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Herbert
Rosendorfer

Briefe in die
chinesische
Vergangenheit

Roman

LangenMüller

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Limitierte bibliophile Ausgabe 2012

© LangenMüller in der
F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München
© für das eBook: 2012 LangenMüller in der
F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel
eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 978-3-7844-8111-1

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Vorbemerkung

Die Datierung der Briefe des Mandarins Kao-tai an seinen Freund, den Mandarin Dji-gu, wurde aus dem altchinesischen in den europäischen Kalender umgerechnet.

Die Anrede und die Schluß- und Grußformeln wurden vereinfacht und nur sinngemäß übersetzt. Diese Formeln im altchinesischen Briefstil sind außerordentlich kompliziert und überladen. Dies wurde alles weggelassen. Kao-tai redet seinen Freund im Original mit dessen Männernamen an und unterschreibt selber mit seinem Gelehrtennamen, gelegentlich mit seinem Männernamen. Auch dies wurde auf die Familiennamen der Briefpartner vereinfacht.

Erster Brief

(Mittwoch, 10. Juli)

Treuer Freund Dji-gu.

Die Zukunft ist ein Abgrund. Ich würde die Reise nicht noch einmal machen. Nicht das schwärzeste Chaos ist mit dem zu vergleichen, was unserem bedauernswerten Menschengeschlecht bevorsteht. Wenn ich könnte, würde ich sofort zurückkehren. Ich fühle mich in eine Fremde von unbeschreiblicher Kälte hinausgeworfen. (Obwohl es auch hier Sommer ist.) Für heute nur soviel: ich bin, in Anbetracht der ungewöhnlichen Art meiner Reise, leidlich gut angekommen. Ich kann nur rasch diese Zeilen kritzeln und den Zettel an den Kontaktpunkt legen. Ich hoffe, Du findest ihn. In Liebe grüßt Dich Dein

Kao-tai

Zweiter Brief

(Samstag, 13. Juli)

Teurer Freund Dji-gu.

Die Zukunft ist ein Abgrund. Ich glaube, ich habe diesen Satz schon auf den Zettel geschrieben, den ich Dir vor drei Tagen an den Kontaktpunkt gelegt habe – hoffentlich hast Du ihn gefunden und machst Dir keine Sorgen um mich. Was ich hier erlebe, ist so vollständig anders als das, was Du kennst und was ich gewohnt bin, daß ich gar nicht weiß, womit ich meine Schilderung beginnen soll. Hier – ich müßte eigentlich nicht »hier« sagen, sondern »jetzt«. Aber dieses »jetzt« ist so unvorstellbar fremd, daß es mir schwerfällt, an die Identität dieses »Ortes« mit dem Ort zu glauben, an dem Du – durch genau tausend Jahre getrennt – lebst. Tausend Jahre, das weiß ich nun, sind ein Zeitraum, den der menschliche Verstand nicht fassen kann. Gewiß: Du kannst zählen – eins, zwei, drei … bis tausend – und Dir dabei vorzustellen versuchen, es vergehe jedesmal ein Jahr dabei, Geschlechter, Kaiser, ganze Dynastien wechselten, die Sterne wanderten … Aber ich sage Dir: tausend Jahre sind mehr als vergangene Zeit. Tausend Jahre sind ein so gewaltiger Berg von Zeit, daß selbst die kühnsten Vögel phantastischer Gedanken ihn nicht zu überfliegen vermögen.

Tausend Jahre sind nicht »jetzt« und »damals«. Tausend Jahre sind »hier« und »dort«. Ich werde beim »hier« bleiben.

Ich bin sehr glücklich, daß ich den Kontaktpunkt, an dem ich diesen Brief niederlegen werde, wiedergefunden habe. Es ist mir dank eines Mannes gelungen, der mir viel geholfen hat und noch hilft. Mehr von ihm berichte ich Dir demnächst. Anders als mit fremder Hilfe hätte ich den Kontaktpunkt nicht gefunden, denn unser K’ai-feng hat sich so vollständig geändert, daß ich meine, es müßte eine andere Stadt sein. Das hängt vielleicht damit zusammen, daß der Fluß seinen Lauf gewechselt hat; er fließt jetzt fast genau nach Norden. Die Stadt ist unvorstellbar groß geworden, und es ist nahezu unerträglich laut. Von keinem einzigen der Paläste, die uns für die Ewigkeit gebaut erscheinen, ist auch nur eine Spur noch vorhanden (soweit ich das bisher gesehen habe), von den einfachen Häusern ganz zu schweigen. Selbst die Hügel sind weg. Alles ist flach, dafür sind die Häuser aufgetürmt wie zackige Berge, und kaum ein Baum ragt über die Häuser hinaus. Du würdest nichts, aber auch gar nichts wiedererkennen. Wie das alles zugegangen ist, kann ich mir nicht vorstellen. Ich traue unseren barbarischen Enkeln – ich kann Dir sagen: ein würdeloser, verrohter Haufen – zu, daß sie die Hügel abgetragen haben. Selbst unser Himmel, scheint es mir, hat sich aus dem ständigen Dunst und Ruß in eine fernere Welt zurückgezogen. Es kommt mir fast vor, als wäre ich nicht nur zeitlich, sondern auch örtlich versetzt.

Ich sitze hier, während ich das schreibe, auf einem Stein. Der Lärm, der mich umtost, ist nicht übermäßig; ein, zwei Li1› Hinweis weiter ist er viel schlimmer. Nicht weit von dem Stein muß das kleine Sommerhaus sein, wo ich Dich vor tausend Jahren und drei Tagen zum Abschied umarmt habe. Es ist kein Staubkorn mehr davon vorhanden. Eine Reihe von häßlichen Häusern steht dort. Den anderen Stein habe ich nicht mehr gefunden, den wir im Park eingerammt haben in der Hoffnung, er werde tausend Jahre überdauern. Zum Glück bin ich nicht auf die Silberschiffchen2› Hinweis angewiesen, die wir in der Höhlung des Steins verborgen haben. Die fünfzig Silberschiffchen, die ich dabei habe, werden reichen. Außerdem habe ich ja als »eiserne Reserve« die fünf schönverzierten Goldbecher.

Ich wollte, ich könnte unverzüglich zurückkehren, aber ich muß ja den errechneten Zeitpunkt abwarten, und der wird erst in acht Monaten kommen. Eigener Fürwitz hat mich in diese unselige, laute Zukunft gebracht. Bete für meine gesunde Rückkehr. Grüße mir meine Shiao-shiao, die ich nächst Dir, mein Freund, am meisten liebe.

Kao-tai

Dritter Brief

(Mittwoch, 17. Juli)

Geliebter Freund Dji-gu.

Ja, ich habe einen Menschen in diesem Abgrund, in diesem schwarzen Strudel von Zukunft gefunden. Ich muß gerecht gegen unsere Enkel sein: sogar zwei Menschen, und beim zweiten scheint es mir nicht ausgeschlossen, daß er mein Freund wird, obwohl ich – wie gerade Du weißt – äußerst geizig mit dieser Bezeichnung bin. Zwar brüllt auch Herr Shi-shmi (so heißt der zweite Mensch), aber ich habe das Gefühl, von ihm trennen mich nicht 100000 Li wie von den anderen, sondern nur 99999. Alle außer den zweien erscheinen mir nach wie vor wie bleiche Riesenkrebse ohne Ähnlichkeit mit Dir und mir und unseresgleichen. Freilich, auch Herr Shi-shmi ist weit davon entfernt, mich zu verstehen, aber er hilft mir seine ferne Welt zu begreifen.

Kennengelernt habe ich Herrn Shi-shmi auf ziemlich unwegsame und leider auch schmerzliche Weise. Du wirst daran sehen, was ich in den wenigen Tagen, die ich nun »unterwegs« bin, alles erlebt habe. Ich schreibe an Herrn Shi-shmis Tisch, in seinem Haus. Er selber ist nicht da. Der Kontaktpunkt ist zum Glück nicht weit vom Haus entfernt. Ich könnte ihn zur Not allein finden.

Wir haben vor meiner Abreise viel über mein, wie manchem scheinen könnte, nicht ungefährliches Unternehmen gesprochen. Du, geliebter Dji-gu, der Erfinder des mathematischen Zeitsprungs, bist der einzige, der von meiner Reise weiß. Wir haben viel gesprochen, und Du erinnerst Dich, daß ich den weisen Satz des großen Meng-tzu »Wer beobachten will, darf selber nicht beobachtet werden« als einen der wichtigsten Grundsätze für mein Vorhaben betrachtete. Ich habe deshalb, wie Du selber gesehen hast, eine denkbar unauffällige Kleidung für meine Reise gewählt, habe auf alle Rangabzeichen als Kwan der Klasse »A4«3› Hinweis verzichtet und sogar meine Amtskette als Präfekt der kaiserlichen Dichtergilde »Neunundzwanzig moosbewachsene Felswände« – die zu tragen ich eigentlich verpflichtet bin – zurückgelassen. Ich wollte nicht auffallen, wollte unbeobachtet beobachten. Aber die ganzen weisen Sprüche nicht nur des Meng-tzu, nein, des ganzen ›Li Chi‹ helfen in dieser verrückten Zukunft nichts. Meine, wie wir meinten, unauffällige Kleidung ist für hiesige Begriffe so außer jeder Gewohnheit, daß ich genausogut in Weiberkleidung oder als bunter Palasthund verkleidet angekommen sein könnte. Das Aufsehen wäre auch dann nicht größer gewesen.

Die Reise selber verlief ganz ohne Schwierigkeiten und war das Werk eines Augenblicks. Unsere vielen Experimente haben sich gelohnt. Nachdem ich Dich auf jener kleinen Brücke über den »Kanal der blauen Glocken« – die wir als den geeignetsten Punkt ausgesucht und errechnet hatten – umarmt, alles in Gang gesetzt hatte, was notwendig war, war es mir, als höbe mich eine unsichtbare Kraft in die Höhe, wobei ich gleichzeitig wie von einem Wirbelwind gedreht wurde. Ich sah noch Dein rotes Gewand leuchten, dann wurde es Nacht. Einen Augenblick danach saß ich, natürlich etwas benommen, auf ebender Brücke über den »Kanal der blauen Glocken«; aber es war alles anders. Kein einziges Gebäude, keine Mauer, kein Stein von dem, was ich eben noch gesehen hatte, war noch vorhanden. Ungeheurer Lärm überfiel mich. Ich saß am Boden neben meiner Reisetasche, die ich krampfhaft festhielt. Ich sah Bäume. Es war – es ist – Sommer wie vor tausend Jahren. Eine fremde Sonne schien über dieser Welt, die so sonderbar, so völlig unbegreiflich ist, daß ich zunächst gar nichts wahrnahm. Ich saß da, hielt meine Reisetasche fest, und wenn ich gekonnt hätte, wäre ich sofort wieder zurückgekehrt. Aber Du weißt, das geht nicht. Mein erster Gedanke war: hat Shiao-shiao Sehnsucht nach mir? Ich werde warten müssen, bis ich sie wieder liebkosen kann. Sie wird warten müssen.

Die Brücke, auf der ich erwachte oder ankam, ist ganz anders als die Brücke, auf der ich Dich verließ. Sie spannt sich zwar immer noch über den »Kanal der blauen Glocken«, ist aber nicht mehr aus Holz, sondern aus Stein, allerdings aus sehr grob gehauenem, und offensichtlich ziemlich lieblos zusammengefügt. Alles »hier« ist lieblos gemacht. Ich dachte: zum Glück haben die nach tausend Jahren immer noch eine Brücke an derselben Stelle. Es hätte ja sein können, daß sie, nachdem die alte Holzbrücke verfault oder sonst zusammengebrochen war, die neue Brücke etwas weiter oben oder unten errichtet hätten. Dann wäre ich ins Wasser gefallen, was natürlich unangenehm, aber nicht gefährlich gewesen wäre, denn der »Kanal der blauen Glocken« ist längst nicht mehr so tief, wie Du ihn kennst, allerdings äußerst schmutzig. So ziemlich alles hier ist äußerst schmutzig. Schmutz und Lärm – das beherrscht das Leben hier. Schmutz und Lärm ist der Abgrund, in den unsere Zukunft mündet.

Auch die Hügel auf der westlichen Seite des Kanals haben sie inzwischen abgetragen, denn alles ist ganz flach, soweit man sehen kann. Aber das habe ich Dir im letzten Brief schon mitgeteilt.

Ich richtete mich auf – ganz benommen, sagte ich schon –, stellte meine Reisetasche ab und schaute mich um. Nach dem Plan für meine ersten Schritte in der Zukunft, den wir so herrlich ausgearbeitet haben (ich kann Dir gleich sagen: er hat sich als völlig undurchführbar erwiesen), sollte ich mich zunächst zu der Stelle begeben, wo Dein Gartenhaus steht, um den erwähnten Stein zu suchen, den wir neben dem Eingang in den Boden haben rammen lassen. Ich kam gar nicht so weit, denn von dort, wo damals – Dein »jetzt« – das Haus der Jagdaufseherswitwe des Mandarins Mawang stand, näherte sich, erschrick nicht, ein Riese. Er war ganz in komische graue Kleider gehüllt, die völlig unnatürlich waren – auch darauf werde ich später noch zurückkommen –, hatte eine enorm ungesunde bräunliche Gesichtsfarbe und, als allerauffallendstes, eine riesige, eine unvorstellbar große Nase; mir schien: seine Nase mache die Hälfte des Körpervolumens aus. Er blickte aber, wie mir schien, nicht unfreundlich. Er wollte über die Brücke gehen, blieb jedoch stehen, als er mich sah. Ich kann das Mienenspiel unserer Nachfahren noch nicht richtig deuten. (Sie sind uns so unähnlich, daß ich mich frage: sind sie es wirklich? Wirklich unsere Nachfahren?) Ich lerne auch erst, ihre Gesichter zu unterscheiden. Das ist sehr schwer, denn sie sehen alle gleich aus und haben alle gleich große Nasen. Daß jener Riese – oder jene Riesin, auch das Geschlecht ist kaum zu unterscheiden –, der erste Mensch, den ich nach meiner Reise von tausend Jahren sah, keine drohende Haltung einnahm, glaubte ich aber erkennen zu können. Vermutlich war er so erstaunt über meinen Anblick wie ich über seinen. Ich nahm meine Reisetasche in die Hand, ging auf ihn zu, verbeugte mich und fragte:

»Hoher Fremdling oder hohe Fremdlingin! Ich, der unwürdige und weniger als nichtsnutzige Kwan der vierthöchsten Rangklasse Kao-tai, Präfekt der kaiserlichen Dichtergilde ›Neunundzwanzig moosbewachsene Felswände‹, entbiete meine Hochachtung vor dir und deinen Ahnen.« Wer weiß, dachte ich, ob ich nicht selber unter diesen Ahnen bin. »Kannst du mir sagen, ob hinter jener Mauer einst das Gartenhaus meines Freundes, des erhabenen Mandarins Dji-gu, stand?«

Der Riese verstand aber offensichtlich nichts von meiner Rede. Er sagte etwas in einer mir völlig unverständlichen Sprache, das heißt: er brüllte mit so tiefer Stimme, daß es mich fast über das Brückengeländer warf, und ich hätte unverzüglich die Flucht ergriffen, wenn sich nicht inzwischen eine größere Anzahl weiterer Riesen angesammelt hätte, die mich alle anstarrten. Ich war ganz verzweifelt. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mich sofort wieder in die Vergangenheit – in Deine und meine Gegenwart – verflüchtigt. Aber das geht ja nicht. Ich muß ausharren. Es ist auch gut so, denn das ist der Zweck meiner Reise. So umklammerte ich meine Reisetasche und wandte mich fragend an alle, ob nicht einer unter ihnen sei, der die Sprache der Menschen verstünde.

Es war keiner dabei.

Wenn man bedenkt, daß wir ohne Schwierigkeiten Bücher lesen können, die zweitausend Jahre alt sind, sich die Sprache bis auf uns von den ältesten Zeiten an nicht stark verändert hat, muß man sich wundern, daß sich die Sprache der Menschen in den nächsten tausend Jahren, die uns bevorstehen, so wandelt, daß ich mich mit keinem Wort mehr verständigen kann. Sollten das hier, diese Riesen mit ihrer brüllenden Sprache, gar keine Enkel von uns sein? Haben die Barbaren des Nordens es fertiggebracht, die Große Mauer zu überwinden? Haben sie unser Land überschwemmt, uns ausgerottet? Bewohnen sie nun unser Reich? Dagegen spricht, daß die Barbaren des Nordens ein zwar kräftiger und zäher, aber eher kleinerer Menschenschlag als wir sind. Nun – vielleicht gelingt es mir, auch da noch dahinterzukommen.

Inzwischen – aber auch davon später – habe ich ein paar Wörter der Zukunftssprache erlernt. Sie ist sehr schwer.

Die Großnasen und Riesen, die mich umringten – beruhige Dich: es sind keine Riesen; alle Leute »hier« sind größer, als wir es gewohnt sind –, schrien mit furchtbaren lauten und tiefen Stimmen durcheinander. Hättest du die Szene in einem Traum erlebt, hättest Du gemeint, in einen Haufen streitender Dämonen geraten zu sein. Offensichtlich redeten sie über mich. Da sie so brüllten – ich wußte zu dem Zeitpunkt noch nicht, daß die Leute hier immer brüllen –, fürchtete ich, es könnte im nächsten Augenblick eine Prügelei unter ihnen ausbrechen. Ich entwich deshalb in einem günstigen Moment und verließ die Brücke. Eine Straße ganz aus Stein zieht sich dort, wo Du jetzt, wenn Du diesen Brief bekommst, die äußeren Mauern der kaiserlichen Stallungen siehst, am Kanal entlang. Ich wollte die Straße überqueren, da passierte etwas ganz Schreckliches.

Übrigens – verzeih, daß ich von einem Gedanken zum anderen und wieder zurück springe, aber es ist wirklich schwer, meine Eindrücke in eine geordnete Reihe zu fassen, da zu viel auf einmal in diesen wenigen Tagen auf mich eingestürmt ist – gab es unter den Leuten auf der Brücke keine Prügelei. Sie prügeln sich selten, auch nicht solche niederen Standes. Es kann natürlich sein, daß sie sich in der Öffentlichkeit nicht prügeln und solche Tätigkeit in ihren Häusern betreiben. Ich kann mich noch viel zu wenig in der hiesigen Sprache ausdrücken, um Herrn Shi-shmi danach zu fragen. Sie prügeln sich nicht, aber sie brüllen. Sie brüllen immer, alle. Es hat nichts zu bedeuten. Freilich, man muß ihnen zugute halten, daß sie bei dem Lärm, der ständig hier herrscht, gar nicht in normaler Lautstärke reden können. Da würde sie niemand verstehen. Kannst Du Dir ein Leben vorstellen, lieber Freund Dji-gu, das darin besteht, ständig den Tag und Nacht herrschenden Lärm zu überschreien? Du kannst es Dir nicht vorstellen. Die Zukunft, lieber Freund Dji-gu, ist ein Abgrund. Aber ich lebe noch.

Der Zeitpunkt ist gekommen, um diesen Brief an den Kontaktpunkt zu legen. Ich schließe deshalb für heute. Es umarmt seinen geliebten Dji-gu

sein Freund Kao-tai

Vierter Brief

(Samstag, 20. Juli)

Sehr geliebter Freund.

Drei Tage sind vergangen, in denen – wie immer – Neues, Überraschendes, Fremdartiges und Unerklärliches auf mich eingestürzt ist, aber ich fahre in der Schilderung der Ereignisse fort, die unmittelbar auf meine Ankunft gefolgt sind.

Die erwähnte Straße, die ich überqueren wollte, ist eine Allee. Links und rechts des Pflasters zieht sich ein kümmerlicher, lieblos gehaltener Rasenstreifen hin. Die Steine sind ebenfalls sehr nachlässig in die Straße eingelassen, die dadurch ziemlich holprig ist. Wäre der Erhabene Sohn des Himmels nur ein einziges Mal über diese Straße gefahren, er hätte den Obersten Straßenbau-Mandarin unverzüglich köpfen lassen. In dem Rasenstreifen wachsen unschöne, ungepflegte Bäume.

Nichtsahnend schickte ich mich an, diese Allee zu überqueren, als sich ein unvorstellbares Heulen, Knirschen und Rattern näherte, für das in unserer Welt jeder Vergleich fehlt. Gleichzeitig raste mit der Geschwindigkeit eines Blitzes ein großes Tier – oder ein feuriger Dämon, schoß es mir durch den Sinn – auf mich zu, ja: schneller als jeder Blitz, so ungeheuer schnell, daß ich das Tier oder Ding gar nicht sehen konnte. Inzwischen weiß ich ungefähr, was für Dinge das sind – es sind keine Dämonen, jedoch mindestens so gefährlich wie für abergläubische Leute Dämonen –, aber damals war ich natürlich noch völlig unvorbereitet. Ich hatte die Straße schon zur Hälfte überquert, als mich – so meinte ich – das schnaubende Tier erblickte. Alles spielte sich im Bruchteil eines Augenblicks ab. Ich erkannte, daß der Dämon es nicht auf mich abgesehen hatte. Er gab vielmehr einen – wenn möglich – noch gräßlicheren Heulton von sich und versuchte auszuweichen. Auch ich wollte ausweichen und sprang mit ein paar Sätzen zur Brücke zurück. Wie ein in höchster Wut rasendes Wildschwein aber konnte das Tier (größer als zehn Wildschweine) seine Richtung nicht so schnell ändern. Noch immer heulend, dann einen Knall ausstoßend, den man nur erzeugen könnte, wenn man das gesamte kaiserliche Feuerwerksmagazin für das Neujahrsfest auf einmal anzündete, sprang der Dämon, schien es mir, auf einen Baum hinauf. Ich stürzte zu Boden und verlor die Besinnung.

Als ich wieder erwachte, hatte sich eine noch größere Menge von Großnasen, von denen wieder einer aussah wie der andere, versammelt. Mich hatte man zwar auf eine Holzbank gelegt, die zwischen den Bäumen stand, kümmerte sich aber fast nicht um mich. Alles stand um den Baum herum, auf den der schnelle Dämon »Zehn Wildschweine« hinaufgeklettert war. Nein: er war nicht hinaufgeklettert, sah ich, als ich mich ein wenig erhob, er hatte sich am Stamm festgebissen. Heute weiß ich: es war gar kein Dämon und auch kein drachengroßes Wildschwein. Es war ein Wagen aus Eisen. Herrn Shi-shmis Haus ist in der Nähe jener Brücke, und ich bin seitdem mehrmals an der Stelle vorbeigekommen. Der Baum, fürchte ich, wird eingehen.

Solche Wägen aus Eisen mit vier Rädern, die ganz ohne Pferde fahren und viel, viel schneller laufen als jemals ein Pferd, gibt es hier in überaus gefährlichen Mengen. In jedem Wagen sitzt in der Regel einer von den Großnasen, der an einem weiteren Rad im Inneren des Wagens dreht und damit recht und schlecht den Wagen lenkt. Sie fahren so schnell, daß sie, ehe Du Dich’s versiehst, links verschwunden sind, noch ehe sie rechts auftauchen. Auf all den Steinstraßen hier kann kein Mensch gehen, so zahlreich sind diese Eisen-Wagen. Sie rasen kreuz und quer durcheinander, und ich frage mich, wie sie das machen, daß sie nicht dauernd zusammenstoßen. Wahrscheinlich haben sie ein Mittel, das sie voneinander wegmagnetisiert. Sperlinge fliegen ja auch in verwirrenden Scharen durcheinander um die Bäume, und noch nie habe ich gesehen, daß zwei Sperlinge mit den Köpfen aneinandergestoßen wären. So ähnlich stelle ich mir das mit den Eisen-Wagen vor. Aber auch das werde ich zu erkunden versuchen. Sie nennen die Eisen-Wagen übrigens: A-tao. Das ist eines der ersten Wörter der Lärm-Sprache, die ich gelernt habe.

Selbst wenn aber keines dieser A-tao in Sicht ist, wagt niemand, die Straßen zu betreten. Diese Teufelsdinger sind so schnell da, daß auch dem Behendesten keine Zeit bleibt, auf die Seite zu springen. Man hat deshalb auf beiden Seiten der Straßen etwas erhöhte eigene kleine Straßen angebracht, auf denen man einigermaßen sicher gehen kann. Auf diesen kleinen Geh-Straßen drängen sich dann auch die Leute und machen Lärm. Die Geh-Straßen sind im Gegensatz zu den Eisen-Wagen-Straßen sehr schmal. Ich schließe daraus, daß die Leute, die in den A-tao sitzen, die Stadt und wohl das ganze Land regieren und daß die Menschen, die gehen, nichts zu sagen haben.

Aber zurück zur Reihenfolge der damaligen Ereignisse am ersten Tag: – ich richtete mich auf. Als ich den Sachverhalt mit dem am Baum festgebissenen A-tao erkannt hatte, gewahrte ich eine Anzahl von anderen solchen A-tao-Wagen, die am Rand der Straße festgemacht waren. Ich wollte aufstehen und weggehen, denn ich erkannte sogleich, daß man womöglich mir Auffallendem, wenngleich Harmlosem, die Schuld daran zuschieben könnte, daß jener Eisen-Wagen – der nun dumm dastand und qualmte – mittels des Baumes seine Fahrt beendet und den Baum womöglich beschädigt hatte. Aber zwei Riesen in grünen, gleichartigen Kleidern, an die eine übermäßige Anzahl von silbernen Knöpfen genäht war, hatten mich, wie ich erkennen mußte, beobachtet und hielten mich sogleich fest. Ohne Zweifel handelte es sich um kaiserliche Schergen. Der Ton, in dem sie mit mir brüllten – ich verstand natürlich kein Wort –, war mir sogleich geläufig. Es war dies die erste Ähnlichkeit mit der mir vertrauten Welt, und es heimelte mich fast an, so unangenehm der Griff auch war, mit dem sie mich anfaßten.

Ich sagte zu den Schergen: »Ehrwürdige, überaus alte kaiserliche Schergen! Ich bin der nichtswürdige, ungewaschene, wenngleich harmlose Mandarin Kao-tai, Kwan der vierthöchsten Rangstufe, Ehemann zweier Nichten der erhabenen, alles überstrahlenden Majestät, der unlängst leider verblichenen Chiang-fu, vierter Lieblingsfrau des überaus glücklichen Herrschers, Sohn des Himmels, sowie Präfekt der Dichtergilde ›Neunundzwanzig moosbewachsene Felswände‹. Habe die von mir unverdiente Freundlichkeit sowie Gnade, mich unverzüglich loszulassen, andernfalls es sein könnte, daß der Freund meiner unsagbar unwerten Person, der höchst angesehene Polizei-Mandarin, dessen Vetter zu sein ich die mir in meiner moralischen Beflecktheit selber unerklärliche Ehre habe, der überaus mächtige Kwan Fa-kung, Euer sonnenstrahlengleicher Vorgesetzter, Euch leider recht ernst zu nehmende Schwierigkeiten machen könnte, die Eure nahezu unvergleichlich schönen, mit einer dem kaiserlichen Staatswald im Vorfrühling in Farbe ähnlichen Dienstmütze bekleideten Köpfe unter Umständen nicht überleben könnten.« In meiner Verwirrung hatte ich vergessen – so geht es mit der Gewohnheit, die oft die Oberhand behält, wenn die Gedanken aussetzen –, daß mein Vetter Fa-kung »hier« schon seit fast tausend Jahren tot ist und längst ein anderer Mandarin über die Schergen gebietet, ein Mandarin, dem vielleicht der Name Fa-kung nichts mehr sagt.

Aber die Schergen verstanden mich natürlich ohnehin nicht. Der eine brüllte dann noch etwas – ich schüttelte immerzu den Kopf, bis sie begriffen, daß eine Unterhaltung zwischen uns nicht möglich war.

Die grünen Schergen redeten eine Zeitlang miteinander. Ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich in ihren ziemlich flachen, nichtssagenden Mienen Ratlosigkeit zu erblicken meinte. Sie führten mich dann recht unsanft zu einem A-tao-Wagen, der dort in der Nähe stand. Es mag sein, daß sie mich unabsichtlich unsanft führten, denn die Riesen-Schergen konnten es vielleicht gar nicht anders. Sie hatten Hände, groß wie Palmwedel und ungelenk wie Kistenbretter. Sie schoben mich in den Eisen-A-tao. Ich hatte schreckliche Angst. Meine Reisetasche preßte ich an mich.

Nun mußt Du, geliebter Dji-gu, verstehen, daß das alles, was hier Seite um Seite füllt, nur der Inhalt von vielleicht einer Viertelstunde war, wahrscheinlich von weniger als dem. Die fremden Eindrücke strömten an mir vorbei wie ein reißender Fluß, und das Tosen eilte über mich hinweg. Meine Erinnerung faßt nur wahllos einige Eindrücke auf. Es ist sicher, daß mir wichtige Zusammenhänge dieser ersten Zeit meines »Hier«-Seins entgingen. Aber wer sollte, wenn er auch noch so kühlen Geistes ist, in dieser Situation einen klaren, aufnahmefähigen Kopf bewahren?

Ich erkannte, daß es keinen Sinn hatte, sich gegen die Verhaftung zu wehren. Ich ermannte mich, ich hoffte, daß die kaiserliche Gerechtigkeit nicht auch so niedergegangen war wie offensichtlich die allgemeinen Sitten, denn dann, konnte ich mir sagen, habe ich nichts zu befürchten. Ich war ja schuldlos. Außerdem ist der Zweck meiner Reise das Beobachten. Daß die Reise ein Risiko war, wußten wir ja lang. Daß ich allerdings zuallererst als Verbrecher behandelt würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber ich beschloß für mich: auch das gehört eben zu den Erfahrungen meiner Reise in die Zukunft.

Im A-tao-Wagen der Schergen, offenbar ein Dienstfahrzeug, war es fürchterlich eng, eng wie in einer primitiven Sänfte. Aber immerhin war eine gut gepolsterte Bank vorhanden. Einer der grünen Schergen setzte sich neben mich, der andere verfügte sich weiter vorn hin, dort, wo das innere Rad war. Es stank schrecklich in dem Wagen, und als er mit unnennbarem Tosen und Rattern zu fahren begann, verlor ich wieder das Bewußtsein. Ich bin seitdem schon ein paar Mal mit solchen A-tao gefahren. Man gewöhnt sich an alles. Die ungeheure Schnelligkeit macht mich zwar nicht mehr bewußtlos, aber mit geöffneten Augen kann ich immer noch nicht fahren. Wenn die Häuser und Bäume draußen mit im wahrsten Sinn des Wortes unmenschlicher Geschwindigkeit vorbeisausen, ist es, als raffelte eine große Feile an meinem Vermögen, Eindrücke aufzunehmen. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß den »hiesigen« Leuten diese große Feile der Schnelligkeit alle ihre feineren Empfindungen weggeschliffen hat. Vielleicht sind sie deshalb so ungeschlacht.

Die beiden Schergen brachten mich in ein sehr großes, sehr dunkles Haus. Dort waren viele andere Schergen. Es gibt, scheint es, einige Dinge auf der Welt, die die Jahrtausende überdauern. Ich habe einmal, ich war damals in meinem zweiunddreißigsten Jahr und erst Kwan der Rangstufe A 7, als Angehöriger einer Hofkommission die Gefängnisse der Hafenstadt Hai-chou inspiziert. Das Charakteristische an den Gefängnissen erschien mir ein gewisser ranziger Geruch. Diesen Geruch stellte ich in dem Gebäude, in das ich gebracht wurde, wieder fest und erkannte es somit als Gefängnis. Gewisse Eigenschaften gewisser Dinge überdauern also die Jahrtausende. Es sind dies offenbar weder die besten Eigenschaften noch die besten Dinge.

In dem Gefängnis, das offenbar gleichzeitig die Befehlszentrale der Schergen ist, wurde ich einem Ober-Schergen vorgeführt. Vorher hatte mir ein Scherge meine Reisetasche weggenommen und sie durchsucht. Als ich durch die langen, finsteren, ranzig riechenden Gänge geführt wurde, trug ein Scherge meine Reisetasche; gewiß nicht aus Höflichkeit.

Dem Ober-Schergen gegenüber machte ich gar nicht mehr den Versuch einer Anrede. Ich schwieg und verbeugte mich nur immer ein wenig, wenn er etwas sagte. Er aber redete mich in der sehr lauten, harten und unmelodiösen Sprache unserer unglückseligen Nachkommen an. Auf seinem Gesicht machte sich Ratlosigkeit bemerkbar. Ich mußte mich auf eine schmutzige Holzbank setzen. Die Reisetasche stellte man – als offenbar ungefährlich – neben mich hin. Unzählige Schergen kamen, scheinbar beiläufig, in den Raum, um mich anzustarren. Ich mußte, trotz meiner demütigenden Lage, lachen. Peinlich war es mir aber doch.

Nach einiger Zeit kam der Ober-Scherge mit einem zurück, der keine Schergen-Tracht trug. Dieser – ich glaube, es war ein Weib – versuchte ebenfalls, mit mir zu sprechen. Ich verstand zwar, daß sie einen Dolmetscher geholt hatten, allein, ich verstand auch die Sprache, in der der Weib-Dolmetscher redete, nicht. Ich merkte überhaupt keinen Unterschied zwischen dem Idiom, in dem sie mich vorher angeredet hatten, und dem, das der Dolmetscher sprach. Im Lauf der Zeit holten sie nacheinander wohl an die zehn Dolmetscher. Anfangs hatte ich die leise Hoffnung, daß einer dabei sein könnte, der unsere Sprache verstünde. Ich begrub diese Hoffnung bald – der Ober-Scherge, wie mir schien, auch.

Eine Zeitspanne für das alles kann ich nicht angeben. Aber es war, nachdem vier Dolmetscher vergeblich mit mir ihr Glück versucht hatten, da brachte mir – es war sicher freundlich gemeint – ein Unter-Scherge einen Teller aus gewalztem Eisen, in dem einige Dinge waren, die ich nach längerem Hinsehen für als eßbar gedacht zu erkennen meinte. Er drückte mir auch ein Gerät in die Hand – inzwischen habe ich solche Geräte kennengelernt, davon später –, das auch aus gewalztem Eisen war. Das Gerät heißt Gan-bal. Wohlweislich fassen sie hier ihre Speisen nicht mit den Händen an, sondern führen sie mit solchen Gan-bal-Geräten zum Mund. Ich hatte vor Aufregung und Schrecken nicht den geringsten Hunger, auch ekelte es mich vor dem hellgrauen, körnigen Brei (ganz entfernt unserem Reis ähnlich), auf dem einige schwärzliche Stücke lagen, die bei näherem Hinsehen als Fleisch kenntlich waren. Eine rote, dickflüssige Masse war darüber gegossen. Ich sagte mir: ich bin nicht in die Zukunft gereist, um mich zu ekeln, sondern um Erfahrungen zu sammeln und zu beobachten. Also aß ich von dem Brei. Er schmeckte hauptsächlich nach Salz und war sehr heiß. Inzwischen habe ich erfahren, daß »hier« – selbst unter gebildeten Leuten – die Sucht herrscht, fast alles brühheiß zu essen. Auch deswegen müssen sie Gan-bal verwenden. Bei normalem Essen mit den Händen, wie wir es gewohnt sind, würden sie sich die Finger verbrennen. – Das Fleisch schmeckte nach Leder.

Ich aß ein wenig, und dann, nachdem ich glaubte, für diesen Fall Erfahrung genug gesammelt zu haben, gab ich mit einer Achtel-Verbeugung – der Ober-Scherge steht ja zweifellos im Rang weit unter mir – den Teller aus gewalztem Eisen und den Gan-bal zurück. Als ich durch Gesten andeutete, daß ich Durst habe, brachte man mir ein Gefäß aus Glas mit einer ekelhaften weißen Flüssigkeit, von der ich jetzt weiß, daß es nichts anderes als Rindsmilch ist. Ja: Milch von Rindern. Mir wurde schlecht, als ich nur daran roch, und meinte im ersten Augenblick, man wolle mich vergiften. Kopfschüttelnd nahm der großnasige Scherge seine Rindsmilch wieder mit und brachte mir ein Gefäß mit einem sheng4› Hinweis Wasser, das ich trank. Das Wasser war gut.

Als der zehnte Dolmetscher kam, war mir, als ginge nach einer düsteren Sturmnacht die Sonne auf: dieser Dolmetscher trug ein Menschengesicht. Er war, obgleich immer noch größer als ich, nicht ganz so riesenhaft wie alle anderen hier. Aber meine Enttäuschung war groß: auch er konnte mich nicht verstehen. Ich glaube, er war ein Bewohner der Südlichen Inseln5› Hinweis. Sollten sich dort die Menschen nicht so sehr verändert haben wie in unserer unglücklichen Hauptstadt?

Oder wo bin ich? Vielleicht werde ich die Gelegenheit haben, es zu erforschen. Die Sprache aber ist bis zur Unverständlichkeit entartet. Auch die Schriftzeichen, die ich aufschrieb, konnte er nicht lesen.

Inzwischen war es Abend geworden. Man sperrte mich – ja, lieber, treuer Dji-gu – man sperrte Deinen Freund Kao-tai, Kwan der vierthöchsten Rangstufe und Präfekt der Dichtergilde »Neunundzwanzig moosbewachsene Felswände« in eine Gefängniszelle. Es regte mich schon nicht mehr auf. Vorher mußte ich einige wohl rituelle Zeremonien über mich ergehen lassen. Ich mußte meine Finger in schwarze Tusche tauchen und dann ein Papier berühren. Vermutlich Dämonen-Abwehr. Dann kam ich in einen Raum, in dem ein Scherge mit einem unverständlichen Gerät hantierte, das kleine Blitze von sich gab. Ich mußte mich auf einen bestimmten Hocker setzen, einmal geradeaus, einmal links, einmal rechts schauen. Jedesmal blitzte es im Kasten, es geschah mir aber nichts. Vielleicht handelte es sich um einen Reinigungszauber. Zur Vorsicht verbeugte ich mich vor dem Blitz-Kästchen dreimal mit einer Zwei-Drittel-Verbeugung. Wenn sie schon so abergläubisch sind, dachte ich mir, muß ich ihrem Aberglauben diese Ehre antun. In der Zelle war es sehr ungemütlich, auch kalt und schmutzig, und es roch ranzig. Dennoch legte ich mich auf eins der Holzbetten und deckte mich mit einer groben, braunen Decke zu. Ich schlief ein – nicht ohne vorher mit einem Seufzer an Dich, mein Freund, an meine geliebte, süße Shiao-shiao (die so oft mein Lager teilt) und an meine blauseidenen Kissen daheim zu denken und an die safranfarbene Decke, die meine Träume beschützt. So verbrachte ich die erste Nacht in dieser fernen Zeit im Gefängnis. Je nun – auch das ist eine Erfahrung. Möglicherweise war dies die schlimmste Demütigung, die mir auf dieser Reise zugedacht ist. Und dann ist es vielleicht gut, daß ich sie gleich am Anfang erfahren habe. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß ich auch gute und nützliche Erfahrungen hier machen kann, obwohl ich manchmal verzweifle: in diesem Nebelloch an Zukunft. Nebelloch – ja: obwohl leidlich schönes Wetter herrscht, komme ich mir vor, als ginge ich durch grauen Nebel. Ob er sich jemals verzieht?

Nun habe ich den ganzen Vormittag geschrieben. Eben kommt Herr Shi-shmi zur Tür herein. Er bedeutet mir, ich solle mit ihm kommen. Wahrscheinlich werden wir gehen, um das einzunehmen, was sie hier unter einer Mahlzeit verstehen. Danach werde ich zum Kontaktpunkt gehen – es ist die rechte Zeit – und diesen Brief niederlegen und auf die Reise tausend Jahre zurück schicken. Vielleicht finde ich heute einen Brief von Dir vor.

Ich denke an unsere schöne Vergangenheit und an Dich, mein liebster Dji-gu.

Kao-tai

Fünfter Brief

(Dienstag, 23. Juli)

Geliebter Freund Dji-gu.

Ich sitze wieder in einem Zimmer von Herrn Shi-shmis Haus, das kein eigentliches Haus ist, davon aber später. Drei Tage sind seit meinem letzten Brief vergangen. Vorerst werde ich bei Herrn Shi-shmi bleiben, den der Himmel segnen möge, er ist – obwohl er nicht so aussieht – ein Mensch. Ich verstehe mich von Tag zu Tag besser mit ihm. Er hat mir eins seiner Zimmer eingeräumt. In ihm fühle ich mich, obwohl es für unsere Begriffe so klein ist wie die Bude eines Bettlers, schon einigermaßen heimisch, vor allem deswegen, weil ich hier meine gewohnten Kleider trage, während ich draußen in einer dieser scheußlichen grauen Schlauch-Häute herumlaufen muß, die sie An-tsu nennen. Diese qualvolle An-tsu-Kleidung besteht aus einer komplizierten Vielfalt von Einzelteilen. Einige weiße Schläuche trägt man darunter, zwei schwarze Schläuche an den Füßen, dann kommt eine graue Hose, dann eine dünne Jacke mit unzähligen Knöpfen. Diese Dünn-Jacke (sie heißt – ich habe das aber möglicherweise nicht richtig verstanden – »Hem-hem«) stopft man in die Hose hinein. Der an sich schon unbequeme Kragen dieser dünnen Hem-hem-Jacke wird noch dadurch eingeengt, daß ein Streifen Stoffes, dessen Funktion nicht ohne weiteres klar ist, darum gebunden wird. Der Stoff-Streifen muß auf bestimmte Länge vorn herunterhängen. Viele Männer tragen solche Stoff-Streifen, ja, ich muß gestehen: nur an so einem Stoff-Streifen erkenne ich – vorerst –, daß es sich um einen Mann handelt, mit dem ich es zu tun habe, denn Weiber tragen solche Stoff-Streifen nicht. Es gibt solche Stoff-Streifen in verschiedenen Farben. Der, den Herr Shi-shmi mir gegeben hat, ist rot. Er selber trägt einen blauen. Das Binden des Stoff-Streifens ist eine ungeheuer komplizierte Sache. Ich beherrsche es noch nicht; Herr Shi-shmi muß mir immer helfen. Da ich keinerlei Funktion der Stoff-Streifen erkennen kann, nehme ich an, daß es sich um Rangabzeichen handelt. Ich hoffe, daß der rote Stoff-Streifen einigermaßen meiner Würde als Mandarin der vierthöchsten Rangklasse und Präfekt der Dichtergilde »Neunundzwanzig moosbewachsene Felswände« entspricht. Bezeichnet etwa der blaue Streifen, den Herr Shi-shmi sich umbindet, einen niedrigen Rang? Es verwirrt mich, daß ich die Rangordnung nicht kenne und somit mein Verhalten nicht richtig bemessen kann. In der Kenntnis der hiesigen Sprache bin ich noch nicht so weit vorgedrungen, daß ich so etwas Kompliziertes fragen könnte. Ich glaube zwar nicht, daß Herr Shi-shmi einen höheren Rang einnimmt als ich, und meine Verbeugungen erwidert er immer exakt in gleicher Weise, ich wüßte es aber doch gern. Ich hoffe, daß er nicht allzu tief unter mir steht.

Aber, so denke ich mir, er hat mir soviel geholfen, ist mir so nützlich: ja, ohne ihn wüßte ich nicht, was anfangen, daß ich ihn, selbst wenn er ein Hofbeamter der 18. Rangklasse wäre und schon das siebte und letzte Mal bei der Dichterprüfung der Akademie durchgefallen, hochachten und lieben würde. In der Situation, in der ich bin, neigt man zu der Meinung, daß Rang und Dichterprüfung nicht das wichtigste Kriterium für die Bewertung des Menschen sind.

Aber ich bin mit der Beschreibung der Kleidung, des An-tsu noch längst nicht am Ende. Über Hose, Dünn-Jacke und Rangstreifen zieht man eine dickere Jacke an. Die Füße steckt man in kleine, verschnürte Kästchen aus entsetzlich hartem Leder, in denen man kaum gehen kann. Über dem Ganzen trägt man hie und da – wenn es am Abend kühler wird, und das ist hier selbst im Sommer der Fall – eine etwas längere, ebenfalls graue Jacke, die wohl einen Mantel vorstellen soll. Hat man das alles an, kommt man sich vor wie ein Wickelkind und kann sich kaum bewegen. Die Hände in unserer gewohnten Weise in die Ärmel zu stecken ist völlig ausgeschlossen. Die Leute stecken hier die Hände in die Taschen, die an der Kleidung an den überraschendsten Stellen in Vielzahl vorhanden sind. In noch größerer Zahl aber, in geradezu lächerlicher Menge finden sich Knöpfe am An-tsu. Eine Reihe kleiner Knöpfe befindet sich direkt am Geschlechtsteil. Ich nehme deshalb an, daß es sich hier um einen Fruchtbarkeitszauber handelt.

So laufe ich also draußen herum. Ich lasse es über mich ergehen, weil ich ja – der ich beobachten will – nicht ständig Gegenstand allseitigen Bestaunens sein mag. Ich falle auch in dem An-tsu noch genügend auf.

Bevor ich aber nun in der Schilderung der Erlebnisse meines ersten Tages hier fortfahre, habe ich Dir für Deinen liebenswürdigen, wenngleich kurzen Brief zu danken. Ich fand ihn wohlbehalten am Kontaktpunkt. Das angekündigte Silberschiffchen war allerdings nicht eingeschlossen. Nur unser spezielles Zeitwander-Papier vermag offenbar die tausend Jahre zu durcheilen. Laß also das mit dem Silberschiffchen in Zukunft … (merkwürdig: wenn ich so weit in die Vergangenheit zurück von »Zukunft« schreibe) … ich brauche es auch gar nicht. Ich habe erst eines der fünfzig, die ich bei mir habe, ausgegeben. Herr Shi-shmi hat es in hier gültige Währung umgetauscht. (Ich vertraue ihm da völlig.) Er hat dafür einen An-tsu und einen Haufen anderer Sachen für mich gekauft und angedeutet – wenn ich seine Gesten richtig verstehe –, daß noch viel Geld übriggeblieben ist. Was ich in absehbarer Zeit brauche, ist Zeitwander-Papier, denn meine Briefe an Dich sind doch ziemlich lang, und mein Vorrat geht zur Neige. Schicke mir also das nächste Mal ein Paket leeres Papier mit.

Im Übrigen freut es mich, daß meine herzige Shiao-shiao wohlauf ist. Daß sie Sehnsucht nach mir hat, schmeichelt mir. Ich habe auch Sehnsucht nach ihr. Ich hätte sie gern auf meine Zeit-Reise mitgenommen; aber es ist besser so. Die Welt »hier« wäre nichts für ihre empfindliche Seele. –

Aber nun fahre ich fort in meinem Bericht: ich wachte in meiner Gefängniszelle davon auf, daß ein mürrischer, aber nicht bösartiger Schließer die Tür öffnete und mir das Frühstück auf einem nahezu schon grotesk kunstlosen Tablett brachte. Nachdem ich ein wenig von einer dunkelbraunen Masse, die offenbar aus schlecht gebackenem und äußerst salzhaltigem Teig bestand, gegessen hatte (die beigegebene Flüssigkeit, die sehr heiß war und mehr als fremdartig roch, rührte ich zur Vorsicht nicht an), kam der Schließer wieder. Er winkte mit dem Schlüsselbund. Ich ordnete meine Kleider und folgte ihm. Er führte mich durch lange, lärmreiche und schmutzige Gänge, in denen der ranzige Geruch unsereinem längeren Aufenthalt unmöglich gemacht hätte. Den Leuten hier macht aber der Gestank nichts aus. Auch das wäre ein Kapitel für einen eigenen Brief. Selbst Herr Shi-shmi hat offenbar von der Erfindung der Räucherstäbchen noch nie etwas gehört.

Man führte mich in ein etwas größeres Zimmer. Dort saß ein Mensch, ja, ein Mensch, obwohl auch er das Antlitz – wenn man so sagen kann – der hiesigen Riesenkrebse trug. Seine Augen waren anders als die der sonstigen Riesen. Ich vermutete sofort – und wohl richtig –, daß es sich bei ihm um einen höheren Mandarin und Richter handelte. Zunächst schien auch er ratlos über meine Erscheinung zu sein. Ich kann mir nicht helfen: wenn zu uns, ich meine in unsere Zeit, in die Regierungszeit unseres Glorwürdigen Und Gnädigen Kaisers Und Sohnes Des Himmels ein Mann aus – sagen wir – der Regierungszeit der Dynastie Shang6› Hinweis käme, so erschiene uns dieser Mensch nicht fremder und eigenartiger als ein Gast etwa aus den fernen westlichen Provinzen, wo sie ja auch eine etwas unterschiedliche Sprache und merkwürdige Sitten haben. Hier aber bin ich so fremd wie ein seltenes Tier – nein: wie ein eigenartiger Stein. Wir kennen die Kaiser und die Dichter unserer fernsten Vergangenheit. Die heute hier wissen von uns nichts. Mir scheint, sie kennen sie nicht nur nicht, sie wissen gar nicht, daß sie eine Vergangenheit haben. Ich begreife nicht, wie sich in den tausend Jahren so ein verheerender Spalt zwischen unseren Enkeln und uns, ihren Ahnen, auftun konnte. Aber vielleicht sind die Leute wirklich fremder Rasse – Eindringlinge, Eroberer, die unsere Nachkommen verdrängt haben und vernichtet. Oder sollten wir uns bei unseren Reisevorbereitungen verrechnet haben? Bin ich statt tausend Jahre zehntausend Jahre in die Zukunft gereist? Das würde manches erklären.

Ob die Leute ohne Vergangenheit glücklicher oder unglücklicher sind als wir, muß ich erst herausfinden. Freilich kann das Wissen um die Vergangenheit auch wie eine Last sein. Ich kann nur nicht begreifen, daß es eine Rasse geben soll, die einfach in den Tag hineinlebt, ohne sich der Namen ihrer Ahnen bewußt zu sein.

Der Richter oder Hofbeamte, dem ich also vorgeführt wurde, versuchte auch, sich mit mir zu verständigen, natürlich vergeblich. Ich deutete ein paar Mal auf mich – unter einer Drei-Achtel-Verbeugung, ich schätzte den Hofbeamten auf einen Kwan höchstens vom Rang B3 – und sagte: »Kao-tai.« Ganz langsam und deutlich: »Kao-tai.« Er verstand, lächelte und schrieb meinen Namen auf ein Papier, das vor ihm lag. (Sie schreiben in gänzlich unverständlicher Schrift, lächerlicherweise in waagerechten Zeilen von links nach rechts.) Danach ließ er mich zu meiner grenzenlosen Enttäuschung wieder zurück in die Zelle führen. Bis dahin überwog in meinen Gefühlen trotz allem die Neugier. Als aber der Schließer die Zellentür auf ein neues hinter mir schloß, erfaßte mich die Verzweiflung. Wohl nie war ein Mensch so allein wie ich. Tausend Jahre weit aus meiner Welt hinausgestoßen, hilflos in einem Chaos von Unverstand. Würde ich je den Kontaktpunkt wiederfinden? Nein, sicher nicht ohne fremde Hilfe. Ich wußte nicht einmal, wie weit ich mit dem A-tao-Wagen verbracht wurde … Wer sagte mir, daß es nicht tausend Li waren? Ich war ja bewußtlos auf der Fahrt. Der Kontaktpunkt, der einzige Zusammenhang mit meiner Zeit-Heimat, schien mir damals im Gefängnis für immer verloren. Gut, es sind noch acht Monate Zeit – aber wie soll ich selbst in acht Monaten jemals in diesem Chaos, von aller Hilfe abgeschnitten, in einer Lärmwelt von Riesenkrebsen und Großnasen, in einer Welt, die mich nicht versteht, jene kleine Brücke wiederfinden? Ich war verzweifelt. Ich sah mich schon – selbst wenn ich aus dem Gefängnis entlassen würde – durch diese unordentliche Welt irren und vergeblich die Brücke suchen … und den Zeitpunkt der Rückkehr versäumen … und ich wäre ausgestoßen in diese Nebelwelt, endgültig und unwiederbringlich abgeschnitten von meiner Heimat, und alle, Du, meine Kinder, meine geliebte Shiao-shiao … tot seit tausend Jahren und – entschuldige – verwest und sogar ihr Andenken verweht.

Ich saß völlig verstört und wie auf einer geländerlosen Brücke über einem Abgrund in meiner Zelle und dachte an die Verse unseres großen Lin Tsung-yüan – den sie hier gewiß auch nicht mehr kennen:

»Wenn du nach Norden ziehst,

Frühling, wann kommst du nach Tsin?

Nimm meinen Traum dorthin.

Trag in den alten Garten

Den Traum, daß ich zu Hause bin.«

Aber was hält das Menschenherz nicht alles aus. Ich schlief zwei Stunden oder wohl auch drei, dann öffnete sich die Zellentür, und herein trat zu meiner Überraschung jener Richter und Mandarin, in dem ich halbwegs einen Menschen zu erkennen glaubte. Er hatte meinen Namen behalten und sagte: »Hel Kao-tai!« Die Vorsilbe »Hel« ist hier eine Anrede in höflicher Form. Ich machte deshalb wieder eine Drei-Achtel-Verbeugung und sagte: »O du gütiger, vom Himmel gesandter Hel-Richter und Mandarin, ich unwürdiger Staubwurm danke dir für deine freundliche Anrede. Der Himmel möge deine Ahnen segnen, unter denen möglicherweise ich selber bin.« Er verstand das natürlich nicht, ahnte aber vielleicht den Sinn meiner Rede und klopfte mir mit der Hand dreimal leicht auf die Schulter. Vermutlich war das eine Reinigungszeremonie. Ich verbeugte mich, und er deutete mit der Hand auf die offene Zellentür. Ich verstand, daß ich frei war.

Soweit der Brief für heute. Meine eigentlichen Abenteuer, das spüre ich, beginnen erst. Herr Shi-shmi steht neben mir, seit ich eben das Gedicht geschrieben habe, und wartet. Er weiß, daß ich heute wieder einen Brief zum Kontaktpunkt bringen will. Herr Shi-shmi ist sehr rücksichtsvoll, und ich glaube, er ahnt von der Bewandtnis, die es mit mir hat.

Bis jetzt bin ich noch nie allein ausgegangen. Herr Shi-shmi hat mich stets begleitet, denn ich habe immer noch Angst vor den A-tao-Wagen, und dann sind es doch drei Li von hier zur Brücke. Aber verirren könnte ich mich nicht mehr. Um meine Rückkehr bange ich nicht.

Ich grüße Dich, überaus liebenswerter Dji-gu; und schreib mir bald einen etwas längeren Brief.

Kao-tai

Sechster Brief

(Sonntag, 28. Juli)

Liebster Freund.

Ich bedaure überhaupt nicht mehr, daß ich diese Reise unternommen habe, obwohl ich mich nach wie vor nach den Gesprächen mit Dir in abendlicher Dämmerung in Deinem oder in meinem Park und nach den unbeschreiblichen Liebkosungen meiner einzigen Shiao-shiao sehne. Für Deinen sehr bündigen und in seiner Prägnanz äußerst kunstvoll zu nennenden Brief danke ich Dir von Herzen; dennoch hätte ich auch gern gewußt, ob meine schwangere Konkubine Fa-fo ihr Kind inzwischen bekommen hat, ob das schwarze Fohlen wieder gesund ist und ob meine Vierte Schwiegermutter Ta-chiang noch lebt, die am Tag vor meiner Abreise sterbenskrank geworden ist. Hat meine Hauptfrau noch ihr Furunkel? Auch schreibst Du nur sehr wenig von Shiao-shiao … aber immerhin weiß ich aus Deinem Brief, daß es ihr gutgeht.

weiß