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Autorenfoto: Christoph A. Hellhake
eBook ISBN 978-3-0369-9211-2
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ÜBER DEN AUTOR
Gerhard Polt, geboren am 7. Mai 1942 in München, studierte in Göteborg und München Skandinavistik. Seit 1975 brilliert er als Kabarettist, Schauspieler, Poet und Philosoph auf deutschen und internationalen Bühnen. 2001 wurde er mit dem Bayerischen Staatspreis für Literatur (»Jean-Paul-Preis«) ausgezeichnet. Sein gesamtes Werk erscheint bei Kein & Aber.
ÜBER DAS BUCH
Bibliothek Gerhard Polt Werke in zehn Bänden und ein Begleitbuch
I Von Heimat und Geschichte
II Vom Geben und Nehmen
III Vom Auf- und Absteigen
IV Von den Fremden hier und dort
V Von Brot und Spielen
VI Von den letzten Dingen
VII Von Banden und Bindungen
VIII Von Haus und Hof
IX Von Festen und Feiern
X Vom Kindsein
Begleitbuch: Paralipomena
Die Werkausgabe versammelt Gerhard Polts wichtigste Texte, das heißt alle Geschichten, Stücke, Monologe und Dialoge, aus der Anfangszeit in Zusammenarbeit mit Hanns Christian Müller bis heute. Das Begleitbuch bietet Überraschendes zu Gerhard Polt sowie ein komplettes Register seiner Werke.
»In zehn Bänden die ganze Welt.« Elke Heidenreich
»Wir in Bayern sind doch eine Demokratie, wo kein Mensch gezwungen wird, eine Minderheit zu werden, jeder hat das Recht, sich zur Mehrheit zu bekennen und sich anständig zu benehmen, und wenn er das tut, dann braucht er auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er in aller Ruhe einen Schweinsbraten isst und einige Bier dazu trinkt.«
Gerhard Polt
Kleine Heimatkunde
Freiheit
Democracy
Toleranz
Bad Hausen
Historische Dimension
Ritter Gottfried vom Büffet
Rittersleit
Dieser Mozart
Homo Bavarikus
Folterkammerführung
Der Kaiser Nero
Pförtnerloge
Vom Kriege
1705
Der Weber Max
Mehr oder weniger
Der CSU-Sammler
Der Haruspex
Der Altstadtliebhaber
Ein Radiohörer
Statement
Das Gespenst des Pazifismus
Der NS-Sammler
Der Revolutionär
Gegendarstellung I
Dramaturgie des Wahnsinns
Veteran und Reservist
Unser Heinz!
Mpf
Kleines Dialektbrevier
Gegendarstellung II
Im Bauernmuseum
Der Ordensträger
Der Kormoran
Apokalypse Now
Tonis Tristesse
Der Konservator
Zeitzeichen
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Die Heimat ist vorrangig ein Zuordnungsgefühl. Ein Beispiel: Der Mandi spricht nicht Chinesisch. Also, im Chinesischen ist er nicht daheim. Wer aber eine Heimat »gefunden hat«, gibt sie nur unter Druck und äußeren oder inneren Zwängen wieder auf. Ein paar Beispiele: Bei Auswanderern treffen meistens beide Gründe zu. Die Hugenotten entheimateten sich aus religiösen Gründen, der Indianer dagegen, mein Gott, der Indianer, der war halt mehr im Wege. Die Schlesier, die sind ja jetzt bei uns daheim. Wissen Sie, so Kriege bringen immer Heimatverschiebungen mit sich. Also, der Einheimische wird aufgrund zunehmender Katastrophen oder Kriege immer seltener, aber auch Neuheimaten werden gegründet wie jetzt der Alpenraum. Der Alpenraum, früher Heimat der Dinarier, der Kelten, der Römer, der Helvetier, der Alemannen, der Bajuwaren: jetzt die Heimat teutonischer Zahnärzte sowie von deren Steuerberatern und Rechtsbeiständen – aus der norddeutschen Tiefebene. Mobilität – als Heimatgefühl. Immer mehr Menschen, die diesen Trend erkennen, wollen ihre gemietete Heimat in ein Eigenheim umwandeln, deshalb ist der seelische Ausdruck modernen Heimatgefühls der Bausparvertrag.
Eine Heimatvision zum Beispiel ist: 531 Quadratmeter in Lochham. Großprojekte – das sind Mülldeponien, Großflughäfen, Kernkraftwerke, Autobahnen, Teststrecken für Autofirmen – genießen außer Steuervergünstigungen eine absolute heimatliche Priorität. Wer nicht flexibel reagiert, stirbt aus. So der Steinadler. Im Alpenraum ist er beheimatet, aber ausgestorben. Wo Heimat aufgehört hat, Heimat zu sein, entsteht das Heimatmuseum oder das Reservat. Ergo: Die wichtigste Grundlage eines neuen Heimatgefühls ist die Mobilität, pars pro toto: der »Hamburger«, nicht zu verwechseln mit dem orthographisch gleichen Hamburger. Der Hamburger wohnt ja noch in Hamburg. Der »Hamburger« hingegen ist auf der ganzen Welt beheimatet, er ist faktisch ein »Weltburger«. Mahlzeit.
Apropos – die Heimat der Salmonellen ist nicht ausschließlich der Kartoffelsalat.
Herr Fasnacht im Smoking.
Irgendwie ist es schon fast traurig, dass solche Ideen ausgestorben sind. So Ideen wie das Christentum oder – ja sicher, auch der Kommunismus! Aber mei! Als Idee waren sie ja nicht schlecht – dass es den Armen besser gehen soll, und wenn nicht, dass sie dann in den Himmel kommen und die Reichen in die Hölle. – Ist ja verständlich, dass sie früher so Ideen hatten, es ist ihnen ja auch beschissen genug gegangen, und sie haben halt die Hoffnung gehabt, dass sie die Welt verändern können. Ihr Pech war nur, dass sie in der falschen Zeit gelebt haben.
Heute weiß man aber – Gleichmacherei und Sozialschwärmerei, das ist passé. Der einzige Gedanke von früher, der wirklich Bestand hat, das ist die Freiheit!
Nur die Freiheit ist der Garant für einen gewissen Wohlstand. Der Freiheitsraum, das ist der Raum zwischen Angebot und Nachfrage!
Schaun Sie, Rom, Griechenland waren hochwertige Kulturen, von denen kommt ja die Idee der Freiheit – allerdings, ohne niedrige Lohnkosten wäre das alles nicht möglich gewesen. Ohne Sklaven gäb’s heute keine Pyramiden.
Nur in der Freiheit behauptet sich der Mensch! Genau wie das Tier! Nur in der Freiheit, da gibt’s eine Entwicklung.
Wenn Sie ein Tier einsperren in einen Stall, dann wird’s fett, und wenn’s fett ist, dann wird’s geschlachtet!
Nichts gegen einen Stallhasen, aber Deutschland wird immer mehr so ein … Was will er denn, der Deutsche? Er will raus aus Deutschland! Auf die Kanaris oder an die Costa del Sol, sich dort eine Eigentumswohnung kaufen und würdig – unter Deutschen – ein Leben zu Ende führen.
Aber um sich das leisten zu können, brauchen wir billige Arbeitskräfte! Der Deutsche selbst ist zu teuer geworden, welcher Deutsche kann sich denn heute noch einen Deutschen leisten? Das kann er sich nicht mehr leisten! Wenn er aber im Schwimmingpool pflantschen will wie weiland der Römer, dann sage ich: Herein mit den Hottentotten, rein mit den Albanern, rein mit den Rumänen, das heißt, die vielleicht grad nicht, die faulen Schweine – aber Tschuwaschen, Chinesen …
Ein russischer Professor, der für DM 1,80 die Stunde meinem Kind Lateinnachhilfe gibt, meinen Garten umgräbt und als Chauffeur für mich nüchtern bleibt – ja, was wollen Sie denn noch mehr?!
Die Römer haben Kriege führen müssen, damit sie genügend Sklaven bekommen, und wir, wir kriegens so – einfach umsonst!
Aber wir Deutschen müssen höllisch aufpassen, dass wir die Freiheit nicht verspielen. Alles wird reglementiert! Der Deutsche kugelt in den Schulen umanander, bis er dreißig Jahre alt ist, dann arbeitet er, wenn er Zeit hat, bis er fünfundvierzig ist, dann kriegt er schon seinen Herzinfarkt – so geht’s nicht!
Die Asiaten sind da viel freier. Da darf ein Kind schon mit sieben Jahren arbeiten, und zwar vierzehn Stunden, und wenn’s will, ohne Urlaub. Das verschafft den Asiaten Vorsprünge, die sind nicht aufzuholen. Aber bei uns – was ist denn da los? In Deutschland geht nichts mehr – nur noch Bürokratie – Staat –, und ein jeder mischt sich überall ein. Vor allem zum Beispiel diese Tierschützer – diese Tierschützer sind ganz wahnsinnig; bei denen ist sogar ein Silberfisch schon ein Haustier. Stellen Sie sich vor, Sie hätten daheim so einen Sklaven – und diese Tierschützer, das ist doch verrückt. Wenn der Sklave jetzt sagen wir einmal nicht pariert – und Sie geben ihm einmal einen Fußtritt, dass er spurt, dann haben Sie sofort diese Tierschützer am Hals – obwohl das die einen Dreck angeht –, und außerdem bin ich immer noch der Meinung, ein Sklave ist immer noch ein Mensch – und kein Viech –, das geht diese Tierschützer wirklich einen Scheißdreck an. Kein Wunder, wenn dann die Idee von der Freiheit flöten geht.
Ladies and Gentlemen!
It is me a pleasure today to be here in Africa in your nice country of Tjurangrati. My dear Tjuranggrattlers: Before I start my speech now, please let me give you the kindest regards of our Ministerpresident Edmund Stoiber, of our Wirtschaftsminister, Verkehrminister Wiesheu, and – last, not least – of the emperor, Professor Dr. Dr. Franz Beckenbauer from Warstein Brewery.
Ladies and Gentlemen! The Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbath Kreuth kindly asked me to teach you, to instruct you the most important form of government today: Democracy! Democracy … democracy, Ladies and Gentlemen – and this might especially interest you here in Africa –, democracy: What is it? Democracy, Ladies and Gentlemen, has a very old tradition in Bavaria. The roots go back … far, far back to a man called Plato. – Plato was an old Greek from Greece … The next one was an old Roman from Rome: Cicero. – Cicero, Ladies and Gentlemen, we correctly pronounce Cicero (Zizero), not Kikaroh (Kikarow). – But, Ladies and Gentlemen, pay attention now, because the most important of all – the third one – was our political genius from Bavaria: Dr. Mueller! Or, as we call him in Bavaria: »Ochsensepp«. – Ochsensepp from Bavaria, Ladies and Gentlemen, himself gave the idea of democracy a new power – a new vitality – by giving simple answers to very simple questions. A typical Ochsensepp-question – for an example – was the question: What do democrats actually want? Ya, what want the democrats?? The democrats, Ladies and Gentlemen, always want to have a majority, a solid majority – in Bavaria: absolute majority! Now, it is to us: How can we get such a majority? To have absolute majority, Ladies and Gentlemen, it is necessary to have your own press, your own newspaper – as we have in Bavaria, for instance, the Miesbacher Mercur – to tell the majority what the majority wants to know. Or, you need to have the radio-station of your own – as we have the Bayerischen Rundfunk – to tell the majority what the majority wants to hear. This is the best way to avoid unnecessary minorities.
Ladies and Gentlemen, the old Greeks and the old Romans in the old times, they sacrificed gold, silver, jewellery, wine, beer – and other drinks – to have a harmony with their gods in heaven. – To create a harmony among their people, the Bavarian politician presents a Freibeer to the folks … Ladies and Gentlemen, the idea of Freibeer in Bavaria is deeply religious: The more you drink, the more the ghost of democracy becomes visible. Ladies and Gentlemen, the Bavarian Verkehrsminister Dr. Wiesheu himself got the Bavarian Verdienstorden when he achieved one point 99 promille. Only a Verkehrsminister who can drink so much can be admired as a sovereign. A Verkehrsminister in Bavaria needs to have a good liver and a very good constitution – we say: a Bayerische Verfassung.
Ladies and Gentlemen, at the end of my speech, please, believe us: We in Bavaria, we do not see black for your future here in Africa, and we wish you by heart a happy democracy.
Bye-bye and – victory …
Das weiß ich auch. Jeder redet heute von Toleranz – das kennt man schon. »Toleranz, Toleranz, Toleranz, da muss man tolerant sein« – aber mal einen Standpunkt haben, mal einen Standpunkt haben in einer Sache –, »Toleranz, Toleranz« … Ich kann’s nicht mehr hören. Das Wort »Toleranz« ist kein deutsches Wort, das ist ein Fremdwort. Und »tolerieren« – »etwas tolerieren« –, das bedeutet nämlich so viel wie »etwas aushalten«. So schaut’s aus. Also, wenn früher mal einer gefoltert worden ist, dann war der tolerant. – Ja, ich mein …
Toleranz ist auch sehr individuell. Der eine sagt: »Das mach ich.« Der andere sagt: »Das pack ich nicht.« – Das geht bis zu den inneren Organen. Der eine frisst eine Schweinshaxe mit zwei Knödeln und frisst dann noch einen Apfelstrudel, weil sein Magen toleriert es. Und der andere sauft einen Gesundheitstee, und es wird ihm schlecht. Schon beim Magen fängt’s an. – Oder der eine sagt: »Ich kann die Ausländer nicht mehr sehen, das Gschwerl.« Dann sage ich: »Das ist seine Meinung.« Aber ich tolerier das, was er sagt.
Wissen Sie, ich meine, ich will das gar nicht so abstrakt … Ich mein das gar nicht abstrakt. Ich mein, ich kann gerne mal ins Konkrete – gehen wir doch mal ins Konkrete. Ja, werden wir doch mal konkret. Ich wohne hier seit dreißig Jahren, und da drüben wohnt diese Familie Böhm. Ja, die Familie Böhm – vier Kinder –, mehr brauch ich nicht hinzuzufügen … Was? – Ja, der Papst zahlt’s ja nicht. Dieser Böhm karnickelt vor sich hin … und wälzt seine Probleme auf die Allgemeinheit ab – so schaut’s aus. Nein, bleiben wir konkret – ganz konkret! Wann war denn das, ich hab mir dieses Fußballspiel angeschaut, leider – Deutschland gegen –, leider hab ich mir’s angeschaut – gegen Portugal. Ich hab mir ein paar Erdnüsse hin und ein bisschen Bier, hab mir gedacht, schaust dir’s trotzdem an. Und – furchtbar, brauchen wir gar nicht weiterreden, auf alle Fälle im Strafraum … ich denke, um Gottes willen jetzt –, auf einmal – zack! – ist das Bild weg. Ich denke, was ist denn jetzt los. Ich switche, switche – nichts zu machen, auf einmal ist der Karl Moik drin. Und geht nicht mehr raus. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen diesen Moik, aber im Strafraum hat der nichts zu suchen. Und so ist das die ganze Zeit … immer, wenn was Interessantes war – im Strafraum oder Ding – zack! –, war wieder der Moik drin. Auf alle Fälle … jetzt sag ich Ihnen – nein, jetzt sag ich Ihnen den Hintergrund. Der Hintergrund: Hat sich dieser Böhmkrüppel – der Kleine – ist der Jüngste, der jüngste der Satansbraten –, man sagt ja immer, man sagt immer: Kinder sind unschuldig – der nicht. Dem müsste man prophylaktisch schon mal links und rechts eine hineinschlagen. Haben Sie dieses Watschengesicht von dem schon mal gesehen? Dieses infame Gesicht von dem Kerl? Da rutscht einem die Hand sowieso schon aus. – Hat sich dieser Kerl vor mein Haus hingestellt, hat über den Garten reingeschaut in mein Wohnzimmer, hat gesehen, dass ich dieses Fußballspiel anschaue, und hat, immer wenn eine Torsituation war, mit einer starken Fernbedienung von draußen mir in mein Wohnzimmer hereingemoikt. – Wenn ich ihn erwischt hätte, ich hätte ihm sofort … links und rechts hätte ich ihm eine hineingehauen. Und dann immer »Toleranz, Toleranz« – ich bin tolerant, ja, ich bin tolerant. Ich grüße den Böhm, obwohl er mein Nachbar ist. – Bleiben wir im Konkreten, es geht schon noch weiter, jetzt warten Sie mal. Welche Prüfungen man als Mensch – heute … Das war dann … Ich hab mir eine Sendung angeschaut – jetzt warten Sie mal, das war eine interessante Sendung –, die hat geheißen: Junge Polinnen zu Toleranz gezwungen – also, ich hab mir’s nur aus wissenschaftlichen Gründen angeschaut. Halt eine Dokumentation, weil sonst tät’s mich nicht interessieren. Und hab gleich mir ein bisschen Leberkäse hin und ein bisschen Bier – aber das Rouleau hab ich schon runter. Und ich sitze da, schau mir das an – und das ist also schon, also, was da –, wie diese Frauen … auf alle Fälle auf einmal läutet’s an der Tür – und zwar Sturm – ringringring! –, ja, was mach ich, ich schrei meiner Frau, sag: »Mach auf!«, weil ich kann ja nicht weg. Aber meine Frau – sie geht dann schlafen, nicht wahr, statt dass sie sich mal so was anschaut. Da könnte sie auch mal was lernen. Nein, auf alle Fälle, mir bleibt nichts anderes übrig, ich stürze zur Türe, mach die Türe auf – und wer? –, niemand da. Kein Schwanz, niemand da. Ich hätte es mir denken können. Aber jetzt warten Sie – vor mir liegt ein Päcklein, ein Paket, brennt lichterloh. Ich bin natürlich erschrocken – was tun? Ich wollte es mit dem Fuß wegstoßen, aber da könnte man was anderes anzünden – also, in meiner Geistesgegenwart bin ich dann halt sofort drauf und hab’s dann so mit den Füßen gelöscht. Ich hab natürlich mir schon gedacht, woher der Wind pfeift – und wen ich da im Visier habe. Aber auf alle Fälle, ich habe mir gedacht, schaust dir trotzdem die Sendung fertig an, es hilft ja nichts. Geh ich wieder ins Wohnzimmer hinein und setz mich hin. Auf einmal denke ich – entschuldigen Sie den Ausdruck –, was stinkt denn da so? Hier stinkt es nach Hundescheiße. Schau ich: Ist der ganze Teppichboden voller Scheiße. Haben diese Saukrüppel vom Böhm einen Schuhkarton genommen, voll mit Hundescheiße gefüllt, mit Zeitungspapier umwickelt, habens einen Spiritus draufgeschüttet oder einen Beschleuniger, haben das Paket abgefackelt – und ich bin dann da so drauf – und über den Knöchel voller Scheiße. Wenn ich den Böhmkrüppel erwischt hätte, ich hätte ihn mit dem Kopf in die Scheiße reingetaucht, bis dass er erstickt. Und den Kadaver hätte ich dem Böhm rübergeschmissen. Dann kann er ihn recyceln. – Und dann kommt meine Frau: »Toleranz, da müssen wir tolerant sein, Toleranz.« Sag ich: »Hör auf – jetzt schauen wir mal auf dem Toleranzkonto nach bei der Familie Böhm, ob die noch im grünen Bereich sind«, sag ich. Tolerant, wer ist denn immer tolerant? Nur ein Depp ist immer tolerant. Sie werden mir doch Recht geben, wer ist denn immer tolerant? Kein Mensch. Selbst im eigenen Familienbereich kann’s doch mal passieren, dass man seiner Alten eine aufstreicht, dass sie einen Purzelbaum schlägt. Bitte? Ja freilich ist das normal. Aber das sagen Sie mal heute jemand. – Ich sag häufig zu meiner Frau, ich sag’s ihr immer wieder, ich sag: »Entschuldigung«, sag ich, »die Tatsache, dass du so selten eine fangst, da brauchst du dich bei mir nicht zu bedanken – bedanke dich bei meiner Toleranz«, sag ich. »Weil ich ertrage dich bisweilen, obwohl ich gar keinen Grund dafür habe«, sag ich. – Wissen Sie, Toleranz, das ist für mich kein abstrakter Begriff – Toleranz, das muss man praktizieren. Auf Wiederschaun.