Am 30. April 1940 erreichte Hauptsturmführer Rudolf Höß ein ehrgeiziges Ziel. Er war nach sechs Jahren im aktiven Dienst der SS im Alter von 39 Jahren zum Kommandanten eines der ersten deutschen Konzentrationslager in den neu eingegliederten Ostgebieten ernannt worden. Anfang Mai nahm er seine Arbeit in einer kleinen Stadt in einer Gegend auf, die 8 Monate zuvor noch Südwestpolen gewesen und jetzt Teil von Oberschlesien war. Der Name des Ortes lautete polnisch Oświęcim – deutsch Auschwitz.
Höß war zwar zum Kommandanten befördert worden – aber ein Lager existierte noch nicht. Es gab nur einen »verwahrlosten und von Ungeziefer wimmelnden Komplex« ehemaliger polnischer Kasernen am Rande der Stadt, und dort sollte er nun die Errichtung eines Lagers überwachen. Die Umgebung hätte kaum deprimierender sein können. Die Landschaft zwischen Sola und Weichsel war flach und trist, das Klima feucht und ungesund.
Niemand, einschließlich Rudolf Höß, hätte an jenem Tag vorhersagen könne, daß dieses Lager in den folgenden Jahren zum Schauplatz des größten Massenmords der Geschichte werden würde. Der Entscheidungsprozeß, der zu dieser Umgestaltung führte, gehört zum Schockierendsten, das die Welt je gesehen hat, und bietet tiefe Einsichten in die Arbeitsweise des NS-Staats.
Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Hermann Göring – diese und andere führende Nationalsozialisten fällten Entscheidungen, die zur Vernichtung von mehr als einer Million Menschen in Auschwitz führten. Aber wesentliche Voraussetzung für dieses Verbrechen war auch die Denkart der vielen kleineren Funktionäre wie etwa Höß. Ohne Höß’ Führung durch das bis dahin unerforschte Gebiet des Massenmords in einem solchen Ausmaß hätte Auschwitz nie so reibungslos funktionieren können.
Äußerlich war an Rudolf Höß wenig Auffälliges. Er war mittelgroß, mit regelmäßigen Zügen und dunklen Haaren, weder häßlich noch besonders gutaussehend. Der amerikanische Anwalt Whitney Harris1, der Höß in Nürnberg verhört hat, fand, er sähe aus »wie ein normaler Mensch, wie ein Verkäufer im Lebensmittelladen«. Mehrere polnische Auschwitz-Häftlinge bestätigen diesen Eindruck. Sie erinnern sich an Höß als an einen ruhigen und beherrschten Mann, die Art von Mensch, an dem man täglich vorbeigeht, ohne ihn wahrzunehmen. Damit war Höß scheinbar weit entfernt von dem Bild des speichelsprühenden SS-Monsters mit wutrotem Gesicht – und das macht ihn natürlich zu einer noch erschreckenderen Figur.
Als Höß seinen Koffer in das Hotel gegenüber der Bahnstation von Auschwitz trug, das die Operationsbasis der SS-Leute sein sollte, bis angemessene Quartiere im Lager geschaffen worden wären, brachte er auch den mentalen Ballast eines Erwachsenenlebens mit, das dem Nationalsozialismus geweiht war. Wie bei den meisten glühenden Nationalsozialisten waren seine Persönlichkeit und seine Überzeugungen durch seine Reaktion auf die vorhergegangenen 25 Jahre deutscher Geschichte geformt – die turbulentesten Jahre, die das Land je gesehen hatte. Er war im Jahr 1900 als Sohn streng katholischer Eltern in Baden-Baden geboren und stand in seinen frühen Jahren unter starken Einflüssen: einem dominierenden Vater, der auf Gehorsam bestand; dem Dienst im Ersten Weltkrieg, den er als einer der jüngsten Unteroffiziere des deutschen Heeres erlebte; seiner heftigen Verzweiflung ob der Niederlage, die er als Verrat empfand; seinem Dienst in einem paramilitärischen Freikorps im Baltikum Anfang der zwanziger Jahre mit dem Versuch, die angebliche kommunistische Bedrohung an den Grenzen Deutschlands abzuwehren, sowie der Verwicklung in gewalttätige politische Machenschaften der Rechten, die ihn 1923 ins Zuchthaus brachten.
Viele Nationalsozialisten kamen aus einem ähnlichen Schmelztiegel, nicht zuletzt auch Adolf Hitler. Hitler, der Sohn eines beherrschenden Vaters2, hatte seinen leidenschaftlichen Haß auf diejenigen gerichtet, von denen er glaubte, daß sie den Krieg verloren hätten, in dem er gerade gekämpft hatte (und in dem er wie Höß mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war), und hatte in einem gewaltsamen Putsch versucht, an die Macht zu gelangen genau in dem Jahr, in dem an anderem Ort Höß an einem politischen Mord beteiligt war.
Hitler, Höß und andere rechte Nationalisten hatten das dringende Bedürfnis zu verstehen, weshalb Deutschland den Krieg verloren und einen so demütigenden Frieden geschlossen hatte. In den Jahren gleich nach dem Krieg glaubten sie die Antwort gefunden zu haben: Es war doch klar, meinten sie, daß die Juden schuld waren. Schon 1919 glaubten sie, die Verbindung zwischen dem Judaismus und der gefürchteten Weltanschauung des Kommunismus sei in München zweifelsfrei bewiesen worden, als im Frühling für kurze Zeit die revolutionäre Räterepublik errichtet worden war – die Mehrheit ihrer Führer war jüdisch. Und Walther Rathenau, Außenminister in der Weimarer Republik, war auch Jude!
Es spielte keine Rolle, daß eine große Zahl deutscher Juden im Krieg tapfer gekämpft hatte und viele gestorben waren. Und auch nicht, daß Tausende deutscher Juden weder links standen noch gar Kommunisten waren. Für Hitler und seine Anhänger war es so viel leichter, für Deutschlands mißliche Lage den Sündenbock in den deutschen Juden zu suchen. Dabei konnte die neu gegründete Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) auf viele Jahre deutschen Antisemitismus aufbauen. Und von Anfang an behaupteten ihre Anhänger, daß ihr Haß auf die Juden sich nicht etwa auf beschränkte Vorurteile stützte, sondern auf wissenschaftliche Fakten.3 Solche pseudointellektuellen Angriffe wirkten stark bei Männern wie Rudolf Höß, der versichert hat, er habe den primitiven, gewalttätigen, geradezu pornographisch-wüsten Antisemitismus, wie ihn Julius Streicher in seiner Zeitschrift Der Stürmer vertrat, stets verachtet. »Nach meiner Ansicht diente man dem Antisemitismus nicht mit einer wüsten Hetze, wie es der Stürmer tat«4, schrieb Höß nach dem Untergang des Nationalsozialismus im Gefängnis. Seine Betrachtungsweise sei kühler, rationaler, meinte er. Er behauptete: »Ich selbst habe persönlich nie Juden gehasst«; das Problem sei für ihn die »internationale Verschwörung des Weltjudentums«; er stellte sich darunter vor, daß die Juden insgeheim an den Hebeln der Macht säßen und einander über nationale Grenzen hinweg unterstützten. Das habe, so meinte er, zu Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg geführt. Und so etwas mußte seiner Auffassung nach vernichtet werden: »Als fanatischer Nationalsozialist war ich fest davon überzeugt, daß unsere Idee in allen Ländern … Eingang fände und allmählich vorherrschend würde … Damit würde ja auch die Vorherrschaft des Judentums beseitigt werden.«5
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 1928 widmete sich Höß einem anderen geliebten Glaubensinhalt rechter Nationalisten, der wie der Antisemitismus dazu beitrug, die nationalsozialistische Bewegung zu definieren: der Liebe zum Boden. Juden waren verhasst, weil sie meist in Städten wohnten; »wahre« Deutsche dagegen verloren die Liebe zur Natur nie. Es war kein Zufall, daß Himmler selbst Landwirtschaft studiert hatte und daß in Auschwitz später auch eine landwirtschaftliche Versuchsstation errichtet wurde.
Höß schloß sich den Artamanen an, einer der bäuerlichen Gemeinschaften, die zu der Zeit in Deutschland blühten; er heiratete und ließ sich nieder mit dem Ziel, Bauer zu werden. 1934 kam der Augenblick, der sein Leben verändern sollte. Heinrich Himmler, Hitlers »Reichsführer-SS«, bot ihm an, die Landwirtschaft aufzugeben und ganz in den aktiven Dienst der SS einzutreten, der Elite-»Schutzstaffel«, die einst als Hitlers Leibgarde gegründet worden war. Inzwischen gehörte zu ihren Pflichten die Überwachung der Konzentrationslager.6 Himmler kannte Höß schon eine ganze Weile, denn der war bereits im November 1922 in die NSDAP eingetreten, mit der Mitgliedsnummer 3240.
Höß hatte die Wahl. Er mußte nicht mitmachen – niemand wurde zur SS eingezogen. Aber er entschied sich zum Beitritt. In seiner Autobiographie nennt er die Gründe: »Durch das in Aussicht gestellte schnelle Vorwärtskommen, also Beförderung, und die damit verbundenen finanziellen Vorteile wurde ich mit dem Gedanken vertraut, daß ich … von unserem bisherigen Weg abgehen müsse …«7 Das war nur die halbe Wahrheit. Denn das schrieb er, nachdem der Nationalsozialismus besiegt war, und ließ das weg, was für ihn der entscheidende Faktor gewesen sein muß: seine damalige Gemütsverfassung. 1934 dürfte Höß das Gefühl gehabt haben, er erlebte den Beginn einer neuen und wunderbaren Welt mit. Hitler war seit einem Jahr an der Macht, und schon bekämpfte man die inneren Feinde des Nationalsozialismus – die linken Politiker, die »Arbeitsscheuen«, die Asozialen, die Juden. Überall im Land begrüßten die Deutschen, die solchen Risikogruppen nicht angehörten, diese Entwicklung. Typisch war die Reaktion Manfred von Schröders, eines Bankierssohns aus Hamburg, der 1933 in die NSDAP eintrat. Alles sei wieder in Ordnung und sauber gewesen und ein Gefühl von nationaler Befreiung, von einem Neuanfang habe geherrscht.8 Höß hatte jetzt die Möglichkeit, an dieser Revolution mitzuwirken, auf die er seit dem Ende des Ersten Weltkriegs gehofft hatte. Die Mitgliedschaft in der SS bedeutete Prestige, Privilegien, ein aufregendes Leben und die Chance, den Kurs des neuen Deutschland mitzubestimmen. Was wäre er daneben als Bauer! Wen überrascht es da, daß er sich für Himmlers Angebot entschied? Im November 1934 nahm er seine Arbeit im Konzentrationslager Dachau bei München auf.
Im allgemeinen Bewußtsein herrscht heute, besonders in England und den USA, Unklarheit über die Aufgaben der verschiedenen Lager im NS-Staat. Konzentrationslager wie Dachau, das im März 1933 errichtet wurde, weniger als zwei Monate, nachdem Adolf Hitler Reichskanzler geworden war, unterschieden sich grundsätzlich von Todeslagern wie Treblinka, die erst mitten im Krieg errichtet wurden. Zur Verwirrung trägt weiterhin die komplexe Geschichte von Auschwitz bei, dem berüchtigtsten aller Lager, das sowohl Arbeitslager als auch Todeslager wurde. Man muß die Bedeutung dieses Unterschieds kennen, um zu begreifen, wie sich die Deutschen in den dreißiger Jahren die Existenz solcher Lager wie Dachau rational erklärten. Keiner der Deutschen, mit denen ich Fernsehinterviews gemacht habe, nicht einmal ehemals fanatische Nationalsozialisten, waren über die Todeslager »glücklich«, aber viele waren in den dreißiger Jahren sehr zufrieden gewesen mit dem Vorhandensein von »normalen« Konzentrationslagern. Sie hatten gerade den Alptraum der Weltwirtschaftskrise durchgemacht und miterlebt, daß die Demokratie den Niedergang des Landes nicht hatte verhindern können, wie sie sagten. Das »Gespenst des Kommunismus« ging immer noch um. Bei Wahlen zu Beginn der dreißiger Jahre schienen sich die Deutschen aufzuspalten in Richtung der Extreme: viele Menschen stimmten für den Kommunismus.
Die ersten Häftlinge in Dachau im März 1933 waren überwiegend politische Gegner der Nationalsozialisten. Juden wurden in dieser Frühzeit verhöhnt, gedemütigt und zusammengeschlagen, aber es waren die linken Politiker9 früherer Regierungen, die als akute Bedrohung empfunden wurden. Und als Höß in Dachau ankam, glaubte er fest, »wirkliche Gegner des Staates mußten sicher verwahrt … werden«.10 Die folgenden dreieinhalb Jahre in Dachau spielten eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung seiner Persönlichkeit. Das sorgfältig ausgearbeitete System des ersten Lagerkommandanten von Dachau, Theodor Eicke, war nicht einfach nur brutal: Es sollte den Willen der Häftlinge brechen. Eicke lenkte den Terror und den Haß der NS-Bewacher auf ihre »Feinde« in systematische und geordnete Bahnen. Dachau ist berüchtigt wegen des dort geübten Sadismus: Stock- und Peitschenhiebe waren gang und gäbe. Häftlinge wurde ermordet, und ihr Tod als »auf der Flucht erschossen« abgetan. Und es starben eine erhebliche Zahl von Häftlingen in Dachau. Aber die wahre Macht des Regimes zeigte sich dort weniger in körperlichen Mißhandlungen, so schlimm sie auch waren, als in den psychischen Torturen.
Eine der ersten Neuerungen in Dachau war es, daß dort – anders als in normalen Gefängnissen – keiner der Gefangenen erfuhr, zu was für einer Strafe er verurteilt war. In den dreißiger Jahren wurden die meisten Häftlinge aus Dachau nach rund einem Jahr wieder entlassen, im Einzelfall konnte es auch kürzer oder länger dauern – ganz nach Laune der Obrigkeit. Auf jeden Fall gab es keinen festen Termin für die Entlassung, auf den sich der Häftling einrichten konnte, nur die permanente Ungewißheit; man wußte nie, ob man morgen oder im nächsten Monat oder im nächsten Jahr freikäme. Höß, der selbst im Gefängnis gesessen hatte, erkannte die verheerende Wirkung dieser Maßnahme sofort: »Die ungewisse Haftdauer [war] der Faktor, der die schlimmste, die stärkste Wirkung auf die Psyche der Häftlinge ausübte«, schrieb er. »Das sei das Zermürbendste, das jeden noch so festen Willen Lähmende … Schon allein deswegen wurde ihnen das Lagerleben zur Qual.«11
Zu dieser Ungewißheit kam die Art, wie die Bewacher mit den Emotionen der Gefangenen spielten. Josef Felder, zuvor Reichstagsabgeordneter der SPD, gehörte zu den ersten Häftlingen in Dachau. Er erinnerte sich, daß, als er seelisch einen Tiefpunkt erreicht hatte, sein Wärter einen Strick nahm und ihm zeigte, wie er am besten die Schlinge knüpfen sollte, damit er sich erhängen könnte.12 Nur mit enormer Selbstüberwindung und in dem Gedanken »Ich habe eine Familie« konnte er diesem Hinweis widerstehen. Von den Häftlingen wurde erwartet, daß sie ihre Quartiere und Kleidung tadellos in Ordnung hielten. Bei Inspektionen fanden die Wärter ständig etwas auszusetzen und konnten, wenn sie Lust hatten, den ganzen Block für eingebildete Verstöße bestrafen. Jeder konnte auch tagelang »stillgelegt« werden mit dem Befehl, schweigend und bewegungslos auf der Pritsche zu liegen.
Auch das System mit den »Kapos« wurde in Dachau erfunden; es wurde in allen Konzentrationslagern eingeführt und spielte schließlich auch in Auschwitz eine erhebliche Rolle. Die Lagerverwaltung ernannte einen Gefangenen pro Block oder pro Arbeitskommando zum Kapo, der damit große Macht über seine Mitgefangenen hatte. Natürlich wurde diese Macht oft mißbraucht. Kapos konnten im ununterbrochenen Kontakt mit den anderen Gefangenen fast mehr als die SS-Bewacher durch Willkür das Leben im Lager unerträglich machen. Allerdings waren die Kapos selbst in Gefahr, wenn sie ihre Herren von der SS nicht zufriedenstellten. Himmler drückte das so aus: »Seine [des Kapos] Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß die Arbeit getan wird – also muß er seine Männer antreiben. Sobald wir nicht mit ihm zufrieden sind, bleibt er nicht mehr Kapo und kehrt zu den anderen Häftlingen zurück. Er weiß, daß sie ihn schon am ersten Abend totschlagen werden.«13
Aus Sicht der Nationalsozialisten stellte das Lagerleben die Außenwelt im Kleinen dar. »Der Gedanke des Kampfes ist so alt wie das Leben selbst«, sagte Hitler schon 1928 in einer Rede. »In diesem Kampf gewinnt der Stärkere, Fähigere, während die weniger Fähigen, Schwachen, verlieren. Der Krieg ist der Vater aller Dinge … Der Mensch lebt nicht und erhebt sich nicht über die Tierwelt mit den Prinzipien der Humanität, sondern nur mit Hilfe des brutalen Kampfes.«14 Diese darwinistische Einstellung steckte im Kern des Nationalsozialismus und war in der Verwaltung aller Konzentrationslager offensichtlich. Die Kapos zum Beispiel konnten zu Recht die ihnen Unterstellten mißhandeln, denn sie hatten sich im Lebenskampf »als überlegen erwiesen«.
Vor allem lernte Höß in Dachau die wesentliche Philosophie der SS kennen. Theodor Eicke hatte von Anfang an einen Grundsatz gepredigt – Härte. »Jeder, der auch nur die geringste Spur von Mitleid mit diesen Staatsfeinden erkennen läßt, muß aus unseren Reihen verschwinden. Ich kann nur harte, zu allem entschlossene SS-Männer gebrauchen. Weichlinge haben bei uns keinen Platz.«15 Jede Form des Mitgefühls, jede Form von Erbarmen war damit ein Beweis der Schwäche. Wenn ein SS-Mann solche Empfindungen verspürte, war das ein Zeichen dafür, daß es dem Feind gelungen war, ihn zu übertölpeln. Die NS-Propaganda predigte, es seien oft die unwahrscheinlichsten Stellen, an denen der Feind lauern konnte. Eins der Werke antisemitischer Propaganda richtete sich an Kinder; es war ein Buch mit dem Titel Der Giftpilz, das vor der heimtückischen Gefahr der Juden mit dem Bild eines Pilzes warnte, der äußerlich schön anzusehen, aber in Wirklichkeit giftig war. So wurden auch SS-Männer konditioniert, ihre eigenen Gefühle von Teilnahme zu verachten, wenn sie etwa die Bestrafung eines Häftlings mit Prügeln sahen. Man brachte ihnen bei, daß ein Gefühl von Mitleid nur hervorgerufen wurde durch die Tricks des Opfers. Als »Staatsfeinde« nutzten diese gerissenen Kreaturen angeblich jeden Kniff bei dem Versuch, ihre arglistigen Ziele zu verfolgen – nicht zuletzt, indem sie an das Erbarmen derjenigen appellierten, die sie gefangenhielten. Die Erinnerung an den »Dolchstoß«, das Märchen, daß Juden und Kommunisten in der Heimat die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg geplant hätten, war immer gegenwärtig und passte perfekt in dieses Bild eines gefährlichen, aber unsichtbaren Feindes.
Die einzige Gewißheit für Angehörige der SS war die grundsätzliche Rechtmäßigkeit der Befehle, die sie empfingen. Wenn ein Vorgesetzter jemanden einzusperren, jemanden hinzurichten befahl, dann mußte der Befehl seine Ordnung haben – selbst wenn es demjenigen, der dieses Urteil auszuführen hatte, nicht einleuchtend erschien. Der einzige Schutz gegen das Krebsgeschwür des Selbstzweifels im Angesicht von Befehlen, die nicht direkt erklärlich waren, war Härte. Sie wurde zum Kult in der SS.
Während er lernte, wie man Gefühle wie Mitleid und Erbarmen unterdrückte, nahm Höß die Empfindung von Bruderschaft in sich auf, die in der SS ebenfalls sehr stark war. Eben weil ein SS-Mann wußte, daß er Dinge würde tun müssen, die Schwächere nicht leisten konnten, entstand ein machtvoller Korpsgeist, in dem die Loyalität der Kameraden wesentliche Stütze und Rückhalt bot. Die Grundwerte der SS – bedingungslose Loyalität, Härte, Schutz des Reiches vor inneren Feinden – wurden fast zur Ersatzreligion, es war eine besondere und leichtverdauliche Weltsicht. Er sei der SS dankbar gewesen für die intellektuelle Führung, die sie bot, sagte Johannes Hassebroek, Kommandant eines anderen Konzentrationslagers. Viele seien unsicher gewesen, bis sie der Organisation beitraten, und verstanden nicht, was geschah – alles sei so ein Durcheinander gewesen. Die SS habe eine Reihe von schlichten Ideen geboten, die sie begreifen konnten und an die sie glaubten.16
Noch etwas lernte Höß in Dachau, das für Auschwitz Bedeutung bekommen sollte. Er beobachtete, daß die Häftlinge ihre Gefangenschaft besser ertragen konnten, wenn die SS ihnen Arbeit gab. Er erinnerte sich an seine eigene Haft in Leipzig und Brandenburg und wie er, nur, weil er arbeiten durfte (er hatte Tüten geklebt), in der Lage gewesen war, jeden Tag mehr oder weniger positiv anzugehen. Jetzt sah er, daß Arbeit in Dachau eine ähnliche Rolle spielte. Sie ermöglichte es den Gefangenen, »sich selbst in Zucht zu halten, um so besser den niederziehenden Einwirkungen der Haft Widerstand leisten zu können«.17 Höß war so überzeugt von der lindernden Wirkung der Arbeit im Konzentrationslager, daß er sogar den »Sinnspruch«, den man in Dachau benutzt hatte, für Auschwitz übernahm: Arbeit macht frei – er ließ es groß über das Eingangstor setzen.
Höß war das Muster eines SS-Mannes und machte in Dachau schnell Karriere. Im April 1936 wurde er Rapportführer, die rechte Hand des Lagerkommandanten. Im September 1938 wurde er zum Untersturmführer befördert und ins Konzentrationslager Sachsenhausen versetzt, wo er bis zu seiner Ernennung zum Kommandanten des neuen KL Auschwitz blieb. Er war bereit, seine große Aufgabe zu übernehmen: ein Musterlager für das neue NS-Reich zu schaffen. Er glaubte zu wissen, was von ihm erwartet wurde, zu welchem Zweck er die Anlage errichtete. Seine Erfahrungen in Dachau und Sachsenhausen zeigten ihm den Weg. Doch seine Vorgesetzten hatten andere Pläne, und im Lauf der folgenden Monate und Jahre entwickelte sich das von Höß gebaute Lager in Auschwitz in eine andere Richtung.
Während Höß seine Arbeit in Auschwitz in Angriff nahm, tat sein Vorgesetzter in Berlin etwas sehr Ungewöhnliches – er entwarf eine Denkschrift für den »Führer«. Himmler schrieb seine zaghaft so genannten »Gedanken zur Behandlung Fremdvölkischer im Osten«. Er gehörte zu den schlauesten Machthabern des NS-Staats und wußte, daß es unklug war, Gedanken schriftlich zu fixieren. In den obersten Rängen wurde die NS-Politik oft nur mündlich formuliert. Sobald seine Ansichten auf Papier standen, konnten sie, das wußte Himmler, von seinen Konkurrenten in der Luft zerrissen werden. Und wie viele der Führungspersönlichkeiten hatte er etliche Feinde, die danach strebten, Teile seiner Macht an sich zu reißen. Aber die Lage in Polen, das die Deutschen seit dem Herbst 1939 besetzt hielten, verlangte nach seiner Ansicht, daß er eine Ausnahme machte und Hitler ein schriftliches Dokument zukommen ließ. Es ist in der Geschichte der nationalsozialistischen Rassenpolitik von größter Bedeutung, nicht zuletzt, weil Himmlers Worte den Kontext klärten, innerhalb dessen das neue Lager Auschwitz seine besondere Aufgabe bekam.
Himmler war in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für die Festigung des Deutschen Volkstums an der größten und hastigsten ethnischen Neuordnung eines Landes beteiligt, die je geplant worden war, aber das Unternehmen entwickelte sich gar nicht so, wie es sollte. Statt in Polen, für dessen angebliche Untüchtigkeit die Nationalsozialisten nur Verachtung übrig hatten, Ordnung einzuführen, hatten Himmler und seine Mannschaft Gewalttätigkeit und Chaos einbrechen lassen.
In ihrer grundsätzlichen Haltung gegenüber den Polen waren sich die Nationalsozialisten absolut einig: Es war Abscheu. Die Frage war, wie man damit umgehen sollte. Eins ihrer größten »Probleme« betraf die polnischen Juden. Während in Deutschland weniger als ein Prozent Juden lebten (1940 waren es noch rund 300 000), die überwiegend assimiliert waren, gab es in Polen drei Millionen Juden, die großenteils in eigenen Gemeinden lebten und leicht an ihren Bärten und anderen Kennzeichen ihres Glaubens zu erkennen waren. Als Polen gleich nach Kriegsbeginn zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt wurde (entsprechend dem Geheimen Zusatzprotokoll zum Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom August 1939), blieben über zwei Millionen polnische Juden in dem von Deutschen besetzten Teil Polens. Was sollte mit ihnen geschehen?
Ein anderes selbstgeschaffenes Problem des NS-Staats war es, Hunderttausenden von Volksdeutschen, die gerade nach Polen umgesiedelt wurden, ein Heim zu bieten. Einer Vereinbarung zwischen Deutschland und der Sowjetunion zufolge durften Volksdeutsche aus dem Baltikum, Bessarabien und anderen Regionen, die jetzt Stalin besetzt hielt, nach Deutschland auswandern – »heim ins Reich«, wie das Schlagwort lautete. Für Männer wie Himmler, die von der Idee der rassischen Reinheit des »deutschen Bluts« besessen waren, war es ein Glaubensakt, alle die Deutschen, die zurückkehren wollten, unterzubringen. Aber wo? Dazu kam ein dritter Punkt: Wie sollten die 18 Millionen nichtjüdischen Polen, die jetzt unter deutscher Kontrolle standen, behandelt werden? Wie mußte man das Land organisieren, damit sie nicht zur Gefahr wurden?
Im Oktober 1939 hatte Hitler eine Rede gehalten, die denjenigen ein paar Leitlinien bot, die sich mit diesen Fragen plagten. Er hatte Ziele klargemacht: »Als wichtigste Aufgabe aber: eine Ordnung der ethnographischen Verhältnisse, das heißt, eine Umsiedlung der Nationalitäten, so daß sich am Abschluß der Entwicklung bessere Trennungslinien ergeben, als es heute der Fall ist.«18 Das hieß, daß das von Deutschen besetzte Polen geteilt werden mußte: In dem einen Teil würde die Mehrheit der Polen leben, der andere Teil würde Deutschland einverleibt werden. Die heimkehrenden Volksdeutschen würden dann nicht im »Altreich« sondern in diesem neuen Teil angesiedelt werden; sie kämen zwar »heim ins Reich« – aber nicht in das Reich, mit dem sie rechneten.
Blieben die polnischen Juden. Bis zum Beginn des Krieges war es NS-Politik gewesen, die unter ihrer Kontrolle lebenden Juden zunehmend Schikanen durch unzählige restriktive Vorschriften auszusetzen – durchsetzt mit nicht offiziellen (aber sanktionierten) heftigen Ausschreitungen. Hitlers Meinung von Juden hatte sich seit der Mitte der zwanziger Jahre kaum geändert; damals schrieb er in Mein Kampf: »Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber … unter Giftgas gehalten … dann wäre das Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen.«19 Hitler haßte die Juden, eindeutig, seit dem Ende des Ersten Weltkriegs, und vielleicht hat er auch privat den Wunsch geäußert, sie alle sterben zu lassen, aber es gab noch keine Pläne, sie zu vernichten.
Lucille Eichengreen20 wuchs in den dreißiger Jahren in einer Hamburger jüdischen Familie auf und erinnert sich nur allzu gut, unter welchen Bedingungen Juden leben mußten. »Bis 1933 war es ein gutes, angenehmes Leben«, sagt sie. »Aber als Hitler an die Macht kam, sprachen plötzlich die anderen Kinder aus unserem Haus nicht mehr mit uns; sie warfen mit Steinen und riefen uns Beschimpfungen nach. Wir wußten nicht, womit wir das verdient hatten. Die Frage war also immer – warum? Wenn wir zu Hause fragten, war die Antwort meist: ›Das geht vorbei. Das wird sich normalisieren.‹« Später teilte man den Eichengreens mit, daß Juden dort nicht mehr wohnen bleiben könnten. Man wies ihnen eine Wohnung in einem der »Judenhäuser« zu, die zum Teil jüdischen Besitzern gehörten. Ihre erste neue Wohnung war noch fast so groß wie die alte, aber im Laufe der Zeit wurden ihnen immer kleinere Unterkünfte zugewiesen, bis sie schließlich in einem einzigen möblierten Zimmer für die ganze Familie landeten. »Ich glaube, wir haben das mehr oder weniger akzeptiert«, sagt Lucille. »Es gab ein Gesetz, es war Vorschrift, man konnte nichts tun.«
Die Illusion, die antisemitische Politik der Nationalsozialisten würde sich »normalisieren«, wurde in der Pogromnacht am 9. November 1938 zunichte gemacht. SA zerstörte das jüdische Hab und Gut und nahm Tausende von deutschen Juden fest. Sie nannte das einen »Racheakt«, weil der junge Herschel Grynszpan den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris ermordet hatte. »Auf dem Weg zur Schule sahen wir, daß die Synagoge brannte«, erzählt Lucille Eichengreen, »daß die Schaufenster jüdischer Geschäfte eingeschlagen waren und die Ware auf der Straße lag – und die Deutschen lachten … Wir hatten große Angst. Wir glaubten, daß sie uns gleich packen und uns sonstwas antun würden.«
Bei Kriegsbeginn 1939 war den Juden die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen, sie durften keine Nichtjuden heiraten, keine Geschäfte besitzen oder in bestimmten Berufen arbeiten; nicht einmal ihre Führerscheine galten noch. Diskriminierung durch Vorschriften, in Verbindung mit dem gewalttätigen Ausbruch zur »Kristallnacht«, in der mehr als 1000 Synagogen angesteckt, 400 Juden getötet und 30 000 jüdische Männer für Monate in Konzentrationslagern eingesperrt wurden, veranlassten eine große Zahl deutscher Juden auszuwandern. Bis 1939 hatten 450 000 von ihnen das »Großdeutsche Reich« (Deutschland, Österreich und das Sudetenland) verlassen – das waren mehr als die Hälfte der dort lebenden Juden. Die Nationalsozialisten waren es zufrieden, vor allem weil Adolf Eichmann, der »Juden-Experte«, nach dem Anschluß Österreichs 1938 ein System entwickelt hatte, mit dem den Juden der größte Teil ihres Geldes abgenommen wurde, bevor sie das Land verlassen durften.
Aber die Nationalsozialisten hatten Schwierigkeiten, ihre für die deutschen Juden entwickelten Maßnahmen zur Lösung des selbstgeschaffenen Problems auf die Juden in Polen zu übertragen. Zum einen hatten sie dort Millionen von Juden unter ihrer Kontrolle, nicht nur ein paar hunderttausend, zum anderen waren die meisten arm, und wohin sollte man sie mitten im Krieg schicken? Schon im Herbst 1939 glaubte Adolf Eichmann eine Antwort gefunden zu haben: Die Juden sollten nicht in andere Länder auswandern, sondern in die unwirtlichste Region im NS-Reich selbst. Außerdem konnte er den idealen Ort bereits vorschlagen – im polnischen Distrikt Lublin, um die Stadt Nisko herum. Diese abgelegene Landschaft nahe der östlichen Grenze des deutschen Einflußgebiets schien ihm perfekt geeignet zu sein für ein »Judenreservat«. Das von den Deutschen besetzte Polen sollte also in drei Teile unterteilt werden: einen von Deutschen besiedelten Teil, einen polnischen Teil und einen jüdischen Teil, etwa auf einer westöstlichen Linie. Eichmanns ehrgeiziger Plan fand Zustimmung, und mehrere tausend Juden aus Österreich wurden in die Region deportiert. Die Bedingungen waren haarsträubend. Es waren so gut wie keine Vorbereitungen getroffen worden, und viele Menschen starben. Das kümmerte die Nationalsozialisten wenig. Im Gegenteil, es kam gut an. Wie Hans Frank, einer der ältesten Parteigenossen in Polen, es seinem Stab gegenüber im November 1939 ausdrückte: »Bei den Juden nicht viel Federlesens. Eine Freude, endlich einmal die jüdische Rasse körperlich angehen zu können. Je mehr sterben, um so besser.«21
Während nun Himmler im Mai 1940 seine Denkschrift schrieb, wußte er nur zu gut, daß die interne Verschiebung von Juden ins östliche Polen ein furchtbarer Fehlschlag gewesen war. Großenteils deshalb, weil die Deutschen drei verschiedene Wanderungsbewegungen gleichzeitig durchzuführen versuchten. Die ankommenden Volksdeutschen mußten nach Polen transportiert und untergebracht werden. Das hieß, daß Polen aus ihren Häusern vertrieben und woandershin deportiert werden mußten. Gleichzeitig wurden Juden nach Osten geschafft in eine Region, die auch erst von Polen geräumt werden mußte. Kein Wunder, daß das zu fürchterlichem Chaos und Verwirrung führte.
Im Frühjahr 1940 war der Nisko-Plan aufgegeben und das von Deutschen besetzte Polen schließlich doch in nur zwei Teile geteilt. Einmal die Regionen, die offiziell »germanisiert« und Teile des neuen Reiches geworden waren: Westpreußen mit Danzig (Gdańsk), der Warthegau mit Posen (Poznań) und Łódz, und Oberschlesien mit Kattowitz (Katowice; zu diesem Distrikt gehörte auch Auschwitz). Das größte Gebiet aber mit Warschau, Krakau und Lublin, das sogenannte Generalgouvernement, war als Lebensraum für die Mehrheit der Polen bestimmt.
Himmlers größtes Problem war, daß er Hunderttausenden repatriierten Volksdeutschen angemessenen Wohnraum anbieten mußte – eine Schwierigkeit, die sich ihrerseits darauf auswirkte, wie er mit Polen und Juden umzugehen gedachte. Der Fall der Irma Eigi22 und ihrer Familie zeigt, wie skrupellos die Nationalsozialisten die »mißliche Lage« in den Griff zu bekommen versuchten, in die sie sich selbst gebracht hatten, und wie sich die ebenfalls selbst heraufbeschworenen Schwierigkeiten mit der Bevölkerung zur Krise aufschaukelten. Im Dezember 1939 wurde die 17jährige Volksdeutsche Irma Eigi aus Estland zusammen mit ihrer Familie in einem Übergangsquartier in Posen im Warthegau, ehemals Polen, untergebracht. Sie hatten das Angebot der »sicheren« Reise »heim ins Reich« angenommen, weil sie überzeugt gewesen waren, sie würden nach Deutschland geschickt. »Als man uns sagte, wir kämen in den Warthegau, war das ein echter Schock, kann ich Ihnen sagen.« Kurz vor Weihnachten 1939 gab ein NS-Funktionär ihrem Vater Schlüssel zu einer Wohnung, die Stunden zuvor noch einer polnischen Familie gehört hatte. Wenige Tage später wurde ein polnisches Restaurant beschlagnahmt, damit die Neuankömmlinge doch ein Unternehmen betreiben konnten. Die Eigis waren entsetzt: »Wir hatten keine Ahnung gehabt, was da passieren sollte … Man kann doch mit so einer Schuld nicht leben. Andererseits hat jeder Mensch einen Selbsterhaltungstrieb. Was hätten wir tun sollen? Wohin sonst hätten wir gehen können?«
Diesen Einzelfall einer Enteignung muß man mit mehr als 100 000 multiplizieren, um einen Eindruck davon zu vermitteln, was zu dieser Zeit in Polen geschah. Das Ausmaß der Umsiedlungsaktion war ungeheuer – innerhalb von anderthalb Jahren kamen rund eine halbe Million Volksdeutsche an und mußten in den neuen Teilen des Reichs angesiedelt werden; Hunderttausende Polen wurden dafür enteignet. Manche wurden einfach auf Viehwagen verladen und ins Generalgouvernement abtransportiert, wo man sie ohne Nahrungsmittel und Unterkünfte absetzte. Goebbels schrieb am 23. Januar 1940 in sein Tagebuch: »Himmler verschiebt augenblicklich die Völker. Nicht immer mit Erfolg.«23
Damit waren aber die polnischen Juden noch immer nicht untergebracht. Nachdem er gemerkt hatte, daß der Versuch einer Umsiedlung von Juden, Polen und Volksdeutschen zur gleichen Zeit schlicht undurchführbar war, fasste Himmler eine andere Möglichkeit ins Auge. Wenn Raum für die Volksdeutschen benötigt wurde, mußten die Juden eben gezwungen werden, mit viel weniger auszukommen. Ghettos waren die Antwort.
Ghettos, die ja zu einem Charakteristikum der NS-Verfolgung der polnischen Juden werden sollten, waren nicht so geplant, wie sie sich dann entwickelten. Wie so vieles in der Geschichte von Auschwitz und der »Endlösung«, veränderten sie sich auf eine Weise, die anfangs nicht vorgesehen war. Im November 1938 hatte Reinhard Heydrich bei der Diskussion über Unterbringungsprobleme wegen der Vertreibung deutscher Juden aus ihren Häusern gesagt: »Ich darf gleich zur Frage des Ghettos Stellung nehmen. Das Ghetto in der Form vollkommen abgesonderter Stadtteile, wo nur Juden sind, halte ich polizeilich nicht für durchführbar. Das Ghetto, wo der Jude sich mit dem gesamten Judenvolk versammelt, ist in polizeilicher Hinsicht unüberwachbar. Es bleibt der ewige Schlupfwinkel für Verbrechen und vor allen Dingen von Seuchen und ähnlichen Dingen.«24
Jetzt, wo andere Wege zumindest vorübergehend versperrt zu sein schienen, versuchten die Nationalsozialisten die polnischen Juden also zu ghettoisieren. Das war nicht nur eine zweckmäßige Maßnahme zur Freisetzung von Wohnraum (obwohl Hitler im März 1940 bemerkte, »daß die Lösung der Judenfrage eben eine Raumfrage sei«25), sie war auch hervorgerufen durch den tiefsitzenden Haß auf Juden und die Angst vor ihnen, die von Anfang an im Kern des Nationalsozialismus steckten. Im Idealfall, so glaubten die Nationalsozialisten, konnte man die Juden einfach dazu bringen, daß sie weggingen; wenn das aber nicht gleich durchzusetzen war, sollten sie, weil sie – besonders die Ostjuden – für Überträger von Krankheiten gehalten wurden, von allen anderen Menschen getrennt werden. Den starken körperlichen Abscheu vor polnischen Juden spürte Estera Frenkiel26, ein siebzehnjähriges jüdisches Mädchen aus Łódz, von Anfang an: »Wir waren an Antisemitismus gewöhnt … Der polnische Antisemitismus war vielleicht eher finanzieller Art. Aber der NS-Antisemitismus hieß: ›Wieso existiert ihr? Es sollte euch nicht geben! Ihr müßtet verschwinden!‹«
Während man im Februar 1940 die Deportation der Polen ins Generalgouvernement eilig vorantrieb, wurde verkündet, daß die Juden von Łódz in einen Ghettobereich innerhalb der Stadt umgesiedelt werden würden. Das sollte anfangs nur eine vorübergehende Maßnahme sein; die Juden sollten ins Ghetto gesperrt werden, bevor sie anderswohin deportiert wurden. Im April 1940 wurde das Ghetto von Łódz abgeriegelt, und die Juden durften es ohne Erlaubnis deutscher Behörden nicht mehr verlassen. Im gleichen Monat teilte das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) mit, daß die Deportation der Juden ins Generalgouvernement eingeschränkt würde. Hans Frank, Hitlers früherer Anwalt, seit Oktober 1939 Generalgouverneur, hatte seit Monaten darum gekämpft, die »unbefugte« erzwungene Auswanderung zu stoppen, weil die Lage unhaltbar geworden war. Dr. Fritz Arlt27, damals Leiter der Abteilung Bevölkerungsangelegenheiten im Generalgouvernement, erinnerte sich später daran, wie die Menschen am Markt oder am Bahnhof oder woanders aus den Zügen geworfen wurden, und sich niemand kümmerte. Er habe einen Anruf des Distriktbeamten bekommen, der klagte, er wisse nicht mehr, was er tun soll. Soundsoviele Hundert seien wieder eingetroffen. Er habe weder Unterkünfte noch Nahrungsmittel. Frank – alles andere als ein Freund Himmlers – beklagte sich bei Hermann Göring (der sich in seiner Eigenschaft als Leiter des Vierjahresplans sehr für Polen interessierte) über die Vertreibungspolitik und den Mißbrauch des Generalgouvernements als »Müllkippe«, und es wurde ein beklommener Burgfrieden geschlossen, dem zufolge Himmler und Frank sich über die Verfahren weiterer Evakuierungen »abstimmen« würden.
Diese unerquickliche Situation wollte Himmler in seiner Denkschrift28 vom Mai 1940 ansprechen. Er wollte die Teilung Polens in deutsche und nichtdeutsche Gebiete verstärken und definieren, wie Polen und Juden zu behandeln seien. In seinem Rassenwahn schrieb er, er wolle die Polen als »führerloses Arbeitsvolk« ohne jegliche Bildung lassen: »Für die nichtdeutsche Bevölkerung des Ostens darf es keine höhere Schule geben als die vierklassige Volksschule. Das Ziel dieser Schule hat lediglich zu sein: einfaches Rechnen bis höchstens 500, Schreiben des Namens, eine Lehre, daß es ein göttliches Gebot ist, den Deutschen gehorsam zu sein und ehrlich, fleißig und brav zu sein. Lesen halte ich nicht für erforderlich.«
Parallel zu dieser Politik, Polen zu einem Volk von Analphabeten zu machen, sollte »bei allen 6–10jährigen eine Siebung aller Kinder des Generalgouvernements nach blutlich Wertvollen und Nichtwertvollen« unternommen werden. Die als rassisch wertvoll Ausgesiebten würden ihren Familien weggenommen und in Deutschland erzogen, sie sollten ihre leiblichen Eltern nicht wiedersehen. Dieser Vorschlag, in Polen Kinder zu stehlen, ist sehr viel weniger bekannt als die Vernichtung der Juden. Aber er passt ins Gesamtbild. Er zeigt, wie ernsthaft ein Mann wie Himmler daran glaubte, daß der Wert eines Menschen an seiner rassischen Zusammensetzung abzulesen sei. Solche Kinder mitzunehmen war für ihn keine üble Überspanntheit, sondern wesentlicher Teil seiner verbogenen Weltsicht. Denn wenn solchen Kindern zu bleiben gestattet würde, bestünde die Gefahr, »daß dieses Untermenschenvolk des Ostens durch solche Menschen guten Blutes eine für uns gefährliche, da ebenbürtige Führerschicht erhält«.
»So grausam und tragisch jeder einzelne Fall sein mag«, schrieb Himmler, »so ist diese Methode, wenn man die bolschewistische Methode des physischen Ausrottung eines Volkes aus innerer Überzeugung als ungermanisch und unmöglich ablehnt, doch die mildeste und beste.« Und obwohl er dies nur über polnische Kinder sagt, ist es klar, daß er, wenn er die »physische Ausrottung eines Volkes« als »ungermanisch« bezeichnet, sich auch auf andere Völker bezieht – einschließlich der Juden. (Das bestätigt sich durch Heydrichs Erklärung vom Sommer 1940 im Zusammenhang mit Juden: »Eine biologische Vernichtung wäre aber des deutschen Volkes als einer Kulturnation unwürdig.«29)
In seiner umfassenden Denkschrift sagt Himmler auch, welches Schicksal er den Juden zugedacht hat: »Den Begriff Juden hoffe ich, durch die Möglichkeit einer großen Auswanderung sämtlicher Juden nach Afrika oder sonst in eine Kolonie völlig auslöschen zu sehen.« Diese Rückkehr zu einer früheren Politik der Auswanderung war wieder möglich geworden im größeren Zusammenhang des Krieges. Himmler rechnete mit der direkt bevorstehenden Niederlage Frankreichs und der darauf folgenden schnellen Kapitulation der Briten, die dann um einen Separatfrieden bitten würden. Sobald der Krieg vorbei war, konnte man die polnischen Juden auf Schiffe verfrachten und abschieben, etwa in eine der früheren Kolonien der Franzosen.
Der Gedanke, Millionen von Menschen nach Afrika zu deportieren, mag heute weit hergeholt erscheinen, aber er wurde damals durchaus ernstgenommen. Radikale Antisemiten hatten die Abschiebung der Juden nach Afrika seit Jahren gefordert, und jetzt schien der Kriegsverlauf diese »Lösung der Judenfrage« möglich zu machen. Sechs Wochen nach Himmlers Denkschrift kam Franz Rademacher im deutschen Außenministerium wieder auf das afrikanische Ziel zurück – die Insel Madagaskar.30 Man darf dabei nicht vergessen, daß dieser Plan, wie alle solche Pläne aus der Kriegszeit, Tod und Leiden für die Juden bedeutet hätte. Vermutlich hätte ein NS-Gouverneur in Madagaskar den allmählichen Untergang der Juden innerhalb von ein oder zwei Generationen geschehen lassen. Die »Endlösung«, wie wir sie kennen, hätte es nicht gegeben, aber es wäre mit ziemlicher Sicherheit nur eine andere Form des Völkermords geworden.
Himmler ließ Hitler seine Denkschrift zukommen; Hitler las sie und teilte ihm mit, er hielte sie für »sehr gut und richtig«. Bezeichnenderweise schrieb Hitler das nicht auf die Denkschrift. Und Himmler reichte des »Führers« mündliche Zustimmung zum Inhalt. So wurde im NS-Staat hohe Politik gemacht.
Rudolf Höß und sein im Entstehen begriffenes Konzentrationslager in Auschwitz waren nur ein kleines Detail im Gesamtbild. Auschwitz lag in dem Teil Polens, der »germanisiert« werden sollte; die Zukunft des Lagers wurde also in erheblichem Maß bestimmt von seiner Lage. Oberschlesien war im Lauf der Geschichte mehrmals hin- und hergeschoben worden; vor dem Ersten Weltkrieg hatte es zu Deutschland gehört, nach 1921 war ein Drittel des Gebiets an Polen gefallen. Jetzt wollten die Nationalsozialisten das zurückhaben. Aber dieser östliche Teil Oberschlesiens war Industriegebiet und großenteils nicht geeignet für die Ansiedlung zurückkehrender Volksdeutscher. Das hieß, daß viele Polen als Arbeitskräfte dableiben mußten. Und das wiederum bedeutete, daß ein Konzentrationslager dort ganz besonders gebraucht wurde, zur Unterdrückung der Bevölkerung. Auschwitz war zunächst geplant als Durchgangslager oder Quarantänelager, wie es im NS-Jargon hieß, in dem Häftlinge gesammelt werden sollten, bevor sie in andere Konzentrationslager im Reich geschickt würden. Aber innerhalb kürzester Zeit zeigte sich, daß dieses Lager doch selbständig als Ort ständiger Inhaftierung fungieren würde.
Höß wußte, daß der Krieg alles radikalisiert hatte, auch die Konzentrationslager. Dieses neue Lager war nach Vorbildern wie Dachau geschaffen worden, aber es hatte größere Probleme zu bewältigen als solche Einrichtungen im »Altreich«. Hier wurden Polen eingesperrt und eingeschüchtert zu einer Zeit, in der das ganze Land ethnisch neu geordnet und Polen als Nation intellektuell und politisch zerstört wurde. Deshalb hatte Auschwitz auch in seiner Anfangsphase eine relativ höhere Sterberate als »normale« Lager im Reich. Von den 20 000 Polen, die zu Beginn hergeschickt wurden, waren Anfang 1942 mehr als die Hälfte tot.
Die allerersten Gefangenen, die im Juni 1940 eintrafen, waren nicht Polen, sondern Deutsche – 30 Kriminelle aus dem KZ Sachsenhausen. Sie würden Kapos sein, Häftlinge, die als Instrument der Kontrolle zwischen der SS und den polnischen Gefangenen fungierten. Diese Kapos machten einen starken ersten Eindruck auf die Polen, die mit den frühen Transporten kamen. »Wir hielten sie alle für Seeleute«, sagt Roman Trojanowski31, der im Alter von 19 Jahren im Sommer 1940 eintraf. »Sie hatten diese Matrosenmützen auf. Und dann stellte sich heraus, daß es Kriminelle waren. Alles Kriminelle!« – »Wir kamen an, und da waren diese deutschen Kapos, die schrien uns an und schlugen uns mit kurzen Knüppeln«, erzählt Wilhelm Brasse32, der etwa zur gleichen Zeit ankam. »Wenn jemand zu langsam aus dem Viehwagen stieg, wurde er geschlagen, und ein paar wurden sofort getötet. Ich war total verängstigt. Alle waren verängstigt.«
Diese ersten polnischen Gefangenen in Auschwitz waren aus unterschiedlichen Gründen ins Lager geschickt worden: Weil man sie verdächtigte, für den polnischen Untergrund zu arbeiten, weil sie einer Gruppe angehörten, gegen die die Nationalsozialisten etwas hatten, wie Priester und die Intelligenzija, oder weil ein Deutscher sie ausgeguckt hatte. Viele in der ersten Gruppe polnischer Gefangenen im Juni 1940 kamen aus dem Gefängnis von Tarnów und waren Studenten.
Die erste Aufgabe dieser Neuankömmlinge war einfach – sie mußten das Lager errichten. »Wir hatten nur primitives Werkzeug«, erinnert sich Wilhelm Brasse. »Die Gefangenen mußten Steine schleppen. Es war mühsame, schwere Arbeit. Und wir wurden geschlagen.« Aber es war nicht genügend Baumaterial geliefert worden, also fand man die typische Lösung – Diebstahl. »Ich arbeitete beim Abbruch von Häusern, die bisher polnischen Familien gehört hatten«, fährt Brasse fort. »Der Befehl lautete, Baumaterial wie Ziegel, Bretter und alles Holz mitzunehmen. Wir wunderten uns, daß die Deutschen so schnell bauen wollten und nicht das Material dafür hatten.«
Im Lager entwickelte sich schnell eine Kultur des Stehlens, nicht nur von den Ortsansässigen, sondern auch innerhalb der Einrichtung. »Die deutschen Kapos schickten uns Häftlinge los und sagen: ›Los, klaut Zement bei einem anderen Arbeitskommando. Die anderen sind uns egal‹«, berichtet Brasse. »Also taten wir das. Wir klauten Bohlen oder Zement bei einem anderen Kommando. Im Lagerjargon hieß das ›Organisieren‹. Aber wir durften uns nicht erwischen lassen.« Dieses »Organisieren« war übrigens nicht auf die Häftlinge beschränkt. In diesen frühen Tagen stahl auch Höß zusammen, was er brauchte. »Da ich von der Inspektion KL in keiner Hinsicht auf Hilfe rechnen konnte, mußte ich selbst sehen, wie ich zurande kam. Mußte mir Pkw und Lkw und den dafür benötigten Treibstoff ergaunern. Um einige Kochkessel für die Häftlingsküche mußte ich bis nach Zakopane und Rabka fahren, um Bettgestelle und Strohsäcke nach dem Sudetenland … So mußte ich mir eben den dringendst benötigten Stacheldraht zusammenstehlen … Wo ich irgendwo eine Lagerstelle mit solchem, von mir dringendst gebrauchten Material fand, ließ ich alles kurzerhand abfahren, ohne mich um Zuständigkeiten zu kümmern …«33
Während Höß das Material »organisierte«, das er für nötig hielt, um aus Auschwitz ein brauchbares Lager zu machen, wurde den Polen hinter dem gestohlenen Stacheldraht bald klar, daß ihre Überlebenschancen vor allem von einem Faktor abhingen – unter welchem Kapo sie arbeiteten. »Ich begriff schnell, daß in den ›guten‹ Arbeitskommandos die Gefangenen gewöhnlich volle, runde Gesichter hatten«, sagt Wilhelm Brasse. »Sie benahmen sich anders als die, die schwere Arbeit hatten und abgezehrt aussahen, wie Skelette in Uniform. Ich wußte sofort: Bei diesem Kapo ist es besser, weil die Gefangenen besser aussehen.«
Roman Trojanowski quälte sich unter einem der grausamsten Kapos, der ihm einmal wegen eines minderen Vergehens das Gesicht zerschlug und ihn dann zwei Stunden lang hockend einen Schemel vor sich halten ließ. Die Härte des Lebens in diesem Arbeitskommando machte ihn fertig. »Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft, jeden Tag mit einer Schiebkarre herumzurennen«, sagt er. »Nach einer Stunde rutschte dir die Schiebkarre aus den Händen. Du fielst auf die Karre und tatest dir die Beine weh. Ich mußte meine Haut retten.« Wie viele Auschwitz-Häftlinge vor und nach ihm wußte Roman Trojanowski, daß er einen Ausweg aus dem gegenwärtigen Arbeitskommando finden oder zugrunde gehen mußte.
Eines Morgens wurde beim Appell bekanntgegeben, daß erfahrene Zimmerleute gesucht würden. Trojanowski meldete sich, obwohl er in seinem Leben noch keine Zimmermannsarbeit geleistet hatte, und behauptete sogar, er habe sieben Jahre Erfahrung. Aber der Plan scheiterte. Als er in der Zimmerei zu arbeiten begann, war sofort klar, daß er keine Ahnung hatte. »Der Kapo rief mich, nahm mich mit in seinen Raum und stand da mit einem dicken Knüppel. Als ich den sah, wurde mir sehr schwach zumute. Er sagte, ich bekäme 25 Hiebe, weil ich Material verdorben hatte. Ich mußte mich bücken, und er schlug zu. Er tat das schön langsam, damit ich jeden Schlag einzeln spürte. Er war ein großer Kerl, mit starken Händen und einem starken Stock. Ich hätte schreien mögen, aber ich biß die Zähne zusammen, und es gelang mir, nicht zu brüllen, kein einziges Mal. Das zahlte sich aus, denn nach dem 15. Schlag hörte er auf. ›Du hältst dich wacker‹, sagte er, ›deshalb erlaß ich dir die letzten zehn.‹ Ich hatte also von den 25 nur 15 Schläge bekommen, aber die reichten. Mein Arsch wechselte zwei Wochen lang von Schwarz über Violett zu Gelb, und ich konnte lange Zeit nicht sitzen.«