James Carlos Blake

Red Grass River

Roman

Aus dem Englischen übersetzt
von Stefan Lux

Die amerikanische Originalausgabe erschien 1998 unter
dem Titel »Red Grass River« bei Avon Books, New York.

© James Carlos Blake 1998

Covergestaltung: Agentur Sieveking, München

eISBN 978-3-95438-090-9

Für
Len Richardson,
einen Good Old Boy und verdammt feinen Mann

und
die Runde aus meiner Zeit in Bowling Green:
Lebt wohl, Damen und Herren, ein jeder
und eine jede von euch.

Des Menschen Tage sind wie Gras,
er blüht wie die Blume des Feldes.
Fährt der Wind darüber, ist sie dahin;
der Ort, wo sie stand, weiß nichts mehr von ihr
.

PSALM 103, 15F.

Das Schreckliche ist, dass jeder seine Gründe hat.

JEAN RENOIR

Inhalt

PROLOG

Der Liars Club

EINS

Dezember 1911

ZWEI

Februar 1912

DREI

März 1912

VIER

Der Liars Club

FÜNF

April 1912 – Juni 1914

SECHS

Juli 1914

SIEBEN

Der Liars Club

ACHT

August 1914 – Januar 1915

NEUN

23. Februar 1915

ZEHN

Februar – Oktober 1915

ELF

Der Liars Club

ZWÖLF

Juli 1918 – Dezember 1919

DREIZEHN

Januar 1920

VIERZEHN

April 1920

FÜNFZEHN

Der Liars Club

SECHZEHN

Oktober 1920 – Januar 1921

SIEBZEHN

Februar – Juni 1921

ACHTZEHN

Der Liars Club

NEUNZEHN

Juli 1921 – August 1923

ZWANZIG

September 1923

EINUNDZWANZIG

Der Liars Club

ZWEIUNDZWANZIG

Oktober – Dezember 1923

DREIUNDZWANZIG

Januar 1924

VIERUNDZWANZIG

Der Liars Club

FÜNFUNDZWANZIG

Februar – Oktober 1924

SECHSUNDZWANZIG

Oktober 1924

SIEBENUNDZWANZIG

1. November 1924

ACHTUNDZWANZIG

Der Liars Club

NEUNUNDZWANZIG

Dezember 1924

PROLOG

Der Liars Club

Falls sich der Teufel je einen Garten angelegt hat, dann die Everglades. Der größte und gemeinste Sumpf, den Sie je zu sehen bekommen – größer als so mancher Staat der USA. All die Kiefernwälder und das Zwergpalmetto-Gestrüpp, die Zypressensümpfe, das ganze Kletterpflanzengewirr. Doch vor allem ist es ein Fluss, ein Fluss, wie es auf der Erde keinen zweiten gibt. Er ist hundert Kilometer breit, fünfzehn Zentimeter tief und verläuft vom Lake Okeechobee bis zum südlichen Ende des Staates über einem Morast ohne festen Boden. Das Ganze ist mit Binsenschneide, einer Art Sauergras, überwuchert, scharf wie ein Rasiermesser. Zwischen diesem schneidend scharfen Gras gibt es weit und breit nichts außer vereinzelten Hammocks – höher gelegene, mit Laubbäumen und Palmen bewachsene Inseln –, die größtenteils noch kein Mensch je betreten hat. Da draußen wirkt die Welt viel größer, und der Himmel kennt kein Ende. Es heißt, dass es kaum einen anderen Ort gibt, an dem man weiter schauen und dabei weniger sehen kann. Und alles trägt die eine oder andere Schattierung von Grün, außer bei Sonnenaufgang oder schwindendem Tageslicht, wenn dieser große Grasfluss so rot wird, dass man meint, er würde brennen oder aus Blut bestehen.

Nur die Verzweifelten oder die von Gott Verdammten leben dort draußen. In den Everglades gibt es alle möglichen Dinge, die einen schneiden, verbrennen oder mit Juckreiz quälen, die einen stechen, vergiften oder gleich am Stück auffressen können. Es gibt Treibsand und Alligatoren, Panther und Schlangen und Mücken und alle anderen erdenklichen Insekten, die einen in den Wahnsinn treiben können. Im Sommer ist die Luft so heiß und feucht, dass man meint, gekochte Baumwolle einzuatmen. Gott allein weiß, was der faulige Schlick unter der Binsenschneide alles verschluckt hat und nie wieder freigeben wird. In diesem Schlamm finden sich Knochen, die eine Million Jahre alt sind, aber auch welche von letzter Woche. Tierknochen. Menschenknochen. Dort draußen liegen zehntausend Geschichten begraben, die außer dem Teufel niemand kennt.

Ja, eine bessere Bezeichnung als Devil’s Garden hätte man solch einem Ort nicht geben können. Selbst auf neuen Karten findet man diesen Namen noch an einem Stück Wildnis östlich von Immokalee. Es waren die ersten Cracker, die den Namen erfunden haben – und so groß die Glades auch heute noch sein mögen, in jenen Tagen waren sie viel größer und dehnten sich fast über die ganze Region beiderseits des Lake Okeechobee aus. Einen Cracker nannte man jemanden, der im Sumpfland aufgewachsen ist und sein täglich Brot vor allem mit der Jagd und dem Fallenstellen verdiente, auch wenn manche versuchten, sich mit ein bisschen mühseligem Ackerbau, ein bisschen Viehzucht oder ein bisschen von allem über Wasser zu halten. Die ersten Cracker, die in Florida auftauchten, kamen aus allen möglichen Ecken des Südens, aber überwiegend aus Georgia. Sie verdanken ihren Namen ihren knallenden Peitschen, mit denen sie ihr Vieh vor sich hertrieben. Manche dieser ledernen Peitschen waren so groß, dass man sie mit beiden Händen festhalten musste. Sie knallten laut wie Gewehrschüsse und waren kilometerweit zu hören.

Keine anderen Weißen kannten den Devil’s Garden je so gut wie die Cracker. Und keine anderen Cracker kannten ihn so gut wie die Ashleys.

Heute sind nur noch wenige Cracker übrig, die den Ashleys noch von Angesicht zu Angesicht begegnet sind. Ich meine, wir sind alt, allesamt. Wir sind alt, haben alle unsere Gebrechen und brauchen mindestens einen Stock zum Gehen, manche sogar einen Rollator. Kaum einer von uns Männern kommt ohne Brille aus, mit Gläsern so dick wie Flaschenböden. Kaum einer fragt nicht ständig: »Was?«, wenn jemand mit ihm spricht, oder kann die Nacht durchschlafen, ohne ein -oder zweimal zum Pissen aufzustehen. Aber fast alle von uns kannten die Ashleys, als wir noch Kinder waren. Zumindest kannten wir sie so gut, dass wir uns auf der Straße grüßten, wenn wir uns trafen. Näher kam man den Ashleys sowieso nicht, wenn man nicht zur Familie gehörte. Sie waren eine stolze Sippe, und man kam nur schwer an sie ran. Aber hin und wieder liefen wir einem von ihnen über den Weg, und natürlich bekamen wir mit, dass ständig über sie geredet wurde.

Während wir aufwuchsen, hörten wir hundert Geschichten über die Ashleys und über John Ashleys Gang und die Verbrechen, die sie begingen. Wir hörten alles über die Feindschaft zwischen John Ashley und Bobby Baker und über den Krieg, den die Ashleys mit den Yankee-Schmugglern führten, die sich auf ihrem Territorium breitmachen wollten. Wir hörten ein Dutzend Versionen darüber, was sich an der Sebastian River Bridge zutrug und schließlich zum Ende der Gang führte. Noch heute erzählen wir diese Geschichten, wenn wir uns im Park treffen, um unsere alten Knochen in die Sonne zu halten und uns die Zeit mit etwas anderem zu vertreiben als der Frage, ob es irgendwo einen Demokraten gibt, der in der Lage ist, die nächste Wahl zu gewinnen.

Die Sache ist die: Über die Ashley-Gang wurden so lange so viele Geschichten erzählt – und zwar von so vielen Leuten, die die Tatsachen auf die eine oder andere Art verdrehen –, dass man kaum unterscheiden kann, was echte Fakten sind und was nicht. Wahrscheinlich ist es auch gar nicht so wichtig. Jeder weiß, dass die einfachen Tatsachen allein nicht notwendigerweise die Wahrheit erzählen. Manch einer kann den ganzen Tag nur wahre Fakten von sich geben und dabei doch lügen, da muss man sich nur mal für eine Weile in einen Gerichtssaal setzen. Auf der anderen Seite kann eine Geschichte, die hier und da ein wenig großzügig mit den Fakten umgeht, so viel Wahrheit enthalten, wie man sich nur wünschen kann. So jedenfalls sehen wir das.

Unsere erwachsenen Kinder grinsen, zwinkern sich zu und schütteln die Köpfe über unsere Geschichten, und trotzdem gibt es in den Friseurläden, den Cafés und auf den Plätzen vor den Gerichten in jeder Stadt ein paar alte Knacker wie uns. So läuft es nun mal hier unten im Süden. Als wir klein waren, saß eine Gruppe Graubärte auf dem Hauptplatz der Stadt und erzählte Geschichten vom Bürgerkrieg, von den schlechten alten Zeiten der Reconstruction, von den Machenschaften des Klans und so weiter. Jeder nannte diese alten Kerle den Liars Club. Und so nennt man heute auch uns …

EINS

Dezember 1911

Der Junge stakte sein Boot durch den gewundenen Kanal in den Binsenschneiden und hörte jetzt neben den Rufen der Vögel in den Laubbäumen auf den Hammocks ein fernes Singen. Er wusste, dass es der Indianer war, der gekommen war, um ihn zu treffen, und dass er betrunken und nicht allein war. Er ließ das Stakholz ruhen und das Boot langsam durch die Binsenschneide gleiten, die ihm über den Kopf ragte, und versuchte, sich einen Plan zurechtzulegen. Sein Vater sagte immer, dass ein betrunkener Indianer der einfachste Kunde des Tages sein konnte, aber auch der schwierigste, je nachdem, mit welchem Indianer man es zu tun hatte. Der Junge wusste, dass dieser spezielle Indianer zur schwierigen Sorte zählte. Doch wenn er seine Lieferung nicht überbrachte, nur weil man nie wusste, woran man bei einem betrunkenen Indianer war, würde sein Vater ihn auf alle Zeiten als Weichling verspotten. Er spuckte in die Binsenschneide, beugte sich über das Stakholz und schob das Boot wieder voran, wobei er den beruhigenden Druck der Pistole an seinem Rücken spürte, die unter dem lose herabhängenden Hemd in seinem Hosenbund steckte.

Er hieß John Ashley und war achtzehn Jahre alt.

Im Westen zeigten sich am langsam errötenden Himmel orangefarbene Streifen, und rote Wolken umgaben die sinkende Sonne. In südöstlicher Richtung erhob sich eine hohe schwarze Qualmsäule, wo ein Bagger einen Kanal aushob. Der frühwinterliche Tag hatte trocken und beinahe kühl begonnen, doch inzwischen deutete alles auf einen für die Jahreszeit untypischen Regenguss hin. Die Luft war süß vom Geruch des Sumpfwassers und der Vegetation, vom Aroma der reifen Erde des Hammocks unter einem Baldachin aus Magnolien und Weißgummibäumen. Selbst wenn es irgendwo im Umkreis von fünfzig Metern einen erhöhten Aussichtspunkt gegeben hätte, von dem man einen weiten Rundumblick über die Binsenschneide, die vereinzelten Laubwald-Hammocks und Kieferninseln hatte (die einzigen derartigen Punkte waren die Baumwipfel der Hammocks, wo sich zu dieser Stunde die Vögel zu ihrer lärmenden Rast einfanden), so hätte der Beobachter niemals den Kanal oder die Bewegung darauf wahrgenommen. Dafür waren die Binsenschneide zu hoch, der Wasserweg zu schmal und die Bewegungen des Jungen zu geschmeidig. Nur ein Fischadler, der hoch oben seine Kreise zog, war Zeuge seines Fortkommens.

Der Gesang der Indianer verstummte, als der Junge in das schattige grüne Licht unter den Laubbäumen stakte, die Binsenschneide zur Seite wich und das Boot in den natürlichen Ring tieferen, kupferfarbenen Wassers glitt, der den Hammock umgab. Die rastenden Vögel beruhigten sich. Ihre Hinterlassenschaften ließen die Blätter der unteren Äste erzittern, klatschten weißlich zu Boden und erzeugten kleine Wellen im Wasser. Die Luft war vom Quaken der Froschkolonien erfüllt. Der Junge hielt auf ein schräg abfallendes Schlammufer zu, wo jemand den Wurzelbewuchs weggehackt hatte, um eine Anlegestelle zu schaffen.

Er roch die Indianer, bevor er sie in ihren sackartigen weißen Hemden und den schwarzen Filzhüten auf einem kleinen Hügel im Schatten der Bäume sitzen sah. Es waren zwei. Sie saßen mit gekreuzten Beinen, beobachteten ihn und ließen einen Krug hin und her gehen. Am Rand der Anlegestelle war ein einziger langer Einbaum an einer vorstehenden Wurzel angebunden. Nun nahm er neben dem Geruch der Indianer auch den der Otterfelle wahr, die in dem Boot aufgestapelt waren. Die Wasseroberfläche geriet leicht in Bewegung, als ein Schwarm Saiblinge die Flucht vor einem jagenden Barsch ergriff.

Er zog fest an seinem Stakholz, und der Bug schlug gegen den schlammigen Anlegeplatz. Das abrupte Abstoppen rüttelte die Holzkisten im vorderen Teil des Boots durch und brachte die darin verpackten Krüge zum Klirren. Der kleinere Indianer grinste breit. Um die Ohren des Jungen herum wüteten Mücken. Ein grauer Schwarm dieser Tiere schwirrte um die Köpfe der Indianer, ohne sich auf deren Haut niederzulassen. Der Junge entdeckte ein Gewehr, das an einem Baumstamm hinter den Indianern lehnte, doch an ihren Gürteln sah er nur Messer.

»Du warst schon aus einer Meile Entfernung zu hören«, sagte der größere Indianer. Seine Stimme klang rau und gurgelnd. »Du warst so laut wie ein scheiß Dampfschiff.«

John Ashley hatte da seine Zweifel. Dieser größere Mann – er hieß DeSoto Tiger und verscherbelte anderen Indianern tiefer in den Glades den Schnaps weiter, den er beim Vater des Jungen kaufte – galt als guter Mann, der seinem Daddy und seinem Onkel glich, beides Seminolen-Häuptlinge in dieser Gegend. John Ashley allerdings kannte ihn als Säufer der bösartigen Sorte und hörte seit Jahren immer wieder schreckliche Geschichten über ihn. Angeblich hatte er seine Ehefrau wegen Untreue totgeschlagen und dem Mann, der ihm Hörner aufgesetzt hatte, den Schwanz abgeschnitten. Außerdem sollte er einen Neger in einem Bach ertränkt haben, weil dieser versucht hatte, seine Fallen zu stehlen. Der Vater des Jungen hatte behauptet, die meisten dieser Geschichten seien Lügen, die DeSoto Tiger selbst erfunden habe, um bei anderen Indianern Angst vor ihm zu schüren. Andere weiße Männer hingegen waren der Ansicht, der große Indianer sei genauso übel wie sein Ruf.

John Ashley hatte ihn bis vor einem Jahr nur vom Sehen gekannt. Damals waren er und sein Vater DeSoto Tiger in Blue’s Store am Lake Towhee über den Weg gelaufen, und der Indianer hatte den Jungen gefragt, ob er ihn bei der Jagd nach Alligatorenhäuten in den Okaloosa-Sümpfen begleiten wolle. Den Gewinn würden sie teilen. Er sagte, er brauche einen weißen Partner, um am Handelsdock in New River höhere Preise für die Häute verlangen zu können. Außerdem habe er gehört, der Junge sei beim Häuten so geschickt, dass er einen guten Partner abgeben würde. John Ashley hatte sich zu seinem Vater umgedreht, der so tat, als würde er hoch konzentriert die Wolken in der Ferne betrachten. Eigentlich wollte er nicht wirklich mit dem Indianer zusammenarbeiten, andererseits wollte er seinem Vater beweisen, dass er vor DeSoto Tiger keine Angst hatte. Er sagte dem Indianer, er sei einverstanden, solange sie keinen Whiskey mit auf die Jagd nähmen. Sein Daddy hatte gelächelt, ohne in ihre Richtung zu schauen, und DeSoto Tiger hatte gelacht und erklärt, das wäre in Ordnung, bei der Arbeit trinke er sowieso nie.

Mit vier Einbäumen im Schlepptau waren sie Richtung Süden gefahren und hatten während der beiden nächsten Wochen nachts Alligatoren getötet, morgens die Kadaver gehäutet und nachmittags geschlafen. Geredet hatten sie während der ganzen Zeit kaum. Auf drei der Einbäume stapelten sie Häute, den vierten füllten sie mit dem Schwanzfleisch, das sie ohne Weiteres in den Negervierteln der Stadt verkaufen konnten. Auf dem Weg zu den Handelsdocks begegneten sie einem Whiskeyhändler, dem der Indianer eine Literflasche abkaufte. Auf John Ashleys finsteren Blick hin sagte er: »Verdammt, Junge, die Arbeit ist erledigt.«

Bei ihrer Ankunft am Handelsplatz am New River war DeSoto Tiger betrunken. Kaum hatte ihr Boot angelegt, da entdeckte er einen Stammesgenossen namens Henry Little Bear, den er verdächtigte, um die Zuneigung seiner Liebsten zu buhlen. Ein lauter Streit entflammte, Messer kamen ins Spiel, und mehrere Arbeiter mussten den großen Indianer überwältigen und festhalten, bis die Polizei eintraf und ihn ins Gefängnis steckte. Henry Little Bear blutete heftig, als man ihn zum nächsten Arzt brachte. Er hatte eine Schnittwunde im Bauch, der größte Teil seiner Nase fehlte, und eine Seite seines Gesichts war bis auf den Knochen aufgeschlitzt. Wie alle anderen Augenzeugen war John Ashley beeindruckt von DeSoto Tigers spektakulärem Geschick mit dem Messer. Tagelang sprach man an den Docks von nichts anderem als dem Indianerkampf. Der Junge verkaufte die Felle und legte die Hälfte der Einnahmen für den Indianer beiseite.

Weil Henry Little Bear nicht tot, sondern nur verstümmelt war – und weil DeSoto Tigers Vater und Onkel Häuptlinge des regionalen Seminolenbündnisses und den weißen Behörden oftmals nützlich gewesen waren, wenn es um Indianerthemen ging – und weil es dem Gesetz sowieso relativ egal war, was Indianer einander antaten, solange dabei keine anständigen weißen Bürger zu Schaden kamen, musste DeSoto Tiger nur zehn Tage im County-Gefängnis absitzen. Als der Indianer herauskam, nahm John Ashley dessen Anteil von den Einnahmen für die Häute, traf sich mit ihm in Blue’s Store und händigte ihm das Geld aus. DeSoto Tiger starrte erst die Scheine an und dann den Jungen. Sein Blick war hart und vorwurfsvoll. John Ashley fühlte sich beleidigt und erklärte, er könne sich gern bei Mister Williams, der die Häute gekauft hatte, nach dem Preis erkundigen. Der Indianer sagte, er sei nicht so naiv, einen weißen Mann nach der Wahrheit zu fragen. Er spuckte auf den Boden, stopfte das Geld in seine Tasche und stolzierte davon.

Sie sahen sich erst wieder, als der Vater des Jungen ihn vor drei Monaten zu diesem Hammock im Binsenschneidegebiet südöstlich des Lake Okeechobee geschickt hatte. Dabei handelte es sich um eines von mehreren Camps, über die DeSoto Tiger in diesem Gebiet angeblich verfügte. Obwohl John Ashley nur seinem Bruder Bob von dem Vorwurf des Indianers erzählt hatte, schien seinem Vater bewusst, dass die kurze Partnerschaft mit DeSoto Tiger nicht allzu gut geendet hatte. Trotzdem, vielleicht sogar deswegen, schickte er ihn zu dem Indianer. Sein Vater war keiner, der sein Vorgehen erklärte, doch hatte er John Ashley und seinen Brüdern immer wieder eingebläut, dass man nur auf eine Art mit Stieren zurechtkäme, nämlich indem man sie bei den Hörnern packte. Bei dieser ersten Auslieferung hatte der Junge Bedenken gehabt, doch der Indianer hatte sich distanziert gegeben und ihr letztes Zusammentreffen mit keinem Wort erwähnt. Das Geschäft war schnell und ohne irgendwelche Vorfälle über die Bühne gegangen. So war es auch bei jeder Begegnung seitdem gewesen, womit der Junge ganz zufrieden war.

Nun erschien der Indianer zum ersten Mal betrunken zu einem Treffen. John Ashley sah, dass der Krug, aus dem die beiden Männer tranken, nicht von seinem Vater stammte. Er stieg aus dem Boot, deutete mit dem Kopf auf den Krug in DeSoto Tigers Hand und sagte: »Hoffentlich wollt ihr Jungs nicht zu einem anderen Lieferanten wechseln. Wir würden euch sehr ungern als Abnehmer verlieren.«

DeSoto Tiger starrte den Krug an, als hätte er ihn gerade erst bemerkt. Der andere Indianer lachte und sagte, nein, verdammt, sie wollten nicht wechseln, sie hätten den Krug einfach dort im Unterholz gefunden. Dann sahen die beiden Indianer sich an und lachten. Scheiße, dachte John Ashley, ein betrunkener Indianer ist schlimm genug, aber ich hab’s hier gleich mit zweien zu tun.

»Verdammt, Junge, wir trinken nur den Wyome von deinem Daddy«, sagte der kleinere Indianer und benutzte das indianische Wort für Whiskey. »Jeder weiß, dass Old Joes Zeug das guteste ist.« Der Mann hieß Jimmy Gopher und wurde als Halbblut von den Indianern ebenso verachtet wie von den Weißen. John Ashley kannte ihn als mittelmäßigen Fallensteller und kriecherischen Freund von DeSoto Tiger. »Wir kaufen keinen Schnaps außer dem von deinem Daddy«, sagte Jimmy Gopher. Er stand auf, kam auf das Boot zu, entdeckte die beiden Kisten und grinste.

John Ashley hob die Kisten nacheinander heraus, stellte sie ab und betrachtete DeSoto Tiger, der immer noch im Schneidersitz auf dem Boden hockte. Der Indianer erwiderte seinen Blick für einen langen Moment und zog dann einen Haufen Geldscheine aus seinem Hemd, die er Jimmy Gopher hochreichte, der sie an den Jungen weitergab. Die Scheine waren feucht und hatten den Geruch des Indianers angenommen. John Ashley zählte sie sorgfältig, faltete sie dann ordentlich zusammen und steckte sie in seine Tasche. »Gut«, sagte er und drehte sich zum Boot um. »Bis nächsten Monat dann.«

»Trink noch was mit uns, bevor du zurückfährst«, sagte DeSoto Tiger und erhob sich so schwerelos wie der Rauch eines Feuers. Er überragte den Jungen, der selbst 1,80 m war, um einen ganzen Kopf. Den Filzhut hatte er nach vorn geschoben, sodass seine Augen im Schatten lagen.

»Tut mir leid«, sagte John Ashley. »Aber ich muss los.«

»Hab gehört, du hast einen Haufen Reiherfedern an Burris’ Store in Palm Beach verkauft«, sagte der Indianer. »Für gutes Geld.«

John Ashley betrachtete erst ihn, dann Jimmy Gopher und schließlich wieder DeSoto Tiger. »Ja, manchmal verkaufe ich Federn«, sagte er. »Das weiß doch jeder.«

»Hab gehört, du hast die Vögel drüben beim Pahokee Slough erwischt«, sagte DeSoto Tiger. Sein Gesicht verriet keinerlei Anzeichen von Freundlichkeit. »Jeder weiß, dass der Pahokee Slough mein Vogelrevier ist. Das weiß jeder.«

Erst jetzt bemerkte John Ashley, dass der Indianer deutlich betrunkener war, als er gedacht hatte. Hätte er doch seinen Bruder Bob mitgenommen. Bob bot jedes Mal an, ihn bei den Auslieferungen an Indianer zu begleiten, und John Ashley sagte jedes Mal, nein, das könne er allein erledigen. Und jedes Mal sah ihn sein Daddy dann wohlwollend lächelnd vom Kopf des Esstischs aus an.

»Keiner hat ein Besitzrecht auf eine Vogelkolonie«, sagte er mit einem Grinsen, für das er sich auf der Stelle tadelte. Du hast keine Angst vor diesem Mistkerl, sagte er sich, denk gar nicht erst daran.

Der große Indianer trat einen Schritt auf ihn zu. »Ich frag mich, ob du bei den Federn einen Partner hattest. Und um wie viel Geld du ihn betrogen hast.«

Jimmy Gopher stand an einen Baum gelehnt, grinste und schaute mit glasigem Blick zu. Er hatte einen der Krüge geöffnet, hielt ihn in der Armbeuge und trank.

DeSoto Tiger zog das Messer aus der Scheide am Gürtel und tat so, als würde er es an einem Hemdärmel schärfen. Dabei bedachte er John Ashley mit einem dünnen Lächeln. Kurz blitzte ein Bild von Henry Little Bear vor den Augen des Jungen auf, wie er mit blutiger Kleidung vom Anleger am New River fortgetragen wurde. Er schob seine Hand nach hinten und legte sie um den Pistolengriff.

Der Indianer grinste und trat noch näher. »Was hast du da, Bleichgesicht? Eine Bibel? Eine Waffe?« Er machte einen weiteren Schritt, und John Ashley zog die Pistole, einen Single-Action Colt .44, spannte den Hahn und zielte mit ausgestrecktem Arm auf DeSoto Tigers Brust. »Bleib da stehen«, sagte er.

Er hatte nie zuvor eine geladene Waffe auf einen Menschen gerichtet, aber mehrfach miterlebt, wie andere es taten. Wie ein Mensch erschossen wurde, hatte er zum ersten Mal mit sieben Jahren gesehen, als Porter Longtree seinem Kontrahenten Morris Jones vor der Tür zu Kennison’s Store ins Auge geschossen hatte. Seit Langem hatte es zwischen den beiden Männern böses Blut gegeben, und die öffentliche Meinung wurde von John Ashleys Daddy ziemlich treffend zusammengefasst, der erklärte, es hätte gar nicht anders ausgehen können – und dass, egal, wer von den beiden getötet wurde, er es sicher verdient hätte. Seitdem hatte John Ashley noch mehrfach Blutvergießen miterlebt und andere Männer sterben sehen, und er hätte auch keinen Bekannten nennen können, dem es anders ergangen wäre. In diesem Augenblick, in dem er den .44er auf DeSoto Tiger richtete, war er stolz, dass seine Hand nicht zitterte, auch wenn er den Puls in seiner trockenen Kehle hämmern fühlte.

DeSoto Tiger hob die Hände und sagte: »Hey hey, Junge.« Er lachte und sagte: »Merkst du nicht, wenn du auf den Arm genommen wirst?« Er nahm die Hände runter und schüttelte, immer noch grinsend, den Kopf. Dann schaute er hinüber zu Jimmy Gopher, dessen Lächeln matt geworden war. »Der Junge dachte, wir meinen es ernst

Jimmy Gopher lachte hohl. In seinen Augen stand die Angst.

John Ashley senkte die Waffe, immer noch unsicher.

»Du hast es geglaubt, was?«, fragte der große Indianer. »Hättest dein Gesicht sehen sollen. Mann, du wärst wahrscheinlich in die Luft gegangen, wenn ich das hier gemacht hätte.« Der Indianer täuschte einen Angriff mit dem Messer an, und der Junge sprang zurück, verlor auf dem glatten Anlegeplatz den Halt, taumelte bis zu den Knien ins Wasser, fand das Gleichgewicht wieder und richtete die Waffe abermals auf DeSoto Tiger.

»Ruhig jetzt«, sagte DeSoto Tiger lachend und hob versöhnlich die Hand. »Siehst du, wie wir dich auf den Arm nehmen? Mann, Junge, wir machen bloß Spaß. Und du willst doch niemanden erschießen, der nur ein Späßchen macht.« Er trat vor, streckte John Ashley die Hand entgegen und sagte: »Komm aus dem Wasser.«

Der Junge reichte seine freie Hand dem Indianer, und DeSoto Tigers Finger schlossen sich um sein Handgelenk. Jimmy Gopher rief: »Hey, Johnny«, und als er sich in dessen Richtung drehte, brachte ihn der große Mann mit einem Ruck aus der Balance. John Ashley wusste, dass sofort das Messer folgen würde. Er ließ sich zur Seite fallen und spürte, wie die Klinge seinen Hals einritzte. Der Griff des Indianers war eisern, die Klinge holte abermals aus, und dann passierte alles im selben Moment: Der Junge drehte den Kopf zur Seite und presste die Pistole gegen den Indianer, das Messer schnitt durch seine Wange, während er selbst auf den Abzug drückte. DeSoto Tiger grunzte und fiel.

Der Knall der Pistole ließ eine große, flügelschlagende Wolke schreiender weißer Reiher von den Bäumen aufsteigen. John Ashley richtete die Pistole auf den Baum, an dem das Gewehr gelehnt hatte, und sah, dass es sich noch dort befand. Kurz blitzte Jimmy Gophers weißes Hemd auf, als der Indianer tiefer zwischen die Bäume flüchtete.

DeSoto Tiger saß bis zur Brust im Wasser, die Hände auf den Bauch gepresst, und starrte hinunter auf das Blut, das dunkel zur Oberfläche stieg.

John Ashley kämpfte sich durch das Wasser ans Ufer, nahm das Gewehr der Indianer an sich und legte es in sein Boot. Dann hörte er eine Bewegung im Wasser hinter sich. Er drehte sich um und sah die riesige Gestalt von DeSoto Tiger, am Bauch grell blutbefleckt, wie er mit wutverzerrtem Gesicht mit einer Hand nach ihm greifen wollte, während die andere das Messer schwang. Als John Ashley ihm in die Brust schoss, hielt der Indianer inne, machte einen Schritt zurück, dann stürzte er erneut auf ihn los. Diesmal schoss ihm der Junge ins Gesicht. Der Kopf des Indianers zuckte, sein Filzhut fiel ihm vom Kopf, er machte einen wackligen Schritt zur Seite, stürzte auf das abfallende Ufer und rutschte im Schlamm bis zum Uferrand. Aus den offenen Augen unter dem dunklen Loch in seiner Stirn war jedes Licht gewichen.

John Ashley tastete nach den Schnittwunden am Hals und an der Wange, die ihm beide nicht bedrohlich erschienen. Er packte Schlamm auf die Verletzungen, um die Blutung zu stoppen. Widerstreitende Gefühle wühlten in seiner Brust. Er schaute auf den Toten und spürte eine verwirrende Mischung aus Reue und Hochgefühl. Dann sagte er laut: »Wolltest mir den Kopf abschneiden. Du hast es nicht anders verdient.«

Es dauerte eine Weile, bis sein hämmerndes Herz sich beruhigt und sein Atem sich wieder normalisiert hatte.

Er stellte die beiden Whiskeykisten zurück ins Boot – und hielt dann inne, um nachzudenken. Er trat zum Einbaum der Indianer und erkannte im letzten Licht des Tages, dass die Felle von bester Qualität waren. Sie konnten weder einem Toten gehören noch irgendwem, der diesen Toten im Stich gelassen hatte. Also drehte er den Bug des Einbaums herum und befestigte ihn mit einem kurzen Seil an einem Ring am Heck seines Boots. Kurz überlegte er, DeSoto Tigers Taschen zu durchsuchen, doch er brachte es nicht über sich, die Leiche zu berühren.

Dann stakte er kräftig in den Binsenschneidekanal und fuhr davon in eine mondlose Nacht, tiefschwarz bis auf das strahlende Funkeln der Sterne.

Später in dieser Nacht verblassten die Sterne und verschwanden schließlich hinter einer Wolkenmasse, in der es zunächst lautlos blitzte, ehe bald dumpfes Donnergrollen folgte. Wind kam auf, gewann an Kraft und wehte kräftig durch die Binsenschneide. Die Palmen auf den Hammocks wurden geschüttelt, die flüsternden Laubbäume schwankten. Ein weiß glühender Blitz tauchte die Nacht in ein geisterhaftes blaues Mittagslicht und beleuchtete die am Ufer des Hammocks liegende Leiche von DeSoto Tiger, auf deren Gesicht die ersten Regentropfen fielen. Die Augenhöhlen des Toten waren bereits von einem Opossum ausgehöhlt, es wimmelte von Ameisen, die ihrer seit Urzeiten unveränderten Beschäftigung nachgingen.

Inzwischen überzogen zackige Blitze den Himmel, der Donner folgte auf dem Fuß, und der Regen stürzte herab, schüttelte die Binsenschneide und schlug Pocken auf die Wasserfläche. Als das Gewitter mit aller Macht über die Everglades hereinbrach, verzweigten sich die Blitze in blauem und weißem Licht am schwarzen Himmel. Die Binsenschneide zitterte unter dem gewaltigen Grollen des Donners. Es goss in Strömen, und das Wasser am Ufer stieg. Nach einer Weile wurde der tote Mann vom Boden gehoben und langsam vom Hammock hinaus in den Binsenschneidekanal getragen. Die Leiche trieb die ganze Nacht und den gesamten folgenden Tag auf dem gewundenen Wasserlauf. Und dann zwei weitere Tage bis zum Okeechobee Slough und nochmals zwei Tage, bis sie eine Stelle erreichte, an der ein Kanal Richtung Fort Lauderdale ausgebaggert wurde. Mittlerweile war der Leichnam aufgequollen, schwarz und stinkend. Das Gesicht war von den Vögeln, die Ohren und Finger von Hornhechten verspeist worden.

Gegen Mittag jenes Tages wurde die Leiche zusammen mit einer Ladung sumpfiger Erde in die Höhe gehoben. Der Baggerführer sah die über die Baggerschaufel hinaushängenden Beine, lud seine Fracht am Ufer ab und rief seine Kumpel herbei, um ihnen zu zeigen, was er gefunden hatte.

ZWEI

Februar 1912

Sie war eine siebzehnjährige Blondine mit Bobfrisur, hatte volle Brüste, weiche runde Hüften und einen breiten sinnlichen Mund. Und sie war blind. Acht Monate zuvor war sie in Miss Lillians Haus im Tenderloin-Distrikt von West Palm Beach aufgetaucht, in Begleitung eines Fremden namens Benson, der ein nagelneues Modell T fuhr. Dieser Benson sorgte für einiges Stirnrunzeln, als er sie im Salon absetzte, wo sie von anderen Gästen begafft wurde, die mit dem Kinn in ihre Richtung deuteten, grinsten und sich zublinzelten, während er sich oben mit einem der Mädchen vergnügte. Als er oben fertig war, sorgte er für noch mehr Stirnrunzeln, indem er seinen Hut nahm, durch die Seitentür verschwand und sie zurückließ. Das Mädchen weinte darüber weniger, als man erwartet hätte. Sie erklärte Miss Lillian, ihr Name sei Loretta May, und Benson habe sich schon so oft als Kotzbrocken erwiesen, dass dieser neuerliche Beweis sie nicht mehr überrasche. Doch lieber, so sagte sie, würde sie draußen auf der Straße verhungern, als nach Atlanta zu ihrer einzigen noch lebenden Verwandten zurückzukehren, ihrer verhassten Schwester. Diese hatte sich in den letzten sieben Jahren widerwillig um sie gekümmert, nachdem eine schnell fortschreitende Erkrankung der Netzhaut ihr das Augenlicht genommen hatte. »Mit solchen Leuten wie Benson hab ich mich nur aus einem einzigen Grund abgegeben, ich hätte es nämlich keinen Tag länger mit Bernice ausgehalten.«

Miss Lillian tat das Mädchen leid, und sie bot ihm an, in einer kleinen Kammer neben der Küche zu wohnen und dafür so viel leichte Hausarbeit zu leisten, wie seine Behinderung zuließe. Das Mädchen erklärte, Hausarbeit sei nie seine starke Seite gewesen, auch nicht, als sie noch hätte sehen können. Aber sie sei nie ein Mauerblümchen gewesen und könne eine Sache wirklich gut, nämlich das, was sie mit Benson jede Nacht im Hotel gemacht hätte, seit sie aus Atlanta abgereist waren. Warum also solle sie sich nicht in Zukunft dafür bezahlen lassen? Geradeheraus, wenn auch leicht errötend, fragte sie, ob Miss Lillian bereit wäre, sie für die Arbeit oben anzuheuern. Miss Lillian hatte längst wohlwollend das hübsche Gesicht und die prächtige Figur des Mädchens zur Kenntnis genommen; doch mit einer Blinden hatte sie bisher nie gearbeitet. Ganz sicher hatten manche Männer kein Interesse an einer Frau, die nicht bewundern konnte, wie sie gebaut waren. Aber irgendwie mochte sie das Mädchen und war beeindruckt von seinem Mumm. Also sagte sie: »Loretta May, Schätzchen, willkommen im Haus.« Und auch wenn die Puffmutter richtig vorhergesehen hatte, dass manche Kunden nicht einmal daran dachten, den blinden Neuankömmling zu besteigen, versuchten andere es doch zumindest mal, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Manche mochten es so sehr, dass sie danach immer wieder nach Loretta May verlangten. Das Mädchen brachte deutlich mehr ein als nur seinen Unterhalt.

Einer der Männer, die besonders viel Gefallen an ihr fanden, war John Ashley. Seit seinem sechzehnten Geburtstag vor ungefähr zwei Jahren war er Kunde bei Miss Lillian, und die Madam mochte ihn. Er gefiel ihr mit seinen verwuschelten schwarzen Haaren, dem vergnügten breiten Mund und den flinken, lebhaften Augen, denen nichts zu entgehen schien. Seine Besuche waren unregelmäßig, doch immer, wenn er zu Beginn der Woche auftauchte, wo das Geschäft besonders ruhig lief, durfte er für den Sonderpreis von fünf Dollar die ganze Nacht mit Loretta May verbringen.

Es gefiel ihm, dass Loretta Mays Haut wie von selbst nach Pfirsich duftete und dass ihr kurzes, gelbblondes Haar immer frisch gewaschen war. Sie war das sauberste Mädchen, das er je berührt hatte, bei Weitem das freundlichste und nicht zuletzt das leidenschaftlichste in ihrem Geschäft. Als er ihr gegenüber diesen letzten Punkt einmal zur Sprache brachte, erklärte sie kichernd, dass sie bei anderen nicht so enthusiastisch sei wie bei ihm. Er hielt das für eine Lüge, konnte aber nicht leugnen, dass er sich darüber freute. Genau wie er sich auch nichts darüber vormachte, dass er es genoss, ohne ihr Wissen ihre Nacktheit zu betrachten. Oftmals streichelte er einen Teil ihres Körpers, während er heimlich einen anderen begaffte. Weil sie nicht wissen konnte, wohin sein Blick gerichtet war, weil sie sein Gesicht und jegliche Sehnsüchte, die sich dort unbemerkt offenbaren mochten, nicht sehen konnte, fühlte er sich von einer merkwürdigen und seltsam erregenden Macht erfüllt. Gleichzeitig erweckte ihre Schutzlosigkeit gegenüber seinen Blicken ein vages Schamgefühl. Und die Art, wie sie manchmal bei seinen Liebkosungen lächelte, gab ihm das Gefühl, dass sie seine Scham spürte und in diesem Wissen ihrerseits eine gewisse Macht lag. Nie hatte er sich mit einer Frau so wohlgefühlt wie mit ihr.

An einem kühlen Montag traf er zusammen mit seinem Bruder Bob bei Miss Lillian ein, der nie müde wurde, ihn dafür zu tadeln, dass er sich bei jedem Besuch mit demselben Mädchen amüsierte. »Da kannst du auch gleich heiraten, wirklich wahr«, hatte Bob ihm mehr als einmal erklärt. Bob selbst bestand jedes Mal auf einer anderen Hure und gönnte sich manchmal auch zwei bei einem Besuch, entweder im selben Bett oder nacheinander, jedenfalls folgte er einer strikten Rotation, was die Mädchen im Haus betraf. Das einzige Mädchen, das er darin nicht einbezog, war Loretta May, mit der er es einmal ausprobiert hatte und dann nie wieder. »Sie ist ein hübsches Ding, aber wo bleibt der Spaß, wenn die Frau meinen strammen Captain Kidd nicht sehen kann?« Er nannte sein Glied weiterhin bei dem Namen, den er ihm mit zwölf Jahren gegeben hatte.

Als John den Hufeisen-Türklopfer betätigte, sagte Bob, ihm stünde der Sinn nach einer Doppelnummer. Von einem kräftigen, jovialen, mondgesichtigen Mann namens Easton, dessen Pflicht es war, die häusliche Ruhe gegen schwierige Besucher zu verteidigen, wurden sie in den vornehmen, mit rotem Satin ausgelegten Salon eingelassen. Miss Lillian begrüßte die Brüder voller Zuneigung, die ihrerseits Sherman, dem Neger am Klavier, und einem Mann mit Melone zunickten, der, wie sie wussten, am Bahnhof arbeitete. Ansonsten befanden sich im Salon nur zwei Fremde in Anzügen und Krawatten – einer stämmig, der andere schlank –, die mit ein paar Mädchen auf einem Sofa saßen und voll großstädtischer Geringschätzung die beiden Brüder in ihrer verschlissenen Baumwollkleidung und den abgetragenen Schuhen musterten. In ihrem Eifer, nach oben zu gelangen, achteten die Ashleys nicht weiter auf sie. Keine Minute später machte Bob es sich mit einem grünäugigen Mädchen namens Sheryl Ann gemütlich, während John Ashley leise an Loretta Mays Tür klopfte. »Komm schon rein«, antwortete sie. »Du böser alter Alligatorhäuter, du.«

Wie immer badete sie ihn als Erstes in der großen Wanne mit Löwenfüßen, die Miss Lillian in ihr Zimmer gestellt hatte, damit sie nicht das Gemeinschaftsbad benutzen musste, das die anderen Mädchen sich teilten – und sie war bei den anderen so beliebt, dass niemand außer der rothaarigen Quentin, die von Natur aus zänkisch war, sich über dieses besondere Privileg beschwerte. Nach dem Bad trocknete sie ihn ab und bestäubte ihn trotz seines üblichen erfreuten Protests mit Rosenpuder. Da der Mond beinahe voll war und das Zimmer mit seinem blausilbernen Glanz erfüllte, löschte er anschließend die Lampe und beschrieb ihr das Spiel des Mondlichts in ihren hellen Haaren und auf ihrem blassen, auf dem Bett unter den hohen Fenstern ausgestreckten Körper. Sie zog ihn zu sich, ihre Glieder und Zungen verflochten sich, und er drang in sie ein. Sie bewegten sich in einem sanften Wiegen, bis sie tief in ihrer Kehle ein leises Keuchen ausstieß, das ihre Bereitschaft signalisierte. Er stöhnte befriedigt auf und gab sich dem Höhepunkt hin. Er wusste bei diesen Gelegenheiten nicht, ob sie wirklich kam oder ob sie ihm nur etwas vorspielte. Einmal fragte er sie und betonte, sie brauche ihm für sein Vergnügen nichts vorzutäuschen. Daraufhin lächelte sie und sagte: »Na, wenn du es nicht merkst, werde ich es dir auch nicht verraten.«

Danach lagen sie im Mondlicht und rauchten Zigaretten, und sie strich mit den Fingern über seine Wange und seinen Hals. Sie sagte, sie hätte den Eindruck, als wären seine Verletzungen beinahe komplett verheilt. »Es fühlt sich an, als ob da bald überhaupt keine Narbe mehr ist.« Bei seinem ersten Besuch in ihrem Zimmer hatte sie die frisch verkrusteten Wunden berührt, die er vom Kampf mit dem Indianer zurückbehalten hatte. Als sie ihn gefragt hatte, woher die Wunden stammten, hatte er behauptet, ein Alligator hätte ihn gebissen. Sie lachte daraufhin und sagte, er lüge, denn ein Alligatorenbiss hätte größeren Schaden angerichtet, das wisse selbst sie. Er sagte, es wäre ein alter Alligator mit nur noch zwei Zähnen im Mund gewesen, und dass er deshalb nur die beiden verschorften Stellen habe. Sie hatte noch lauter gelacht und ihn fest auf den Mund geküsst.

Er war eben mit dem Gesicht in ihren Haaren eingeschlafen, als er von einem heftigen dumpfen Knall im unteren Stock aufwachte, auf den Schreie und Flüche folgten. Mitten im Tumult hörte er die wütende Stimme seines Bruders. Er setzte sich auf, und Loretta May packte seinen Arm und fragte: »Was ist los?« Er schüttelte sie ab, sprang wacklig aus dem Bett, zog seine Hose an und griff nach der Pistole, die er unter seinem Hemd verborgen hatte. Miss Lillian verbot ausdrücklich Schusswaffen in ihrem Haus, und er wusste, dass sie ihm deswegen die Hölle heißmachen würde. Ohne Hemd und barfuß eilte er über den Flur, wo alle Köpfe, die jetzt in irgendwelchen Türen auftauchten, beim Anblick der Pistole augenblicklich wieder verschwanden.

Unten im Salon traten Bob – der nur seine Hose trug – und der schlankere der beiden Männer im Anzug aufeinander ein. Gleichzeitig versuchte Bob, den stämmigeren Anzugtypen abzuschütteln, der ihn von hinten fest umklammert hielt, sodass er die Arme nicht einsetzen konnte. Zu dritt taumelten sie in einem ungelenken, von Flüchen begleiteten Tanz herum, krachten gegen Wände und Möbel, stießen Stühle und Beistelltische um und zerbrachen verschiedene Gegenstände aus Glas. Easton, der Rausschmeißer, lag auf dem Fußboden, als lausche er auf irgendwelche Bewegungen im Kriechkeller unter dem Haus, während Sherman mit aufgerissenen Augen vor seinem Klavier stand, die Handflächen gehoben, als könne er den Kampf mit ihnen an seinem Instrument vorbeileiten. Drei fluchende Mädchen in verschiedenen Stadien der Nacktheit teilten ebenfalls Tritte gegen die Anzugmänner aus, sprangen aber jedes Mal, wenn sich der Kampf auf sie zubewegte, kreischend zur Seite. Die Treppe hinter John Ashley hatte sich mit neugierig zeternden Huren gefüllt, und sein laut gebrülltes »Hey!« ging im allgemeinen Aufruhr einfach unter.

Das Einzige, was ihm einfiel, war Schießen. Ohne zu zielen feuerte er an die Wand über den Köpfen der Kämpfer und traf ein gerahmtes Foto des ehemaligen Präsidenten Theodore Roosevelt, den Miss Lillian verehrte. Der Schuss ließ die Luft erzittern und Glasscherben hinabregnen. Auf einmal herrschte völlige Stille, abgesehen vom wilden Keuchen der Hauptpersonen, die zu einem lebendigen Tableau des Kampfes erstarrt zu sein schienen – zerzauste Kleider und Haare, rote, wilde Gesichter, alle John Ashley zugewandt, der mit seiner Pistole abwechselnd die beiden Anzüge anvisierte und sagte: »Hände hoch, alle beide.« Sobald sie die Arme hochreckten, stieß Bob Ashley sein Knie zwischen die Beine des Stämmigen, der ihn festgehalten hatte. Die Mädchen jubelten, als sie den Mann mit hervortretenden Augen und nach Luft schnappend auf alle viere gehen sahen. Sie jubelten erneut, als Bob dem anderen Mann einen herrlichen Schwinger verpasste, der ihn eine Dreivierteldrehung vollführen und dann auf die Knie sinken ließ. Zwischen den Fingern der Hand, die er um seinen gebrochenen Kiefer legte, quoll Blut hervor.

Dann stürmte eine Handvoll Polizisten durch die Tür, und die Party war beendet.

Der leitende Sergeant hieß Abel Watkins und war nicht überrascht, als er sah, dass die Ashleys beteiligt waren. Schließlich waren sie ihm schon seit ihrer Kindheit als Teufelsbraten bekannt. Die Kleider der Brüder wurden aus den Zimmern oben geholt. Während die beiden sich anzogen und einige Mädchen Easton aufs Sofa halfen und ihn versorgten, gab Bob Ashley Sergeant Watkins eine Zusammenfassung der Ereignisse.

Nachdem er sich mit Sheryl Ann vergnügt hatte, war er nach unten gekommen, um zu sehen, welche anderen Mädchen für seine zweite Runde zur Verfügung standen. Er hatte drei von ihnen bei den Anzugsmännern sitzen sehen. »Ihr Stadtjungs braucht ja ziemlich lange, um euch zu entscheiden, mit wem ihr euch vergnügt«, sagte Bob und winkte Jenny the Horse zu sich. Doch der Stämmige hielt Jenny am Handgelenk fest und sagte mit Yankee-Akzent: »Moment, Süße. Ich hab mich noch nicht entschieden, wen ich will, und du könntest diejenige sein.« Bob sagte, wenn der Typ im Anzug sich Jenny aussuchen wolle, dann solle er das tun, und wenn nicht, dann nehme er selbst sie mit nach oben. Der Anzugtyp erwiderte, dass er sich so lange Zeit lasse, wie er wolle, und kein verdammter dreckiger Hinterwäldler würde ihn daran hindern. Bob antwortete, indem er dem Mann mit der blanken Ferse ins Gesicht trat und ihn mitsamt dem Sofa hintenüberstürzen ließ. Easton eilte aus der Küche herbei und packte Bob am Arm. Bob stieß ihn rückwärts zu dem anderen Anzugtypen, der ihm eine halb volle Flasche über den Kopf zog und ihn so aus dem Kampf nahm. Dann kam der erste Anzug wieder auf die Beine und packte Bob fest von hinten, während der andere auf ihn eintrat und mit der Flasche nach ihm schlug. »Die Dreckskerle hätten mich ordentlich verletzen können, wenn Johnny sie nicht auf sich aufmerksam gemacht hätte«, erklärte Bob Sergeant Watkins. Inzwischen war sein Auge blau angelaufen, und Sheryl Ann presste ein feuchtes Tuch auf seinen Schädel, um das Blut zu stoppen, das zwischen seinen Haaren hervorquoll.

Die Männer aus der Stadt sahen noch schlimmer aus. Der Dicke hatte einen gebrochenen Wangenknochen, und eine Gesichtshälfte war grotesk zugeschwollen. Seine Hoden waren derart hart getroffen, dass er ging wie ein alter Mann. Die Oberlippe des Schlankeren sah aus wie eine geschälte Pflaume, und einer der oberen Schneidezähne fehlte. Während Bob Sergeant Watkins seine Schilderung der Ereignisse lieferte, hörte John Ashley, wie der schlankere Mann leise murmelte: »Ich hab dir gesagt, wir hätten bewaffnet kommen sollen. Aber neiiin, du meintest ja, wozu brauchen wir Waffen. Was soll in so einem Hurenhaus schon passieren, hast du gesagt.«

Sie erzählten dem Sergeant, sie kämen aus Chicago und seien auf dem Weg zu einem Angelurlaub in Miami. Der Dicke nannte sich Johnson, der Schlanke sagte, er heiße Bode. Beide bestanden darauf, dass Bob den Kampf vom Zaun gebrochen habe, und zwar einzig aus Eifersucht wegen eines Mädchens, das ihnen Gesellschaft geleistet hatte. Doch die drei Mädchen widersprachen und erklärten, dass Johnson angefangen und Bob einen verdammten dreckigen Hinterwäldler genannt habe.

»Lieber Gott«, fuhr Bode auf. »Und das soll ein Grund sein, einem Mann ins Gesicht zu treten?«

Mit finsterer Miene sagte Sergeant Watkins: »Kein Zweifel, ihr beide kommt aus dem Norden, was?«

Er klagte die beiden Männer aus Chicago der verbrecherischen Körperverletzung und Ruhestörung an, zeigte sich aber bereit, die Angelegenheit gegen Zahlung einer Strafe von fünfundzwanzig Dollar pro Kopf auf sich beruhen zu lassen, falls sie Miss Lillian außerdem jeweils hundert Dollar in bar zur Beseitigung der Schäden in ihrem Salon zahlten.

»Mit Geld ist der Schaden an Teddys Auge nicht zu beheben«, sagte Miss Lillian mit finsterem Blick auf das an der Wand baumelnde Foto und das Einschussloch in Roosevelts Brille. »Aber das hat eh jemand anders zu verantworten.« Sie warf John Ashley einen verkniffenen Blick zu.

Die Anzugmänner knurrten unwillig, zahlten aber. Alle im Raum starrten auf die Rolle aus Geldscheinen, die Johnson aus seinem Mantel zog und von der er die verlangten zweihundertfünfzig Dollar abzählte. Anschließend ordnete Watkins an, dass man die beiden zum Bahnhof begleite, wo sie den Zug nach Miami nehmen sollten.

Sergeant Watkins erklärte, Bob habe in Notwehr gehandelt und somit keine Strafe zu erwarten. Das gelte aber nicht für John Ashley. »Zu viele Leute haben den Schuss gehört, Johnny«, sagte er. »Der Captain wird morgen früh davon Wind kriegen und mich nach dem Bericht fragen. Wenn ich keine Anklage gegen dich erhebe, wird er mir die Haut abziehen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.« Der Captain war noch neu in West Palm Beach, ein Hardliner aus Jacksonville mit dem Ruf, stets streng nach Vorschrift zu verfahren.

John Ashley erklärte, er habe verstanden. Er erklärte sich mit dem Vorwurf der fahrlässigen Benutzung einer Schusswaffe innerhalb der Stadtgrenzen einverstanden und zahlte Watkins eine Strafe von fünfundzwanzig Dollar, die er zwar verlieren, sich dafür aber eine Gerichtsverhandlung ersparen würde. Beim Verlassen des Gebäudes blinzelte der Sergeant Miss Lillian zu, die neckisch mit den Fingern winkte und sagte: »Komm bald wieder, Abel. Aber nicht in dieser Uniform, hörst du?«

Als die Ashley-Brüder zehn Minuten später bei einem Drink saßen und lachend einer Gruppe anhänglicher Mädchen lauschten, die aufgeregt über die Schlägerei plapperten, erschien Miss Lillians Negerköchin Jewel im Salon und flüsterte John Ashley zu, dass an der Küchentür jemand auf ihn warte, der mit ihm reden wolle. Er fragte, wer es sei, doch sie wusste es nicht – der Mann hielt sich im Schatten, als wolle er nicht erkannt werden. John Ashley dankte ihr und trat hinaus in den Hausflur, um seinen Revolver zu überprüfen und sich zu vergewissern, dass er fünf Patronen enthielt. Dann ging er in die Küche, sah aber niemanden an der Tür. Er drückte die Waffe tief gegen sein Bein, schlüpfte durch die Fliegengittertür hinaus, stellte sich in den Schatten des Vorbaus und ließ seinen Blick über das mondbeschienene Grundstück wandern.

Eine Stimme im Dunkeln sagte: »Hier drüben, Johnny.«

Er entdeckte die Umrisse eines Mannes im vom Mondlicht durchsetzten Schatten der Schirmmagnolie neben dem Pumpenverschlag und bemerkte, dass der Mann eine Uniform trug. Dann erkannte er Buford Moore, einen Hilfssheriff von Palm Beach County, dessen Familie seit langer Zeit mit den Ashleys bekannt war. John Ashleys Vater hatte Bufords Daddy einmal in den Glades gefunden und sechs Meilen weit auf dem Rücken getragen, nachdem dieser sich an einem Kalksteinvorsprung das Knie gebrochen und sich fast einen Tag lang mit einer improvisierten Krücke abgemüht hatte.