. Der Appenzeller Krieg
Einladung
1. Die Appenzeller tagen
Fußnoten
2. Wie der Probst gestraft wird
3. Wie die Schwabenstädte Abt Kuno Hilfe senden
4. Die Schlacht am Speicher
5. Appenzell kommt in der Freunde Hand
6. Anderhalde's Traum
Fußnoten
7. Wer der Appenzeller Feldhauptmann ward
8. Die Schlacht am Stoß
9. Der Abt gefangen
Fußnoten
Gedichte, G. Schwab
Jazzybee Verlag Jürgen Beck
86450 Altenmünster, Loschberg 9
Deutschland
ISBN: 9783849635954
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Dichter, geb. 19. Juni 1792 in Stuttgart, gest. daselbst 4. Nov. 1850, studierte 1809–14 in Tübingen Philosophie und Theologie und war von Jugend auf mit Uhland, seinem dichterischen Vorbilde, befreundet; auch mit Varnhagen und besonders mit Kerner trat er in Verbindung und gab mit ihnen den »Deutschen Dichterwald« (1813) heraus. Im Frühjahr 1815 machte S. eine Reise nach Berlin, wo er mit Fouqué, Franz Horn, Chamisso u. a. Beziehungen anknüpfte. 1817 wurde er Professor am Obergymnasium in Stuttgart; im Herbst 1837 nahm er die ländliche Pfarrei in Gomaringen an, 1841 wurde er zum ersten Prediger an der St. Leonhardskirche in Stuttgart, 1845 zum Oberstudienrat und Oberkonsistorialrat ernannt. S. gilt als Dichter neben Uhland und Kerner für den Hauptvertreter der sogen. schwäbischen Schule. Er hat sich in der Romanze und im kleinern Lebensbild ausgezeichnet, während seine eigentliche Lyrik eine reflektierende und rhetorische Ader hat, so daß ihm nur in einzelnen Fällen ein sangbares Lied (z. B. »Bemooster Bursche zieh' ich aus«) gelingt. Seine Griechenlieder aus früherer Zeit, die Polenlieder aus seinen mittlern Jahren und die allgemeinern Zeitgedichte aus seinem spätern Leben erwiesen seine Teilnahme an den freiheitlichen Bestrebungen der Zeit. Als Redakteur des poetischen Teiles des »Morgenblattes« (1827–37) und des »Deutschen Musenalmanachs« (1833–38) erwarb er sich viele Verdienste um jüngere Dichter und führte manchen (Chamisso, Freiligrath) zuerst ein, der in der Folge berühmt wurde. Seine »Gedichte«, zuerst Stuttgart 1828–1829, in 2 Bänden vereinigt, ließ er später als »Neue Auswahl« (das. 1838, 4. Aufl. 1851) mit einigen Weglassungen wieder erscheinen (neue Ausg. von Klee, Gütersl. 1882). Unter seinen übrigen Schriften sind zu erwähnen: »Die Schwäbische Alb« (Stuttg. 1823; 2. Aufl., mit Zusätzen von Paulus, das. 1878); »Der Bodensee, ein Handbuch für Reisende und Freunde der Natur, Geschichte und Poesie« (das. 1827, 2. Aufl. 1839); »Wanderungen durch Schwaben« (Leipz. 1837 bis 1838, 4. Aufl. 1880); »Die Schweiz in ihren Ritterburgen und Bergschlössern« (Bern 1839, mit Hottinger) und »Schillers Leben« (Stuttg. 1840, 3. Ausg. 1859), dem sich gleichsam als Beigabe die Schrift »Der Kultus des Genius« (Hamb. 1840, mit Ullmann) anschließt, worin größtenteils interessante theologisch-philosophische Zeitfragen behandelt werden. Treffliche Sammelwerke sind seine »Deutschen Volksbücher« (15. Aufl. von Klee, Gütersl. 1894), die Mustersammlungen: »Fünf Bücher deutscher Lieder und Gedichte von Haller bis auf die neueste Zeit« (Leipz. 1835; 5. Aufl., hrsg. von Bernays, 1871) und »Die deutsche Prosa von Mosheim bis auf unsre Tage« (Stuttg. 1843, 2 Bde.; 2. Aufl. von Klüpfel, 1860, 3 Bde.), endlich der »Wegweiser durch die Literatur der Deutschen« (Leipz. 1846; 4. Aufl., von Klüpfel gänzlich umgearbeitet, 1870, mit 3 Nachträgen) und »Die schönsten Sagen des klassischen Altertums« (Stuttgart 1838–40, 3 Tle.; 24. Aufl. von Klee, Gütersl. 1894). Neben diesen eignen Erzeugnissen ging auch die Herausgabe und Übersetzung mancher fremden her, als: »Erlesene Gedichte von Paul Fleming, mit Flemings Leben« (Stuttg. 1820); »Der Froschmäusler, von Georg Rollenhagen« (übersetzt ins Neudeutsche, Tübing. 1819); »Lamartines auserlesene Gedichte« (metrisch übersetzt, Stuttg. 1826); Barthélemys und Mérys »Napoleon in Ägypten« (übersetzt, das. 1829). Auch gab S. mit Tafel und Osiander das Sammelwerk »Übersetzungen griechischer und römischer Prosaiker und Dichter« (Stuttg. 1827 ff.), ferner W. Hauffs »Sämtliche Schriften« (das. 1830) und W. Müllers »Vermischte Schriften« (Leipz. 1830) heraus. Eine Auswahl seiner kleinern prosaischen Schriften besorgte Klüpfel (Freiburg 1882). Vgl. Klüpfel, Gustav S., sein Leben und Wirken (Leipz. 1858; eine kürzere Darstellung, Stuttg. 1884), und die von Schwabs Sohn Christoph Theodor S. herausgegebene Biographie »Gustav Schwabs Leben« (Freiburg 1883). Letzterer, geb. 2. Okt. 1821 in Stuttgart, seit 1852 Professor am Katharinenstift daselbst, gest. 17. Okt. 1883, schrieb außerdem die Monographie »Arkadien, seine Natur, seine Geschichte etc.« (Stuttg. 1852) und gab Hölderlins »Sämtliche Werke« (das. 1846, 2 Bde.) heraus.
An einen Freund1
Du liebest nicht das laute Lieben,
Und rühmt' ich dich vor aller Welt,
Ich weiß, du hießest's übertrieben,
Wie Vieles, was dir nicht gefällt.
Auch brauch' ich ja dich nicht zu nennen,
Was ich dir danke, sag' ich nur,
Und Mancher wird dich drin erkennen,
Der deines Vorbilds Kraft erfuhr.
Daß ich geforschet im Gemüte,
Und nicht zum Worte Wort gereimt,
Daß ich erstrebte keine Blüte,
Die aus der Wurzel nicht gekeimt;
Daß ich, was schlicht ist, was gedrungen,
Gewählt, oft gegen eignen Sinn,
Und wär' es mir nur halb gelungen –
Dein, dein ist meines Lieds Gewinn! –
Es klaget Deutschland, weil zu frühe
Dein innig Saitenspiel verklingt;
Du aber ruhst von süßer Mühe,
Da schon dein Lied aus andern singt.
Denn wie so Viele, die sich brüsten
Mit hochbewundertem Gesang,
Sie würden schamrot, wenn sie wüßten,
Daß du sie lehrtest solchen Klang!
Doch mich laß immer froh gestehen,
Daß ich dein ält'ster Schüler bin:
Will den in mir die Nachwelt sehen,
So zieht mein Schatten aufrecht hin.
Fußnoten
1 Ludwig Uhland. Das Gedicht findet sich nur in der 1. Aufl. 1828.
1811.
In das gelobte Land der Liebe
Hab' ich nur einen Blick gethan:
Drum, ob ich tausend Lieder schriebe,
Sind sie nur alle Traum und Wahn.
Ich selbst weiß nicht, was ich gesungen
Von Liebeslust und Liebeslicht;
Es floh mir stammelnd von der Zungen,
Was ich gepriesen, ward mir nicht.
Doch du betratst die sel'gen Gränzen,
Nimm! – Lieb' um Liebe wurde dir;
Du kannst entziffern und ergänzen:
Enträts'le meine Lieder mir!
An Thekla.
Sie ist o schön, des Winters stille Gegend,
Wann rings die Flur im Schnee sich blendend hebt,
Und über ihr, den lichten Kreis bewegend,
Der Mond mit seinem Sternenheere schwebt:
Der Wandrer liebt die Fluren zu durchschauen,
Nicht Wärme sucht er und nicht Frühlingsduft,
Ihm gnügt die Gabe dieser kühlen Auen,
Des Himmels Stral und eine reine Luft.
Da wandelt mir vor meinen kühlen Sinnen
Dein liebes Bild vorüber als ein Geist,
Und all mein Wesen wird ein stilles Minnen,
Ein leises Lied, das deine Güte preist.
Ich liebe dich, wie jene goldnen Sterne
In ihrem Stral, der ohne Gluten glänzt,
Wie jenen Aether, der in dunkler Ferne
Mit liebevollem Blau das All umgränzt.
Es blüht nicht üppig unter deinen Füßen
Die Flur zu einem Blumenwald empor,
Und von den kahlen Bäumen tönt kein Grüßen
Von frohen Vogelsängen in dein Ohr.
Du blühst allein auf diesen weiten Feldern,
Vom weißen Schnee verkläret und verschönt,
Ein Schweigen herrscht im Thal und auf den Wäldern,
Und deiner Züge Harmonie nur tönt.
Soll ich des Schönen Lieblichkeit gewahren,
So mag es wuchernd unter Blumen blühn;
Doch soll sich seine Hoheit offenbaren,
So muß es einsam in der Nacht erglühn.
Will sich die Liebe ganz als Fürstin zeigen,
So flieht der Lenz, die fremde Blume fällt,
Empor aus totem Eise muß sie steigen,
Ein Blumenbeet, ein Frühling, eine Welt.
Nenne mir die stille Stadt,
Die den ew'gen Frieden hat,
Deren düstere Gemächer
Sanft sich bauen grüne Dächer:
Ueber ihrer Häuser Zinne
Wandelt ernst der Fremdling hin,
Ziehet fort und hält nicht inne,
Grauen fasset ihm den Sinn.
Aber endlich tritt er wieder
Zitternd auf das morsche Dach,
Und die Wölbung sinket nieder,
Daß er stürzt in das Gemach.
Drunten in den Hallen traurig
Sieht er da die Bürger ruhn,
Alle liegen stumm und schaurig,
Mögen keinen Gruß ihm thun.
Die geschlossne Pforte kündet
Ihm sein ewig Bürgerrecht,
Und der arme Wandrer findet
Bald ein Bettlein recht und schlecht,
Ist des Prunkens müde worden,
Schickt sich in den stillen Orden,
Legt sich nieder in der Stadt,
Die den ew'gen Frieden hat.
Welch eine Saat von goldnen Aehren
Durchwandl' ich dunkle Nachtgestalt,
Die schaudernd ihre Häupter kehren
Vor meinem Athem rauh und kalt?
Ich bin so fremd auf diesen Auen
Und wohl aus einem andern Land,
Und möchte da mich helle schauen,
Doch bleib' ich mir so unbekannt.
Trüb glänzt von meinem grauen Kleide
Der Saum in dieser Flämmlein Schein;
Sie feiern ruhig ew'ge Freude,
Da zieh' ich störend mitten ein.
Ich darf nicht frei und sicher gehen,
Bald führt mich eine leise Hand,
Bald reißt es mich mit Sturmeswehen,
Und faßt mein flatterndes Gewand.
Und mir begegnen dunkle Brüder,
Stumm, grau und willenlos wie ich,
Sie schlagen fremd die Wimpern nieder,
Und ziehen hin, als flöhn sie mich.
Wenn schüchtern dann mein Blick sich hebet,
So fahren Flammen wild heraus,
Und will ich sprechen, so erbebet
Vor meinem Ton das fremde Haus.
Wo bin ich Arme denn geboren,
Wo wird man liebend mich empfahn?
Ich blick', in ihr Gebiet verloren,
Fremd diese hohe Schönheit an.
Doch winkt aus wunderbarer Tiefe
Mir nicht ein mild Erbarmen zu,
Als ob mir eine Mutter riefe,
Mich lüd' an ihre Brust zur Ruh?
Wie ist mir? Wehmut löst in Thränen
Hell meine graue Nachtgestalt,
Hinab, hinab zieht all mein Sehnen
Versöhnend heilige Gewalt.« –
Und liebend rauscht's der Erd' entgegen,
Der Morgen kommt mit neuer Lust:
Blau ist die Luft, ein süßer Regen
Liegt an der Mutter Erde Brust.
Nur eine laß von deinen Gaben,
Verschwundne Liebe, mir zurück!
Nicht deine Freuden will ich haben,
Nicht dein beseligendes Glück.
O schenke nur den Schmerz mir wieder,
Der so gewaltig mich durchdrang,
Den tiefen Sturm der Klagelieder,
Der aus der wunden Brust sich schwang!
Ich will ja nicht ein fröhlich Zeichen,
Auch keinen Blick, kein freundlich Wort;
Nur nicht so stille laß mich schleichen,
Aus dieser Ruhe treib mich fort!
Laß deine Wehmut mich erfüllen,
Flieh weit, doch zieh mein Herz dir nach!
Gieb mir den Durst, der nie zu stillen,
Gieb mir dein Leiden, deine Schmach!
Dein Seufzen, deine Last, dein Sehnen,
Was andre nur an dir verschmähn –
O gieb mir Alles, bis mir Thränen
In den erstorbnen Augen stehn!
Endlich rauscht des Stromes Welle,
Die so fremd mir klang, vertraut;
Berg und Thäler schauen helle,
Und der Geist der Flur wird laut.
Heimat ist's in meiner Seele,
Heimisch wird mir nun das Land;
Seit ich selbst mir nicht mehr fehle,
Find' ich Alles rings verwandt.
Ja das macht, ich trag' im Herzen
Wieder nun ein liebes Bild:
Was verhüllt lag unter Schmerzen,
Tritt mit ihm hervor so mild.
Von den Augen fällt die Blindheit,
Feld und Wald im alten Schein
Laden mich, wie in der Kindheit,
Mit den trauten Stimmen ein.
Hoffnung führt mich auf die Fluren,
Die ich sonst nur irr durchstreift;
O und nach geliebten Spuren
Ueberall mein Auge schweift!
Jeder Weg, der zu ihr gehet,
Ist mir wie schon längst bekannt;
Jeder Boden, drauf sie stehet,
Ist mein altes Vaterland.
Gelagert sprachlos saßen wir im Kreise,
Ein Jeder sann den Morgenträumen nach;
Da öffnete die Pforte sich, und leise
Tratst du herein und standst in dem Gemach,
Und neigtest dich nach deiner holden Weise,
Verschämt und kaum vom ersten Schlummer wach,
Und blicktest schüchtern auf, uns mit den süßen
Schlaftrunknen Aenglein halb im Traum zu grüßen.
Ist das der Blick, der aus der Locken Kranze
So stolz hervorgeleuchtet und gesiegt?
Ist das die Brust, die sonst bei Fest und Tanze
In weicher Seide schwellend sich gewiegt?
O wie sie nun sich, frei von allem Glanze,
So fromm in die bescheidnen Tücher schmiegt!
Wie schmückt das Haar so schlicht der Stirne Bogen,
Wie hat der Blick sich scheu zurückgezogen!
O dürft' ich als die Meine dich begrüßen
In dieser keuschen, stillen Morgentracht,
Wo nur der Sonne Lichter dich umfließen,
Nicht eitler Lampenschein und falsche Pracht.
O dürft' ich diesen milden Reiz umschließen,
Nach jeder einsam durchgehofften Nacht
Dir liebend in dein Morgenantlitz blicken,
Ans Herz dich, den verhüllten Himmel, drücken!
Unter muntrer Glöcklein Schallen
Raschelt's wie ein Elfenzug,
Freudig drein die Peitschen knallen,
Alles schwindet hin im Flug:
Rosse, Reiter, in der Mitten
Mutig die besonnten Schlitten,
Die in Sammt und Pelz gehüllt
Niedlich Feenvolk erfüllt.
Kaum begonnen hat die Wonne;
Ist schon wieder alles aus?
Weg aus Duft und Schnee und Sonne
Sollen wir ins dumpfe Haus?
Doch es öffnen sich die Thüren
Unter lust'gem Musiciren;
Freundlich steht zu Tanz und Mahl
Aufgeschmückt der kleine Saal.
Eilig streift die Winterhülle
Jedes schöne Kind von sich,
Schmuck und hell, in süßer Fülle,
Leuchten alle sommerlich;
Wissen mit den stillen Blicken
Ach! so lieblich zu beglücken,
Holde Rede klingt darein –
Kann es wohl noch Winter sein?
Wie sich's tanzt so freudig heute,
Sich's noch besser schmaust und singt!
Wenn, die Freundlichen zur Seite,
Glas mit Glas zusammenklingt;
Wenn, was Keiner wagt zu sagen,
Jeder darf zu singen wagen;
Rauscht das Lied, und glüht der Wein –
Kann es wohl noch Winter sein?
Draußen spielet licht und leise
Mit dem Schnee der Mondenschein;
Fromm beschickt man sich zur Reise,
Fliegt im hellen Traum herein,
Wirft sich träumend hin aufs Bette,
Und um jede Schlummerstätte
Wogt im Schlafe Tanz und Sang
Noch die ganze Nacht entlang.
Wer, zur Hand die treue Leier,
Dieses kleine Lied erdacht,
Preist zum letzten Mal die Feier
Solcher schönen Winternacht:
Wann die Flocken wieder flüstern,
Wohnt er unter den Philistern;
Fahrt kehrt wieder, Sang und Klang –
Doch vergessen ist er lang!
Nach der Weise: Es reiten drei Reiter zum Thor hinaus usw.
Bemooster Bursche zieh' ich aus,
Behüt dich Gott, Philisters Haus!
Zur alten Heimat geh' ich ein,
Muß selber nun Philister sein.
Fahrt wohl, ihr Straßen grad und krumm,
Ich zieh' nicht mehr in euch herum,
Durchtön' euch nicht mehr mit Gesang,
Mit Lärm nicht mehr und Sporenklang.
Was wollt ihr Kneipen all' von mir?
Mein Bleiben ist nicht mehr allhier,
Winkt nicht mit eurem langen Arm,
Macht mir mein durstig Herz nicht warm.
Ei grüß' euch Gott, Collegia!
Wie steht ihr in Parade da.
Ihr dumpfen Säle groß und klein,
Jetzt kriegt ihr mich nicht mehr herein.
Auch du von deinem Giebeldach
Siehst mir umsonst, o Carcer, nach.
Für schlechte Herberg, Tag und Nacht,
Sei dir ein Pereat gebracht!
Du aber blüh' und schalle noch,
Leb' alter Waffenboden hoch!
Es stärkt den Geist die Wissenschaft,
So stärke du des Armes Kraft.
Da komm' ich, ach an Liebchens Haus:
O Kind, schau noch einmal heraus!
Heraus mit deinen Aeuglein klar,
Mit deinem dunkeln Lockenhaar!
Und hast du mich vergessen schon,
So wünsch' ich dir nicht bösen Lohn;
Such' dir nur einen Buhlen neu,
Doch sei er flott gleich mir und treu!
Und weiter, weiter geht mein Lauf,
Thut euch, ihr alten Thore, auf!
Leicht ist mein Sinn, und frei mein Pfad,
Gehab dich wohl, du Musenstadt!
Ihr Freunde, drängt euch um mich her,
Macht mir mein leichtes Herz nicht schwer,
Auf frischem Roß, mit frohem Sang
Geleitet mich den Weg entlang.
Im nächsten Dorfe kehret ein,
Trinkt noch mit mir von einem Wein. –
Und nun denn, Brüder, sei's weil's muß!
Das letzte Glas, den letzten Kuß!
Dank, Vater! dir für Leid und Lust
Und was du mir gegeben.
Laß mich, wie dieses liebe Heut,
Mein Morgen auch erleben.
Erfüll' mir keinen thör'gen Wunsch,
Das Gute laß nicht säumen.
Und was du mir nicht geben kannst,
Ei, davon laß mich träumen!
Wie ist sie mir erschienen
So bleich, so lieb im Traum!
So ernster edler Mienen
Sah ich sie wachend kaum.
Einst wird sie wiederkommen
So himmlisch hell und gut,
Im Himmel aller Frommen,
In höh'rer Liebesglut.
Was ist's, wenn sie im Leben
Von mir gewendet geht?
Ich will ihr gern vergeben,
Daß sie mich nicht versteht:
Besucht sie nur in Träumen
Mich noch auf dieser Welt,
Ist nur in Himmelsräumen
Ein Haus für uns bestellt!
Wo bist du, Zeit der Plage,
Der ungestillten Lust?
Ruhst du, o Glut und Klage?
Wirst du so mild, Verlust?
Die Sonne schon im Sinken
Verkläret ihren Schein,
Die Bäum' und Büsche winken
Die Quellen flüstern drein.
Und schon erwachst du wieder,
Du erstes Lieb'sgefühl,
Ihr reinen Jugendlieder,
Du frommes Bilderspiel!
O Hoffnung, nicht Verlangen!
O Sehnsucht, nicht Begier!
Ein Beten und ein Bangen
Scheu vor der Himmelsthür.
Ein Ja aus allen Trieben,
Und wieder keusches Nein;
Das ist das erste Lieben,
Das erste muß es sein!
Das ist die Lieb' auf Erden
In halber Kinderzeit;
Erfüllet wird sie werden
In jener Herrlichkeit.
Verlieren und Entsagen,
Das macht auf Erden reich:
Das Finden und Erjagen
Ist für das Himmelreich.
Wir treten aus dem hohen Wald,
Vom Morgenlicht erhellt:
In sonnenfreundlicher Gestalt
Grüßt uns die weite Welt.
Was leuchtet dort im hellen Stral?
Das ist das Felsenschloß.
Ahnst du, mein Herz, den hohen Saal?
Ahnst Ritter schon und Roß?
Was blinket aus dem tiefen Thal?
Das ist der alte Fluß.
Ahnst du die Nixen ohne Zahl,
Der Nymphen lust'gen Gruß?
Was glänzt im Nebel dort wie Gold?
Das ist ein Städtchen gar.
Ahnst du die Mägdlein schmuck und hold,
Mit krausem Lockenhaar?
Das Felsschloß, das ist öd' so sehr,
Kein Ritter haust mehr dort;
Wohl rauscht der Fluß, doch ist er leer,
Die Nymphen all' sind fort.
Doch in die Stadt da ziehn wir ein,
Die ist ganz voll und hell.
Gegrüßet seid, ihr Jungfräulein,
O kommt ans Fenster schnell!
Nach Blumen trugen wir Verlangen,
Doch lag der Winter auf den Aun:
Da seid ihr lieblich aufgegangen,
Fast wie ein Wunder anzuschaun.
Doch ist's kein Wunder mehr zu nennen
Für den, der eure Saat belauscht;
Er sah die Himmelsröte brennen,
Aus der sich euer Glanz berauscht.
Es nahte sich an jedem Morgen
Still eine ros'ge Gärtnerin,
Die stellte früh, mit leisen Sorgen,
Vor euer weiches Beet sich hin.
Sie streut' in tausend lichten Fädchen
Den Samen auf den weißen Grund,
Und Morgenrot ergoß das Mädchen
Auf euch von Wangen und von Mund.
Und leuchtend über Mund und Wangen
Ergossen auf die kleine Hand
Zwei Sonnen, freundlich aufgegangen
Den holden Schimmer unverwandt.
Und auch den zarten Fingerspitzen
Entquoll so leise Kraft und Licht
Und zückte mit geheimen Blitzen
Durch euer rotes Angesicht.
So seid ihr in dem seltnen Scheine
Zu solcher Frühlingsglut gediehn:
So hell und himmlisch lächeln keine,
Auf die nur ird'sche Sonne schien.
O Morgenrot, o lichte Sonnen!
Glückselig wer in eurem Glanz
Den ew'gen Frühling sich gewonnen,
Den ewig blüh'nden Rosenkranz!
O aller Berge Quellen,
Tönt mit berauschten Wellen
Vernehmlich durch die Luft!
O aller Thäler Bäume,
Säuselt mir leise Träume,
Und sendet süßen Duft!
Es sollen alle Sinne
Der Freude werden inne,
Die heut mein Herz begeht,
In allen Farben, Tönen
Lebe das Wort der Schönen,
Das mir im Geiste steht!
Der Liebe Wort, das zitternd
Und inniglich erschütternd
Durch meine Seele dringt,
In ew'gen Wiederhallen
Hör' ich es rings erschallen,
So daß es nie verklingt.
Und wenn die Quellen schweigen
Und wenn die Bäume neigen
Ihr Haupt in welker Zier;
Im Herzen ewig klingen,
Blühen und lieblich singen
Wird doch das Wort von Ihr.
Als ihre Stadt von den Engländern an die Türken übergeben ward.
(1819.)
Frei aus dem Neugriechischen.
Männer.
Unser Schwert liegt auf der Erde,
Wie ein ausgelöschter Blitz.
Fern vom unterjochten Herde
Birg' uns, Meer! in deinem Sitz.
Aber, wenn wir nun zerschellen
Am verborgnen Felsenriff:
Laß' uns deine bittern Wellen
Treiben an kein englisch Schiff!
In den Hafen würd' es laufen,
An des Feindes Uebermut
Unsre Leichen zu verkaufen,
Wie jetzt unser Haus und Gut!
Frauen.
Grüne Lorbeern, frische Rosen!
Nicht mehr werdet ihr gepflückt,
Nicht mehr unsre freudelosen
Häupter je mit euch geschmückt.
O ihr Vögel in den Hainen!
Bach! und Wind! Mit eurem Klang
Wird sich fürder nicht vereinen
Unsrer hellen Stimme Sang.
Ach, der Lieder Ton muß hassen
Und der Blumen Ueberfluß,
Wer, wie wir, auf ewig lassen
Seiner Väter Boden muß.
Greise.
Ehre hat der Held Liassa
Nicht des Volkes Feind bezeugt,
Hat sein Haupt nicht vor dem Bassa,
Nicht vor dem Vezier gebeugt.
Bassa war die Feuerröhre,
Und das Schwert war ihm Vezier!
O Liassa! sieh und höre!
Deinem Beispiel folgen wir!
Unser Stamm soll sich zerstreuen,
Und auf des Gebirges Höhn,
Wollen wir, wie alte Leuen,
Einsam in der Irre gehn!
An einen Kritiker.
Sollt' es auch kein Dichter sein,
Ist's doch eine Sängerkehle,
Die aus frischer, voller Seele
Sang ein Lied, nicht ohne Fehle,
Doch vom Staub der Erde rein.
Was die Welt noch Ew'ges hegt:
Freundschaft, steter Treue Siegel,
Liebe, bessrer Zukunft Spiegel,
Mannes Pfad durch Haft und Riegel –
Davon ist sein Herz bewegt.
Wandernd in das ferne Land,
Konnt' er singen, immer singen,
Ließ durch kalte Steppen dringen,
Ließ in dumpfer Hitze klingen
Jeden Trost, den er empfand.
Schüttelt uns das Leben kalt,
Drückt es uns mit seinen Gluten,
Will uns langer Pfad entmuten,
Alt' und neue Wunde bluten:
Hier ist Balsam mannigfalt.
Lust im Glück und Heil im Schmerz!
Solch ein Sang ist nie verloren;
Sprödes Kosten laß den Thoren.
Saug' ihn ein mit offnen Ohren,
Laß ihn strömen in das Herz!
Seine Hoffnung und sein Sehnen
Ist's, was an der Liebsten Fest
Unter Seufzern, unter Thränen,
Jünglings Leier tönen läßt.
Wer in seines Weibes Arme,
Zwischen Kinderwiegen, ruht,
Wie kann der von Liebesharme
Singen und von Sehnsuchtsglut?
Aber – Miteinander lieben
Lohnt es keinen Leierklang?
Weil die Blüte Frucht getrieben,
Tönt vom Baum kein Vogelsang?
Anders mag das Lied erschallen,
Aber jubeln wird es doch.
Frühling würde nicht gefallen,
Folgte nicht ein Sommer noch.
Miteinander zu erstreben,
Miteinander zu verstreun,
Und zu nehmen, und zu geben,
Und nach Leide sich zu freun;
Miteinander zu verlachen
Stolz und Geiz der armen Zeit,
Eins das Andre zu bewachen
In dem Strom der Eitelkeit; –
Miteinander zu entbrennen,
Wo's die höchsten Güter gilt,
Eins des Andern Herz zu kennen,
Das von Freiheitsliebe schwillt,
Aus der tücht'gen Kinder Augen
Jugendlust und Hoffnungsmut,
Und fürs Alter Trost zu saugen,
Und zu flehn zum höchsten Gut; –
Miteinander so zu pflegen
Jeden irdischen Gewinn,
Daß sich kehrt beim Erdensegen
Zu dem ew'gen Heil der Sinn;
Wenn am freudenreichen Morgen
Solch Gefühl ist Liedes werth:
Nun, so bleib' es nicht verborgen,
Ström' es aus am eignen Herd!
Angelegt den Sommerrock,
Auf, ergriffen Hut und Stock,
Himmel steht im blausten Kleide,
Erd' in ihrer grünsten Seide.
Ei wie lacht des Wandrers Herz
Heut' am letzten Tag im März,
Wann ist wo ein Mai erschienen
Mit so hellen, heitern Mienen?
Luft und Licht, und Farb' und Glut!
In den Adern schwillt das Blut,
Heißt uns ferne Reisen wagen
In so wunderbaren Tagen.
Morgen grüßet mich April,
Was doch der erst bringen will?
Ringsum tausend Knospen träumen,
Morgen blühn sie von den Bäumen!
Ueber Nacht das Thal beschneit,
Ueber Nacht ward's Winterszeit!
Schneeweiß blühn alle Bäume,
Das sind mir Blütenträume!
Weithin, weithin wollt' ich streifen
Auf des freien Hügels Rand,
Der den Blick läßt ferne schweifen
In der Schneegebirge Land.
Dort im Grünen und im Blauen,
Auf dem alten Mauerstein
Durch das Fernrohr spähend schauen,
Welche Wonne wird es sein!
Solchen Wunsch in meinem Herzen
Hört der launigte April,
Fängt mit Flocken an zu scherzen,
Zaubert her mir, was ich will.
Meine Röhre kann ich drücken
Ruhig in das Futteral,
Darf mich nicht zur Ferne bücken:
Schneegebirg' ist überall!
Sei mir willkommen, Städtchen
In dieser schlimmen Zeit!
Hat dich Aprilgestöber
Auf das Gebirg verschneit?
So finster und so enge
Mag wohl kein andres sein,
Es nimmt der Straßen Länge
Dein kleines Rathhaus ein.
Und niest einmal die Schildwacht
An deinem obern Thor,
Gleich schallt ein helles Prosit
Vom untersten empor!
Doch bin ich armer Wandrer
An deinem Obdach froh,
So durstig ist kein Andrer,
Und müde keiner so.
In einer grauen Stube
Reichst du mir Speis' und Trank;
Dir thaun die Phantasieen
Des Dichters auf zum Dank.
Die Thore will ich zimmern
Aus ew'gem Cedernholz,
Ein goldnes Dach soll schimmern
Auf Thurm und Kirche, stolz.
Ich pflanze Bäum' und Reben
Auf deiner kahlen Au,
Und über alles wölb' ich
Des Sommerhimmels Blau.
Dann zahl' ich meine Zeche;
Leb' wohl, du sel'ger Ort!
Ich muß durch Berg und Fläche
In Schnee und Regen fort!
Braunes Bier und saure Gesichter!
Saures Bier, brauner Augen Lichter,
Hell und freundlich, treu und gut: –
Wirtin, mir wird wohl zu Mut!
Wahrlich, auch die Zeitungsblätter
Haben heut' Aprilenwetter,
Gestern blies noch gar zu lind,
Gar zu lau darin der Wind.
Selig hießen die Monarchen,
Daß die Kriegesfurien schnarchen;
Heut' in dieser Sturmesnacht
Plötzlich sind sie aufgewacht.
Mahmud sitzt im Kaisersaale,
Ali's Kopf steckt auf dem Pfahle,
Und aus finstrer Wolke Sitz
Stürmt der Hagel, schießt der Blitz.
Auf zum Kampf, ihr Erdengötter!
Doch ist nur Aprilenwetter,
Und im Osten führt der Mai
Goldnes Morgenrot herbei.
Laß dich den Schnee durchdringen,
Laß dich den Sturm durchwehn:
Denn, kann die Lerche singen,
So kannst du wohl noch gehn!
Was lachen mich die Männer,
Die schmucken Mägdlein aus,
Daß ich so eifrig schaue
Nach dem zerfallnen Haus?
Daß ich so sehnlich folge
Des Flusses krummem Lauf,
Daß ich so rüstig steige
Den hohen Berg hinauf?
Sie mögen es nicht glauben,
Daß mir durch Thal und Höhn
Die Lust den Schritt beflügelt
Bei dieser Stürme Wehn;
Sie loben Stadt und Ebne
Und schielen halb mit Neid
Auf meine weichen Hände
Und auf mein städtisch Kleid.
Ihr Männer des Gebirges!
Es thut mir herzlich weh,
Daß ihr die Nahrung kärglich
Abzwinget eurem Schnee;
Daß euren schlanken Töchtern
Die Last den Rücken beugt,
Und euer Berg dem Durste
Kein Tröpfchen Weins erzeugt.
Doch däucht mir noch viel bittrer
Als euer Durst und Schweiß,
Daß euer Geist vom Schönen,
Von Gottes Bild nichts weiß.
Die Noth, an der ihr zehret,
Der euer Leib sich bückt,
Hat euch ins Herz gefressen,
Hat euch den Sinn erdrückt!
In Seiner Leidenswoche
Durchwandl' ich dieses Thal:
Er kennet jeden Kummer,
Er heilet jede Qual!
Geb' Er dem Jahre Segen,
Daß es euch tränkt und speist,
Und löse dann die Binde
Von dem verhüllten Geist!
Schnee und Blüte hängt am Baum,
Doch gewinnt die Blüte Raum,
Lacht sich von den Flocken
An der Sonne trocken.
Das Gebirg liegt hinter mir,
Ferne winkt der Ebne Zier,
Mai hat sie durchwoben;
Du, April, bleib' droben!
Drunten blüht es ohne Schnee,
Drunten thut kein Frost mir weh,
Wehn die Lüfte linder,
Blühn mir Weib und Kinder!
Flügle, Wandrer, deinen Schritt,
Nimm die leichten Lieder mit,
Die in solchen Mühen
Dennoch mochten blühen.
Ist ein Ton auch halb verweht,
Irgendwo ein Reim verdreht,
Was April gedichtet,
Wird nicht streng gerichtet!
Für den Stuttgarter Liederkranz.
Melodie: Im Kreise froher, kluger Zecher.
Wir kommen, uns in dir zu baden,
Gesang, vor dein krystallnes Haus;
Dein Rauschen hat uns eingeladen,
Geuß nur die klaren Wellen aus;
Denn deine reiche Fülle beut,
Was starke Männerseelen freut.
Die Liebe wogt auf deinen Wellen
Und strömt in dir durch jedes Herz;
Du lehrest ihre Seufzer schwellen,
Und lösest heilend ihren Schmerz.
Aus deinem Spiegel wallt ihr Glück
In tausendfachem Stral zurück.
Der feste Glaube, will er wanken,
In deinem Quelle stärkt er sich;
Da wachsen Flügel dem Gedanken,
Dem Auge tagt es wonniglich;
Es schaut in deiner blauen Flut
Den Himmel und das ew'ge Gut.
Die Freiheit kommt auf dir geschwommen,
Hat deiner Arche sich vertraut;
Wird ihr das kühne Wort genommen,
So tauchet sie sich in den Laut;
Sie schifft aus Griechenland und Rom,
Ein sel'ger Schwan, auf deinem Strom.
Wenn deine Wogen uns umschlingen,
So wissen wir, was Freundschaft heißt:
So stark und einig, wie wir singen,
So stark und einig ist ihr Geist.
Viel Kehlen und ein einz'ger Sang,
Viel Seelen in verbundnem Drang.
Auch dieses glühnde Blut der Reben
Wird erst in deiner Mischung mild;
Du machst, daß mit ihm reinres Leben
In allen unsern Adern quillt;
Du stimmest unsern Gläserklang:
Gedeihe, festlicher Gesang!
Ja, deinen Segen zu verbreiten
Hast du uns Brüder ausgesandt;
Wir wollen deine Ströme leiten
Hinaus ins liebe Vaterland;
Und wo sie fließen, wo sie glühn,
Soll Glaube, Freiheit, Liebe blühn!
Melodie: Bekränzt mit Laub den lieben vollen Becher.
Stimmt an den Sang, die grünen Wogen lauschen
Im alten Schwabenmeer,
Sobald ihr singt, beginnen sie zu rauschen
Und hüpfen um euch her.
Und sie durchströmt der Geist der fernen Zeiten,
Wo rings der Strand erklang,
Der Minne Lied zum Silberton der Saiten
Aus hundert Burgen drang.
Das Land ist stumm, das Ufer unbesungen,
Versunken ist die Lust –
Doch aus den Wassern hat sie sich geschwungen
Und lebt in unsrer Brust.
Im leichten Haus, das auf der Woge schwimmet,
Da wohnt der leichte Mut,
Da wiegt sich jede Freude groß, da glimmet
Noch jeder Hoffnung Glut.
Der Ruderschlag verstärkt den Schlag der Herzen,
Freundschaft und Lieb' erwacht;
O blickt umher, wie kühn die Wellen scherzen,
Drum scherzt auch ihr und lacht!
Der frohe Stoß, der unsern Nachen treibet,
Er geht durch Berg und Thal,
Sie fliegen hin, die Ruhe thront und bleibet
Nur in des Aethers Saal.
Und heller glänzet im Vorüberschweben
Der Thurm von Dorf und Stadt,
Die Firnen glühn, die niedern Hügel beben
Umwallt von Blüt' und Blatt.
Dort am Gestade schwingen sich die Reben –
So sagt, wo habt ihr Wein?
Im Doppelstrom durchschwimmen wir das Leben,
Schenkt ein, schenkt ein, schenkt ein!
Die Wonne wacht und alle Sorgen schlafen:
Doch ist des Glücks zuviel;
Die Sonne sinkt, es öffnet sich der Hafen,
Ach, schon sind wir am Ziel!
Doch tragen wir die Lust des Elementes
Hinaus in Stadt und Land,
Verbunden stets, denn das ist kein Getrenntes,
Was Lieb' und Lust verband!
Im Herzen lebt, von Sonnenschein umflossen,
Der treuen Freunde Bild,
Die blaue Flut wallt ewig drum ergossen,
Der Nachen wiegt es mild.
So süße Fahrt laßt uns durchs Leben träumen,
Da lebt sich's noch so gern;
Und wenn's auch stürmt, wenn bleich die Wogen schäumen,
Der Hafen ist nicht fern!
Auf waldigem Boden, im grünen Moose
Umwebt's den Baum, wie Schimmer der Rose,
Wie Nelkendunkel, wie Tulpenlicht,
Wo liebliche Jugend den Reigen flicht.
Schwarzbraune Maid, die schlanke, bleiche,
Die tanzt am fliegendsten um die Eiche,
Hat Augen reg wie ein Sonnenreif,
Und Brauen schwarz wie ein Pulverstreif.
Vor ihrer Blicke Stralengarben
Erlöschen die Blumen, die rosigen Farben,
Sie steigt aus Allen, sie strebt mit dem Wind:
Drum ist sie des Feuerwerkerskind.
Erwachsen unter den glühenden Sonnen,
Besprengt vom Stral der sprühenden Bronnen,
Bewacht vom äugelnden Feuerrad,
Das Haupt gekehrt zum Raketenpfad;
So ist sie gediehen, zum Glanz erlesen,
Die kühne Gespielin der feurigen Wesen,
Sie mischt in heitere Jugendpracht
Die plötzliche Flamme, den Ernst der Nacht.
Ein Knabe steht abseits vom Reigen,
Versunken in süßes, schauendes Schweigen,
Er blickt aus schwarzem Auge so hell:
Das ist des Feuerwerkers Gesell.
Und was er von farbigen Feuern geboren,
Das flieget, das braus't ihm vor Augen und Ohren,
Die hellen Springquellen, das römische Licht;
Er lauschet mit Wonne dem innern Gesicht.
Doch nach dem Schimmer und nach dem Gesause
Schleicht er geblendet, betrübt nach Hause,
Die Sonne sinkt, der Morgen glüht,
Sein Feuerglück hat ausgeblüht.
Nur rußiges Korn wird jetzt gedroschen,
Die Jungfrau sitzt und spinnt erloschen,
Kein Funk' aus ihrem Auge hellt
Des finstern Stübchens öde Welt.
In stiller Hoffnung schafft der Junge,
Stampft voll die Form zu künftigem Schwunge:
»Bald loderst auf, du schlummerndes Korn!
Bald springt auch der Liebe vergrabener Born.«
Auf eine Landschaft von Steinkopf.
Zarter Ueberflug von Licht,
Das aus frühem Nebel bricht!
Welch ein Thal aus fernen Landen
Ist vor meinem Blick erstanden?
Weiche Hügel hingestreckt,
Dicht mit Baum und Strauch gedeckt,
Und von Wäldern übersäumet,
Drob ein Morgenhimmel träumet.
Reifen mag in Höhn und Schlucht
Hier es wohl von Wunderfrucht,
Tönen in den Laubgehängen
Mag's von fremden Vogelsängen.
Dörfer stehn in halber Nacht –
Welch Geschlecht wohl dort erwacht?
Du, die Augen aufgeschlagen,
Blauer Fluß, woher getragen?
Ueber Wellen ruft dein Steg,
Durchs Gesträuche lockt der Weg,
Und der Berge graue Kette
Birget neue Wunderstätte.
Aber hell ins Thal hinaus
Blickt ein heitres Säulenhaus,
Lädt zu kühlem Sitz den müden
Wandrer ein in diesem Süden.
Ach das Bleiben auf den Höhn,
Ach das Ziehen ist so schön!
Soll ich wandern, soll ich weilen?
Soll ich ruhen, soll ich eilen?
Doch wie wird mir, ist's kein Traum?
Bist du's, trauter Früchtebaum?
Winkst aus wohlbekannter Laube
Du mir, heimatliche Traube?
Nein, es ist kein fernes Thal,
Schwaben, Schwaben allzumal!
Welch ein herrlich Land mein eigen,
Muß mir's erst der Maler zeigen?
Nicht zur duft'gen Ferne hin
Strebe, ruheloser Sinn!
O wie süß im Nachbarthale
Ruhet sich's im Sonnenstrale!
Ruhen ist so süß! doch: Wandre,
Wandre! heißt des Schicksals Wort.
Ruhen ist so süß! doch Andre,
Andre dehnen sich im Port.
Was du suchest, haben Andre,
Andre ziehen den Gewinn;
Laß die Hoffnung, wandre, wandre
Ohne Wunsch durchs Leben hin!
Bist du lebensmüd? ach Andre,
Andre scharrt man drüben ein:
Du mußt weiter; wandre, wandre,
Quäle dich durch Schaum und Schein!
Fesselt dich der Schimmer? wandre!
Lebst du wieder gern? jetzt stirb!
Leben dürfen Andre, Andre!
Willst du zweimal blühn? verdirb!
1832.
Wo wirbelnd sich im Tanze
Die schlanken Kinder drehn,
Und hinter Demantglanze
Geschwellte Haare wehn;
Such' ich dich dort, Mathilde,
Wiegt dort dein Köpfchen sich,
Dem Sommers im Gefilde
Der Aehren Schimmer wich?
Nein, du bist nicht zu schauen,
Du weilst im Kämmerlein,
Fern von den schönen Frauen
Und von der Kerze Schein.
Du kämmtest alle Locken
Dir von der Stirne klar,
Und pflücktest weiche Flocken
Aus deinem Seidenhaar.
Du liefst, die gelben Schlingen,
So licht, wie Flachsgespinnst,
Zur Trödelbank zu bringen,
Nahmst klingenden Gewinnst.
Der Flucht im Ehrenrocke
Gedenk, der Polenflucht,
Trugst du zum Opferstocke
Der Demut Silberfrucht.
Nun stützest in der Kammer
Dein unbelocktes Haupt: –
Wird Alles denn zu Jammer,
Was Jugend hofft und glaubt?
Doch freut sich deiner Milde
Gewiß ein düstrer Held;
Dein Scherflein, o Mathilde,
Wirkt nicht wie kühles Geld;
Sein warmer Glanz blickt heiter
In der Verzweiflung Nacht,
Daß vor dem ernsten Streiter
Die Hoffnung plötzlich lacht:
Die goldne Lockenfülle
Bestralt ihr Angesicht;
Ihm dämmert ohne Hülle
Der Zukunft Morgenlicht.
October 1832.
Gedenket ihr des Blütenkranzes,
Der unsre Karawan' umfing,
Als sie im Blau, voll Sonnenglanzes,
Am frühlingsgrünen Berge hing?
Wir athmeten in Wehmutstille
Die duftende Vergänglichkeit,
Betrübt, daß keines Gottes Wille
Nur Einer Blüte Dauer leiht.
Doch, während wir im Sinnen lagen,
Da hatte leis den Blütenthron
In zweien Herzen aufgeschlagen
Die wunderbare Liebe schon.
Ach! jener Rosenschmuck der Bäume
Gärt trüb als Most im Keller längst,
Indeß du Blume holder Träume
Noch hell am Lebensbaume hängst.
Die Blüte mag im Lenze fallen,
Der Sommer mag mit goldner Frucht,
Der Herbst im Nebel fürder wallen,
Der Winter weilen in der Flucht:
Wo Liebe blühet in zwei Leben,
Bleibt doch der Frühling ewig wahr; –
Hört ihr's die ferne Harfe beben,
Ihr Liebenden, am Traualtar?