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Stockholm 1897: Drei Männer begeben sich auf eine Expedition, sie wollen mit einem Heißluftballon den Nordpol erreichen. Darunter auch der junge Nils Strindberg. Die Familie und seine Verlobte Anna sind gegen das Vorhaben, doch Nils setzt sich gegen alle Bedenken durch. Die Expedition scheitert. Trotz zahlreicher Rettungsversuche bleibt die Gruppe verschwunden. Bis 1930, als norwegische Robbenfänger die Leichen der drei Männer auf einer kleinen Insel im arktischen Ozean entdecken.

Anna erreicht die Nachricht vom Auffinden der Expedition in England, wo sie mittlerweile lebt, und die Erinnerung holt sie mit aller Macht ein. Die Erinnerung an die verzweifelte Hoffnung, Nils werde doch irgendwann zurückkehren. Und an ihre Sehnsucht, die unstillbar war – und sich auf den falschen Mann richtete …

›Unter dem Nordlicht‹ folgt den Spuren dreier Menschen, deren Lebenswege trotz weiter Entfernung auf verhängnisvolle Weise miteinander verschränkt sind. Und es erzählt eine große und tragische Liebesgeschichte, wie sie aufwühlender nicht sein könnte.

 

Jenny Bond wurde in Sydney geboren. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Canberra, wo sie als Journalistin und Werbetexterin arbeitet. ›Unter dem Nordlicht‹ ist ihr erster Roman.

Jenny Bond

UNTER DEM NORDLICHT

ROMAN

Aus dem Englischen
von Andrea O’Brien und Ursula Wulfekamp

Für Chris, der sagte: »Schreib!«

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ALBANY EXPRESS
16. JANUAR 1896

Eine abenteuerliche Expedition

Albany, New York. Die vom schwedischen Ingenieur Salomon August Andrée geplante Expedition zum Nordpol mit einem Gasballon nimmt allmählich Gestalt an. Die Fertigung des Ballons soll in Paris erfolgen. Dr. N. G. Ekholm von der Universität Uppsala wird die Expedition als Meteorologe begleiten. Ein Fotograf namens Strindberg soll die Ballonfahrt mit Luftbildaufnahmen dokumentieren.

Die viertausendfünfhundert Kubikmeter fassende Hülle des Luftschiffs besteht aus mehreren, unterschiedlich dicken Lagen gefirnisster Seide, die somit absolut wasserdicht ist.

Die Kosten für die Herstellung des Gefährts belaufen sich auf ungefähr fünfzigtausend Francs. Die Konstrukteure werden die Expedition zunächst bis nach Spitzbergen begleiten, wo sie sich um die Befüllung des Ballons und die Vorbereitungen für die Reise kümmern. Am 11. Mai soll der Ballon fertiggestellt sein. Ein Schiff der Königlichen Marine wird die Chemikalien für die Erzeugung des Wasserstoffgases und das Baumaterial für die Halle, in der der Ballon befüllt werden wird, von Schweden nach Spitzbergen transportieren. Der Ballon soll von der Dänen-Insel aus starten, die nordöstlich von Spitzbergen, sechshundertfünfzig Kilometer vom Nordpol entfernt liegt.

Das Luftschiff besitzt ein dreiarmiges Schleppseil mit einem Gesamtgewicht von tausend Kilogramm und ein Steuersegel, die es den Fahrern erlauben, die Geschwindigkeit des Ballons zu drosseln, und die ihn bis zu einem gewissen Grad steuerbar zu machen. Von ihrem Startplatz in unmittelbarer Nähe zum Nordpol aus werden die Luftschiffer innerhalb weniger Stunden in geografische Breiten gelangen, die keine andere Expedition je zuvor hat erreichen können. Anhand von Aufnahmen wird es möglich sein, genau zu dokumentieren, über welche Gebiete der Wind die Expeditionsmitglieder treibt. Dabei sorgen die Schleppseile dafür, dass der Ballon nicht höher als zweihundert Meter steigt.

Die Besatzung hofft, nach der Überquerung des Nordpols bald auf bewohnte Gebiete zu stoßen oder zumindest auf eine Ansiedlung, wo sie landen und von Walfängern gesichtet werden können.

Nach Berechnungen von Dr. Ekholm soll die Fahrt in der Luft mindestens fünfzehn Tage dauern. Während dieser Zeit wird der Ballon über dreitausend Meilen zurücklegen. Dabei sollen zweitausend fotografische Aufnahmen entstehen.

Völlig offen bleibt, wie sich die Männer fünfzehn Tage lang vor der extremen Kälte in der Luft über den Regionen des ewigen Winters schützen wollen. Fellkleidung wird diesen Ansprüchen wohl kaum genügen. Bereits das Überleben auf dem Eis, wo zumindest gewisse Möglichkeiten bestehen, Schutz zu finden, gestaltet sich erwiesenermaßen als höchst schwierig. Umso unmöglicher erscheint daher dieses Unterfangen, bei dem die Männer in einer instabilen Gondel unablässig extremen Temperaturen ausgesetzt sein werden. Es scheint, als würde diese Expedition zu nichts anderem führen, als mehreren Menschen den Tod zu bringen.

Teil 1

DER ERSTE VERSUCH

Kapitel 1

STOCKHOLM, SCHWEDEN
AUGUST 1895

Im Salon der Familie Strindberg herrschte betretenes Schweigen. Erwartungsvoll musterte Nils seinen älteren Bruder Erik, doch der zeigte keinerlei Reaktion. Seine Mutter saß stumm im Sessel, während sein Vater stur die Wand anstarrte. Der zwölfjährige Tore durchbrach schließlich die Stille.

»Das wird bestimmt ein wunderbares Abenteuer.« Nils lächelte Tore dankbar zu. »So eine Gelegenheit bietet sich doch nur einmal im Leben. Außerdem wird Nils als Held zurückkehren.«

»Wenn er überhaupt zurückkehrt«, murmelte Erik. Er zog betont langsam an seiner Zigarette.

Nils bedachte ihn mit einem bösen Blick, den Erik umgehend erwiderte.

»Ab ins Bett, Tore. Es ist spät«, sagte die Mutter leise.

»Die ersten Menschen am Nordpol! Nils wird in die Geschichte eingehen. Versteht ihr das denn nicht?«

»Tore!«

Nils fuhr Tore durchs Haar. »Ins Bett mit dir. Wir sehen uns morgen.« Tore marschierte durchs Zimmer und schloss vernehmlich die Tür hinter sich.

Der Vater wandte sich Nils wieder zu. »Hast du noch Zeit, darüber nachzudenken?«

»Ich habe bereits zugesagt. Meine Entscheidung ist gefallen. Andrée ist ein hervorragender Ballonfahrer und Ingenieur. Er ist Mitglied des Stadtrats. Wenn du seinen Vortrag vor der Akademie gehört hättest, würdest du dir keine Sorgen mehr machen.«

»Andrée ist ein Spinner, ein überehrgeiziger Ballonnarr«, unterbrach ihn Erik so laut, dass seine Mutter zusammenzuckte. »In einem Ballon zum Nordpol fahren? Ist das sein Ernst? Ist das dein Ernst? Sogar dieser Amerikaner Greely hält ihn für unzurechnungsfähig. Und John Wise, Andrées großes Vorbild, ist vor fünfzehn Jahren spurlos mit seinem Ballon über Lake Michigan verschwunden.«

Die Brüder starrten einander wütend an, wurden aber jäh von hektischen Geräuschen in der Eingangshalle unterbrochen. Sekunden später betrat Sven völlig zerzaust den Salon, er roch nach Bier.

»Entschuldigt die Verspätung«, sagte er arglos. »Habe ich was verpasst?«

»Hör auf zu grinsen, du Kretin«, fuhr Erik ihn an. »Ob du was verpasst hast? Nein, hast du nicht. Außer dass Nils lebensmüde ist.«

Sven runzelte die Stirn und warf seiner Mutter einen fragenden Blick zu. »Was soll das heißen?«

»Gar nichts, Liebling«, erwiderte sie ruhig. »Morgen früh wird Nils dir alles erzählen. Du gehörst ins Bett.« Rosalie küsste ihren Sohn sanft auf die Wange und manövrierte ihn zur Tür. Sven widersprach nicht.

Als Kind hatten Eriks Größe und Benehmen ihm in der Familie den Spitznamen »Wikinger« eingebracht. In dieser Hinsicht schlug er nach seinem Vater Oscar. Obwohl er nur sechzehn Monate älter war als Nils, betrachtete sich Erik dennoch als Beschützer seines Bruders, was Nils furchtbar ärgerte.

So banal das Thema auch sein mochte, die beiden widersprachen sich grundsätzlich. Ihr ewiger Wettstreit darum, das letzte Wort zu haben, brachte ihre Lehrer an den Rand der Verzweiflung und ihre Mutter zum Weinen – doch sie waren einander die treuesten Freunde.

Nils seufzte ungeduldig. »Greely hatte keinerlei Erfahrung mit Ballons, nur deshalb sind bei der Expedition vor zehn Jahren zwanzig Mitglieder seiner Mannschaft gestorben.« Seine Stimme schwoll an. »Woher sollte er also wissen, wie man erfolgreich die Arktis erforscht?«

Erik lachte verächtlich. »Und wer gibt Andrée das Geld für sein tolldreistes Unterfangen? Außer dir, mein lieber Bruder, der töricht genug ist, Geld und Zeit daran zu verschwenden?«

»Der König. Er wird alles tun, damit Schwedens Flagge die erste ist, die am Nordpol weht.«

»Wie viele seid ihr, Nils?«, fragte sein Vater. »Nur ihr beide?«

»Nein, Papa. Es gibt noch einen Dritten, Nils Ekholm. Er ist Meteorologe. Ein sehr bekannter, wie es scheint. Andrée und er sind alte Kollegen.«

Nun mischte sich auch die Mutter ins Gespräch ein. »Aber warum sollst ausgerechnet du mitfahren, mein Liebling?«

Nils setzte sich neben seine Mutter auf die Sessellehne und nahm ihre Hand. »Andrée hat mich aus praktischen Erwägungen ausgewählt, Mama. Er braucht einen jungen, kräftigen Mann, einen, der die harten Bedingungen aushält. Außerdem sind meine wissenschaftlichen Kenntnisse nützlich für ihn.«

Nils war wie immer sehr bescheiden. In Wahrheit war er ein hoch qualifizierter, angesehener Physiker, der Assistent von Svante Arrhenius, einem bekannten Wissenschaftler und führend in der Erforschung des Treibhauseffekts war. Nils’ Wissen war für Andrée ausgesprochen wertvoll.

»Ich werde Luftdruck und Windrichtung aufzeichnen, die Bewegung der Eisschollen notieren und andere meteorologische Beobachtungen vornehmen«, erklärte Nils ruhig. »Hoffentlich werde ich mit wertvollen Erkenntnissen für die Universität nach Stockholm zurückkehren.«

Rosalie nickte, doch in ihren blauen Augen spiegelte sich nach wie vor Angst.

»Außerdem hat Andrée von meinen fotografischen Arbeiten gehört, Mama. Er will die gesamte Expedition auf Film festhalten. Wer wäre dafür besser geeignet als ich?« Nils unterstrich seine letzte Bemerkung mit einem unsicheren Kichern.

Er vermied es jedoch zu erwähnen, dass Andrée ihn mitnichten angesprochen hatte. Nils hatte dem Abenteurer nach dem Vortrag an der Schwedischen Akademie der Wissenschaften im Februar nicht nur gratuliert, sondern dem Mann auch seine vollste Unterstützung zugesichert.

Rosalie lächelte nachsichtig, erhob sich und verließ das Zimmer. Nils sah ihr schweigend nach. Er verglich die Zeit auf seiner Armbanduhr mit der auf der Standuhr in der Ecke und war erstaunt, dass beide erst acht Uhr zeigten.

Erik war offenbar wenig beeindruckt von den Ausführungen seines Bruders, denn er ließ sich mit einem hörbaren Schnauben auf dem Sofa nieder, das unter seinem Gewicht ächzte.

Nils richtete seinen ganzen Unmut gegen seinen Bruder. »Du hast dir bereits einen Namen gemacht, Bruder. Dein Wissen wird in Amerika hoch geschätzt, und ich bin sicher, du wirst dir dort eine sehr einträgliche Existenz aufbauen können. Das hier ist meine Gelegenheit, mich hervorzutun und bekannt zu werden.«

Erik erhob sich unvermittelt, trat ans Fenster und blickte auf die Straße. Als er sich endlich wieder seinem Bruder zuwandte, grinste er schief.

»Nun, wenn diese Tollheit überhaupt eine Aussicht auf Erfolg haben soll, dann nur mit deiner Unterstützung. Du bist der fähigste Mann, den ich kenne, Bruder.« Erik ergriff Nils’ Hand und schüttelte sie. Dann zog er seinen Bruder völlig unvermittelt an sich und schloss ihn in die Arme. Er war stolz auf Nils’ Mut, hatte aber auch Angst, ihn zu verlieren. Er konnte seinen Bruder zwar nicht davon abhalten, seinen eigenen Weg zu gehen, doch dass es gerade dieser Weg sein musste, versetzte Erik in große Sorge.

Nils hingegen überraschte und erschreckte der plötzliche Gefühlsausbruch seines Bruders. Was für ein bemerkenswerter Tag!

»Aber du musst es nicht tun«, sagte Erik. »Ich werde Stockholm verlassen …« Er sprach nicht zu Ende, denn seine Hoffnungen konnte er nicht in Worte fassen. Erik war sich bewusst, dass er einen großen Schatten warf. Doch wie konnte er seinen Bruder davon überzeugen, dass es weniger waghalsige Möglichkeiten gab, aus diesem Schatten herauszutreten? Nils nickte, um zu zeigen, dass er seinen Bruder verstanden hatte. Doch gleichzeitig schwieg er, als Zeichen dafür, dass sein Entschluss feststand.

Schließlich meldete sich ihr Vater zu Wort. »Ich hätte nie erwartet, dass du an einem derart unbesonnenen Experiment teilnehmen würdest, Nils. Eigentlich habe ich immer Erik für den Starrkopf in unserer Familie gehalten, der keinem Risiko aus dem Weg geht. Auch Sven packt jede Gelegenheit beim Schopfe, was mich immer zu Tode ängstigt, und Tore ist sowieso ein geborener Draufgänger. Du warst immer der Vernünftige.« Oscar ergriff die Hand seines Sohnes. »Ich verstehe, was du damit zu erreichen hoffst, und wünsche dir alles Glück der Welt. Aber meine Warnungen werden nicht die letzten sein. Ich bin sicher, deine Verlobte wird auch etwas dazu sagen wollen.«

Inmitten dieser hitzigen Auseinandersetzung war eine Person völlig übersehen worden. Nils wandte sich um und warf der dunkelhaarigen jungen Frau in der Ecke einen erwartungsvollen Blick zu. Die erhob sich prompt. »Ich würde gern ein wenig an die frische Luft gehen«, sagte sie und verließ mit einem höflichen Lächeln das Zimmer.

Kapitel 2

Diese Dinge hier in der Wüstenei, diese toten Gegenstände, die doch einst lebten oder dem Leben dienten, sie rückten uns den Gegensatz von Leben und Tod in jähe Helle. Menschen mit warmem Blut in den Adern, die das Leben liebten, sind hier über die Schwelle des Todes geschritten. Hier haben sie gelebt, sind hier untergegangen.

Knut Stubbendorff, 1930, »Die ›Isbjørn‹ vor Vitø«

KVITØYA, NORWEGEN
SEPTEMBER 1930

Der Journalist stieg vorsichtig aus der Schaluppe und betrat die trostlose, verschneite Tundra. Ein passender Ort für den Tod, dachte Stubbendorff. Er war völlig übermüdet, und hinter seinem rechten Auge kündigten sich Kopfschmerzen an. Mit einer Handbewegung strich er sich die weißblonden Strähnen aus dem Gesicht und betrachtete die Gegend.

Was für den Fünfundzwanzigjährigen vor einer Woche als Abenteuer begonnen hatte, als willkommene Abwechslung in seinem von Lokalnachrichten und Todesanzeigen geprägten Journalistenalltag, hatte sich schon bald als Mühsal entpuppt. Nachdem er ein seetaugliches Schiff mit Funk organisiert, mit betrunkenen, einfältigen Robbenfängern über Kosten und Reisezeiten verhandelt und die raue nächtliche Reise ins norwegische Niemandsland überstanden hatte, war vom Reiz der großen Aufgabe nicht mehr viel geblieben.

Im grellen Sonnenlicht kniff er die blassblauen Augen zusammen und ließ den Blick über das Eismeer und den wolkenlosen Himmel wandern. Stubbendorff war sich nicht sicher, was er hier finden würde, vielleicht nur einige jämmerliche Überreste, die die Eisbären und die Bratvaag-Expedition vor zwei Wochen zurückgelassen hatten. Eigentlich hätte er die Bratvaag bei ihrer Rückkehr nach Norwegen abfangen und den Geologen Dr. Gunnar Horn zu seine Entdeckung befragen sollen. Doch schlechtes Wetter hatte die Abfahrt verzögert, und das geplante Treffen war geplatzt. Horns Funde befanden sich mittlerweile in Norwegen und würden bald der wissenschaftlichen Kommission in Schweden übergeben werden, sodass Stubbendorff sich damit begnügen musste, seine Reise an den Ort zu dokumentieren, der über Nacht zum berühmtesten und abgelegensten Friedhof der Welt geworden war.

Er und seine Begleiter – ein kürzlich vom Aftonbladet engagierter Fotograf, der Kapitän und sechs Besatzungsmitglieder der Isbjørn – schritten zielstrebig auf den Felsrücken zu, der sich von Ost nach West über die Insel erstreckte. Auf dem Gipfel des Felsens stand ein mit drei Halteseilen befestigter Holzpfahl. Darunter befand sich ein Geröllhaufen, den Horn und seine Mannschaft aus herumliegenden Steinen zu einem Mahnmal aufgehäuft hatten. Stubbendorff hatte sich noch keine fünfzig Schritt vom Strand entfernt, da wurde er bereits belohnt: Am Fuß des Felsrückens lagen ein Schlitten sowie verschiedene Kleidungsstücke und diverse Alltagsgegenstände, die man zum Zelten verwendete, ein Kompass, ein Topf und ein Messer. Nach über dreißig Jahren im Eis waren diese Gegenstände nun durch die ungewöhnliche Wärme und den geringen Schneefall in diesem Sommer freigelegt worden. Der Journalist fragte sich, warum Horn sie wohl zurückgelassen hatte. Vielleicht war er zu sehr von der Entdeckung der beiden vom Eis konservierten Leichname gefesselt gewesen?

Stubbendorff blieb stehen und sah sich um. Der Fund übertraf seine Erwartungen. Alles lag dort noch so, wie die drei es zurückgelassen hatten, so als könnten sie jederzeit wiederkommen und ihren Alltag im Lager wieder aufnehmen. Plötzlich nahm sein Auftrag völlig neue Dimensionen an. Wenn die Mitglieder der Expedition gewusst hatten, dass es keine Chance mehr für sie gab, wie und warum waren sie dann trotzdem weitergezogen? Sie waren offenbar bis zum bitteren Ende nicht von ihrer täglichen Routine abgewichen. Dabei wäre es mehr als verständlich gewesen, wenn sie sich einfach im Eismeer ertränkt hätten. Wäre das nicht die einfachste Lösung gewesen? Der eiserne Überlebenswille dieser Männer beeindruckte Stubbendorff zutiefst.

Als Bergman ihm diesen Auftrag erteilt hatte, war er sofort darauf eingegangen, denn er betrachtete es als Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag. Im Büro des Aftonbladet verging die Zeit nur schleichend. Auf der Uhr an der Wand über Bergmans Tür krochen die Zeiger bisweilen so langsam vorwärts, dass Stubbendorff glaubte, sie seien stehen geblieben. Außerdem würde ihm diese Arbeit bei der Zeitung zu größerem Ansehen und, mit etwas Glück, zu Bergmans Gunst verhelfen können. Für die drei Männer jedoch war das Eis zum Verhängnis und Kvitøya zu ihrem Gefängnis geworden. Und doch ließen die Fundstücke, die er hier entdeckt hatte, darauf schließen, dass sie nicht aufgegeben hatten. Plötzlich schnürte es ihm so heftig die Kehle zu, dass er fast zu ersticken glaubte.

Ein Matrose beugte sich hinab und zog eine kleine Axt aus dem Schlamm. Er holte aus und tat, als würde er kämpfen, wohl um seine älteren Gefährten zu unterhalten. »Nichts anfassen! Lasst alles so liegen. Ich will es so fotografieren und festhalten, wie wir es vorgefunden haben«, befahl Stubbendorff.

Überrascht ließ der Junge die Axt fallen. Stubbendorff zog rasch Notizbuch und Stift aus der Manteltasche. Sein ungewöhnlich scharfer Ton würde die stumpfsinnige Mannschaft hoffentlich davon abhalten, Souvenirs vom Fundort mitgehen zu lassen. Die gedankenlose Alberei des jungen Matrosen hatte ihn mit einem Zorn erfüllt, den er gar nicht von sich kannte. Doch es war ihm wichtig, alles zu dokumentieren.

Er lockerte seinen Schal, denn auf seiner Oberlippe hatten sich Schweißperlen gebildet. Auch wenn die Polarsonne noch so heiß brannte, wurde er sich schlagartig seiner Verantwortung bewusst. Wäre er nicht hier gewesen, hätten sich die Seemänner gegriffen, wonach ihnen der Sinn stand, und wären mit ihrer Beute nach Norwegen zurückgekehrt. Er war weder Geologe, Archäologe noch Historiker und erst recht kein Abenteurer. Dennoch hatte er das Gefühl, der Einzige hier zu sein, der die überragende Bedeutung dieses Fundes bemessen konnte und die Verantwortung, die dies nach sich ziehen würde.

Während er all die noch halb im Eis festgefrorenen Gegenstände sorgfältig auflistete, ertönte von der nördlichen Seite des Felsrückens ein Schrei. »Herr Stubbendorff, hierher! Wir haben was gefunden!« Schon von Weitem sah er, dass sich die vier Männer über einen Knochen beugten, der aus dem Schlamm ragte.

»Sieht aus wie ein Beinknochen, vielleicht vom Oberschenkel«, vermutete Stubbendorff. »Wie kommt es, dass Horn den übersehen hat?«

»Von wem stammt der Ihrer Meinung nach?«, fragte einer der Männer.

»Ich habe nicht die geringste Ahnung.« Stubbendorff räusperte sich. »Vielleicht von Frænkel, dem dritten Mann. Könnte aber auch von Andrée oder Strindberg sein. Ich vermute, die Bären haben sich bereits über die Leichen hergemacht. Die wissenschaftliche Kommission wird herausfinden müssen, welche Gebeine zu wem gehören.«

Die Männer warteten auf Stubbendorffs Anweisungen. »Wir sollten eine Aufnahme davon machen«, meinte er. »Wenn Horn diesen Knochen übersehen hat, gibt es hier unter Umständen noch mehr …« – Der Journalist fand nicht gleich das passende Wort – »Überreste.«

»Ich bezweifle, dass man irgendetwas übersehen hat, Herr Stubbendorff«, bemerkte Anton Hallen, der Kapitän der Isbjørn.

»Was wollen Sie damit sagen?«

»Das Eis. Ich vermute, dass wie-heißt-er-noch …«

»Horn.«

»… dass Horn nicht alles aus dem Eis herausbekommen hat. Das ist zwei Wochen her. Seit seiner Abreise ist das Eis weiter abgeschmolzen.«

Stubbendorff nickte. Die Erklärung leuchtete ihm ein.

Den ganzen langen Tag über suchten die Männer die Insel weiter ab und stießen auf die Überreste eines Unterkörpers. Die Bären hatten die Gebeine in der unmittelbaren Gegend verstreut. Wie bei einem morbiden Puzzle wurden nun die Knochenfunde zusammengetragen und unter andächtigem Schweigen an die jeweils richtige Stelle gelegt.

Stubbendorff lief mit aufgekrempelten Hemdsärmeln um das Skelett herum, schob die Knochen hier und da vorsichtig an die richtige Stelle und legte neue, aus dem Eis geborgene, gesäuberte und ihm zur Begutachtung vorgelegte Funde dazu. Er war zwar kein Biologe, vermutete aber, dass die Knochen des Torsos und des Unterkörpers nahezu vollständig waren. Sollte es sich hier um die sterblichen Überreste Frænkels handeln, so war der Mann im Alter von erst siebenundzwanzig Jahren gestorben, sinnierte Stubbendorff. Er war nur zwei Jahre älter gewesen als er selbst.

Während er die Knochen immer wieder neu ordnete, damit sie auch wirklich an der passenden Stelle lagen, und vorsichtig um die Überreste herum schritt, dachte er über die drei Männer und ihre Leistung nach. Mut und Pioniergeist hatten sie zu Helden gemacht. Strindberg war, wie er selbst, erst fünfundzwanzig gewesen. Automatisch verglich Stubbendorff seine eigenen Leistungen mit denen des Forschers.

Er dachte zurück an den Augenblick, als die Weichen gestellt worden waren. Als er Bergman mit dem Telegramm in seinen dicken Fingern zur Tür hereinkommen und direkt auf seinen Schreibtisch zugehen sah. Er wäre am liebsten davongelaufen. Stattdessen war er wie angewurzelt sitzen geblieben und hatte den Blick starr auf die Schreibmaschine gerichtet.

»Der Herausgeber will etwas für sein Geld«, hatte Bergman erklärt. »Die Zeitung hat vor dreißig Jahren einen Großteil der Expedition finanziert und dafür die Exklusivrechte an der Geschichte verlangt. Damals sind sie leer ausgegangen. Ein paar Nachrichten von den Brieftauben, die sie mitgenommen hatten, aber ansonsten keinerlei verwertbares Material. Jetzt, wo das Lager gefunden wurde, wollen sie endlich Kasse machen.«

Stubbendorff war mit allen Einzelheiten der Andrée-Expedition vertraut. Die Erzählung vom tragischen Schicksal der mutigen Männer gehörte zu den beliebtesten Gute-Nacht-Geschichten seines Vaters und hatte Stubbendorff schon als Kind in ihren Bann gezogen. Doch hier auf Kvitøya wurde ihm klar, dass das Projekt eine persönliche Dimension bekommen hatte, die er nur schwer in Worte fassen konnte.

Als es kälter wurde, brach Stubbendorff die Suche ab. »Die Sonne ist bald verschwunden. Wir sollten zum Schiff zurückkehren und morgen in aller Frühe weitermachen.« Er wickelte die Knochen in eine Persenning, knotete alles mit einem Seil zusammen und trug das Bündel über der Schulter zum Strand. Dabei stolperte er über ein Stück Treibholz und stürzte auf die Knie.

Gerade wollte er sich wieder aufrichten, da fiel sein Blick auf eine Silhouette im Eis. Stubbendorff beugte sich weiter vor, bis seine Nase fast den Boden berührte. Es handelte sich um Kopf und Oberkörper eines Mannes, der auf der linken Seite lag, den linken Arm angewinkelt. Der Tote war vom Eis umschlossen. Stubbendorff erhob sich, konnte den Blick aber nicht abwenden. Seit der Tod ihn ereilt hatte, lag dieser Mann hier unberührt in der Kälte, dachte er.

Er rief ein paar Männer zu Hilfe. Nachdem sie die Gebeine aus ihrem Eissarg befreit hatten, entfernten sie mehrere Lagen Kleidungsstücke und stießen schließlich auf das Skelett. Doch als Stubbendorff es mit einem kleinen Spaten freilegen wollte, brach es entzwei. Er schluckte schwer und musste die Augen schließen, bevor er weitere Anweisungen geben konnte. »Wickelt die Gebeine in eine Persenning und bringt sie an Bord.«

Der Schädel des Toten wurde zuletzt exhumiert. Der Kopf ruhte auf der linken Hand.

»Lasst ihn liegen«, sagte Stubbendorff leise. »Den nehme ich.«

Während die Sonne hinter dem Horizont versank, starrte er in die leeren Augenhöhlen. War dieser Mensch mutig oder einfach nur dumm gewesen? Von seinem ambitionierten Unterfangen war nichts übrig geblieben als Knochen. Ein Leben vorzeitig verwirkt, den Bären zum Fraß vorgeworfen. Als Stubbendorff auf das Schiff zuging, den Schädel wie einen Fußball unter dem Arm, musste er an Shakespeares dänischen Prinzen denken. An Bord legte er den Schädel in der Kapitänskajüte zu den anderen Überresten in eine Truhe, die er verschloss, dann kehrte in seine kleine Kabine zurück, wo er sofort einschlief.

Als Stubbendorff erwachte, sah er auf die Uhr. Schon fast sieben. Er hatte zehn Stunden geschlafen und verspürte großen Hunger. Rasch lief er in Richtung Messe. Wie sich herausstellte, hatten die anderen bereits gefrühstückt, also gab er sich mit einem in Sirup getauchten Kanten Brot zufrieden, trank schnell eine Tasse Kaffee mit Zucker und ging an Deck.

Das Wetter war umgeschlagen. Wo gestern noch die Sonne geschienen hatte, war nun feuchter Nebel, und am Horizont drohte ein Schneesturm.

»Guten Morgen, Herr Stubbendorff. Auch schon wach? Für die Robbenjagd wären Sie völlig ungeeignet. Seit dreißig Jahren stehe ich mit der Morgendämmerung auf.« Hallen lachte rau und zündete sich eine Zigarette an. »Sogar nach dem gestrigen Tag war ich …«

Stubbendorff unterbrach ihn. »Was sagen Sie zum Wetter?«

»Ein Unwetter hält auf uns zu, so viel ist mal sicher. Wissen Sie, wenn ich ehrlich bin, habe ich die Existenz dieser Insel bis gestern für Seemannsgarn gehalten, das betrunkene Matrosen spinnen«, gestand der Kapitän. »In den letzten fünfzig Jahren ist es garantiert niemandem gelungen, nach Kvitøya zu segeln, die Insel war immer von dichtem Nebel und Eis umgeben.«

»Also wird das ungewöhnlich warme Wetter wohl nicht andauern?«

»Richtig. Es wundert mich, dass es nicht schon längst umgeschlagen ist.«

Stubbendorff bewegte sich in Richtung Steuerbord, beugte sich über die Reling und betrachtete die Insel. Tausend Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Bergman wartete sicher schon sehnsüchtig auf seinen Bericht. Er wollte Schlagzeilen, einen reißerischen Aufmacher, einen Skandal oder wenigstens einen Text, der für kontroverse Diskussionen gut war. Doch all das würde Andrée und seinen Männern nicht gerecht werden. Stubbendorff war überzeugt, dass es einen Grund gab, warum er das Lager ausgerechnet jetzt, nach dreißig Jahren, entdeckt hatte. Es musste einen Sinn haben, dass das Eis geschmolzen war.

Andrée, Strindberg und Frænkel hatten bestimmt Frauen, Mütter, Geliebte, vielleicht sogar Kinder gehabt. All die Jahre ohne Gewissheit leben zu müssen, war sicher quälend für sie gewesen. Für Stubbendorff war die Sache klar. Diese drei bemerkenswerten Männer verdienten ein Denkmal. Wenn er jetzt abfuhr, würde all das, was er in Kvitøya zurückließ, für weitere Jahrzehnte unter dem Eis verborgen bleiben oder wenigstens so lange, bis das extreme Wetter in dieser polaren Region erneut eine kurze Pause einlegte. Bis jetzt hatte die Mannschaft nur einen Bruchteil dessen aufs Schiff gebracht, was auf der Insel begraben lag.

Er wandte sich wieder an den Kapitän: »Wir sollten die Insel weiter absuchen und so viel wie möglich mitnehmen, bevor das Wetter umschlägt. Könnten Sie zwei Mitglieder Ihrer Mannschaft anweisen, für die Gebeine des Mannes, den wir gefunden haben, einen Sarg zu zimmern?« Der Kapitän nickte. Die restlichen Männer bestiegen mit Stubbendorff die Beiboote, die sie an Land bringen würden.

Stubbendorff hörte die Windböen schon aus der Ferne, die Sicht wurde schlechter, und er sah, dass man auf der Isbjørn die Sturmflagge gehisst hatte. Schnell befahl er den Männern, die sich weit im Gelände verstreut hatten, in die am Strand wartenden Ruderboote zu steigen. Den ganzen Tag über waren unzählige Fundobjekte von der Insel zur Isbjørn transportiert worden. Stubbendorff hatte den Männern aufgetragen, alles in seine Kajüte zu bringen. Die Mannschaft arbeitete bereitwillig mit, doch er bemerkte eine gewisse Nachlässigkeit. Einige der Gegenstände waren bereits zerbrochen. Die Männer hatten keine Ahnung von der Bedeutung dieser grausigen Schatzsuche.

Am Abend nach dem Essen widmete sich Stubbendorff der gewaltigen Aufgabe, die Fundstücke, die hastig in seiner Kajüte deponiert worden waren, korrekt zuzuordnen. Er nummerierte die Gegenstände, beschrieb sie detailliert in seinem Notizheft und ordnete sie dann bestimmten Gruppen zu. Nach mehreren Stunden sah Stubbendorff auf die Uhr. Sie zeigte acht Uhr abends, aber er wusste, dass es später sein musste, denn die Sonne war bereits vor Stunden untergegangen. Er tippte auf das Ziffernblatt. Die Zeiger waren stehen geblieben. Die Feuchtigkeit, dachte er. Dabei war die Uhr ein Geschenk seiner Mutter zum sechzehnten Geburtstag gewesen.

Vorsichtig bahnte er sich einen Weg durch die Objekte, die fast den ganzen Boden bedeckten, und ließ sich im Schneidersitz auf dem einzigen noch freien Platz mitten in die Kajüte nieder. Als er tief Luft holte und für einen Moment die Augen schloss, überkam ihn plötzlich eine große Erschöpfung, sein Hals brannte, und der Rücken schmerzte. Er kratzte sich die hellen Bartstoppeln am Kinn, und da erst fiel ihm ein, dass er der Zeitung noch nicht telegrafiert hatte. Bergman ging bestimmt schon die Wände hoch. Stubbendorff beschloss, die Neuigkeiten gleich bei Tagesanbruch zu melden. Dann erhob er sich und setzte seine Arbeit fort.

Kapitel 3

Da lagen nun die seidendünnen aufgeweichten Papierblättchen, ich behandelte sie Stück für Stück, sah, wie die unleserlichen Schriftzeichen oder Zeichnungen immer deutlicher hervortraten, je trockener das Papier wurde, ich las eine ganze Schilderung des Abenteuers, von den Toten selbst niedergeschrieben. … Nie in meinem Leben hat sich vor mir eine so ergreifende Handlung Akt um Akt abgespielt.

Knut Stubbendorff, 1930, »Die ›Isbjørn‹ vor Vitø«

KVITØYA, NORWEGEN
SEPTEMBER 1930

Stubbendorff machte sich daran, die rechteckige Blechdose zu öffnen, die die Männer in den eisbedeckten Felsen geborgen hatten. Dieses Fundstück hatte er sich bis zum Schluss aufbewahrt: Das Gewicht verriet, dass die Dose etwas Wichtiges enthalten musste. Der Deckel war festgerostet. Vorsichtig bearbeitete er den Rand mit dem Taschenmesser, und schließlich lag der Inhalt vor ihm.

Der Reporter fand vier Notizhefte und eine Reihe loser Blätter, die sorgfältig in Öltuch gewickelt und mit Stroh umhüllt waren. Sie hafteten fest aneinander. Selbst nach zehn Stunden in seiner stickigen Kajüte waren sie nur ein wenig angetaut. Zwar konnte er die Hefte noch nicht öffnen, doch er vermutete, dass sich hinter den nüchternen Ledereinbänden die Tagebuchnotizen Andrées, Strindbergs und Frænkels verbargen. Wenn dies der Fall war, würde er vielleicht endlich ein dreißig Jahre altes Geheimnis lüften können.

Behutsam schob er sein Messer zwischen zwei Blätter. Eines zersprang wie hauchdünnes Eis. Die Hefte haben so lange im Boden gelegen, dachte Stubbendorff, dass sie miteinander verschmolzen sind. Weil er fürchtete, die Hefte zu zerstören, wenn er seine Versuche fortsetzte, klappte er unwillig das Messer zusammen. Doch irgendetwas musste er tun, sonst würde das Papier beim Auftauen vielleicht zerfallen.

Wahrscheinlich gab es in Stockholm Experten, die Rat wussten, ein gewissenhafter, bebrillter Archivar vielleicht, der die präzise Temperatur für das korrekte Auftauen der Tagebücher kannte. Wahrscheinlich saß er in den düsteren Kellern eines Museums und konnte die einzelnen Seiten genau im richtigen Moment mithilfe absonderlicher Spezialwerkzeuge sorgfältig voneinander lösen, ohne dass sie zerstört werden würden. An Bord aber gab es einen solchen Spezialisten nicht.

Der Journalist gähnte herzhaft, kniff die Augen zusammen, bis sie tränten, dann nahm er wieder sein Messer zur Hand. Nach zwölf Stunden akribischer Fleißarbeit hatte er herausgefunden, dass es einen bestimmten Zeitpunkt im Tauprozess gab, wenn die Seiten zwar noch steif, aber dennoch biegsam genug waren, um sie mit dem Messer voneinander zu lösen. In seiner kleinen Kajüte baute er eine provisorische Trockenanlage – zwei parallel unter die Decke gespannte Leinen, die über die gesamte Länge der Kajüte verliefen. Jedes Mal, wenn er eine Seite freigelegt hatte, legte er sie zum Trocknen vorsichtig über beide Leinen. Bald hatte er fünf solcher Leinen angebracht und konnte sich nur noch gebückt durch die Kabine bewegen.

Seinen Chef in Stockholm hatte er vergessen, ebenso Essen und Schlafen. Feuereifer hatte ihn ergriffen, und er hielt sich nicht damit auf, sein Motiv zu hinterfragen.

Hartnäckiges Klopfen an seiner Kajütentür riss Stubbendorff aus der Arbeit. Unrasiert, mit wirren Haaren und blutunterlaufenen Augen trat er vor den entsetzten, sprachlosen Kapitän. Hallen sah einen Mann, der um Jahre gealtert schien.

»Das Wetter wird sich nicht mehr ändern. Es ist sinnlos zu warten. Wir könnten hier festfrieren, das Risiko ist zu groß«, sagte er. »Ich habe bereits ein Kabel nach Tromsø geschickt und sie über unsere sofortige Rückkehr informiert.«

Stubbendorff musterte ihn aus verquollenen Augen.

»Für Sie sind einige Telegramme gekommen. Eines vom Aftonbladet, das andere von der wissenschaftlichen Kommission in Stockholm.«

Stubbendorff nahm sie stumm entgegen.

»Geht es Ihnen nicht gut, Herr Stubbendorff?« Als Hallen über die Schulter des Journalisten spähte, fiel sein Blick auf das Durcheinander in der Kajüte.

»Sie müssen entschuldigen, Herr Kapitän, aber ich habe die ganze Nacht gearbeitet. So bedauerlich die Abreise auch ist, ich verstehe Ihre Gründe vollkommen. Könnten Sie mir vielleicht einen Happen zu essen zukommen lassen? Und wäre es unter Umständen möglich, jemanden damit zu beauftragen, mich in zwei Stunden zu wecken?« Mit diesen Worten schloss Stubbendorff die Tür und fiel in seine Koje.

Wir standen auf, und ich kochte ein wenig Essen – Kakao mit kondensierter Milch, Keks und Butterbrot. Um 4.30 Uhr machten wir uns auf den Weg und haben uns nun vier und eine halbe Stund lang mit unseren Schlitten abgemüht und abgewürgt. Wir haben richtiges Sudelwetter: nasser Schnee und Nebel. Aber die Stimmung ist gut. Den ganzen Tag über haben wir uns lebhaft unterhalten. Andrée hat uns von seinen Lebensschicksalen erzählt, wie er ins Patentamt kam u. v. a. Frænkel und Andrée sind jetzt auf Erkundung vorangegangen. Ich blieb bei den Schlitten sitzen und nutze die Zeit, um an dich zu schreiben. Bei euch daheim ist es jetzt Abend, und du hast einen guten, munteren Tag hinter dir, wie ich.

Nils Strindbergs Tagebuch, 31. Juli 1897

Einige Stunden später wurde Stubbendorff geweckt, und während die Schaluppe rollend und stampfend nach Tromsø fuhr, nahm er sich die sorgfältig präparierten Papiere vor. Zwei Hefte enthielten rein wissenschaftliche Beobachtungen wie meteorologische Messwerte, Diagramme und andere Notizen. Die unterschiedlichen Handschriften verrieten, dass eines Frænkel, das andere Strindberg gehört haben musste. Er blätterte sie nur flüchtig durch, vieles verstand er nicht.

 Ein weiteres Heft, das Andrées Notizen enthielt, war weit mehr als ein Logbuch der Expedition, es schilderte detailliert alle Erfolge und Rückschläge, die den drei Männern widerfahren waren.

Stubbendorff kannte die Geschichte der Expedition zwar, sie war ihm aber immer wie eine Abenteuergeschichte erzählt worden, in der drei mutige Männer Heldentaten vollbrachten. Aus dem Tagebuch erfuhr er jetzt die genauen Einzelheiten.

Schon wenige Stunden nach ihrem Start am 11. Juli 1897 war die Örnen »in langsames Trudeln geraten und verlor an Höhe«. Die Männer hatten daraufhin so viel Ballast abgeworfen wie möglich, aber im dichten Nebel war die Örnen feucht und schwer geworden, sodass sie nur noch wenige Fuß hoch stieg. Eine holprige Reise mit vielen Bodenberührungen folgte, bei der Strindberg und Frænkel seekrank wurden.

Doch Andrée ließ sich nicht entmutigen. »Ist es nicht ein wenig seltsam, hier über dem Polarmeer zu schweben?«, schrieb er. »Der erste Mensch zu sein, der diese Gegend mit dem Ballon überquert? Ich frage mich, wann uns die ersten Forscher nachfolgen werden. Wird man uns für Narren halten oder unserem Beispiel folgen? Ich kann nicht leugnen, dass uns großer Stolz erfasst. Nach dem, was wir nun erreicht haben, sind wir sogar bereit, dem Tod ins Auge zu schauen. Ist nicht all dies Ausdruck einer starken Persönlichkeit, die es nicht ertragen kann, als eine von vielen zu leben und zu sterben, vergessen von den folgenden Generationen? Ist es Ehrgeiz?«

Stubbendorff holte tief Luft und schloss kurz die Augen, während er über Andrées Fragen nachdachte. Dann las er weiter. Am frühen Morgen des 14. Juli ging die Örnen auf dem Packeis nieder. Die Männer beschlossen auszusteigen und traten den Fußmarsch über das treibende Packeis nach Osten Richtung Franz-Joseph-Land an, wo sich ein größeres Lager für die Expedition befand. Nach einem mehr als zweiwöchigen Marsch mit schwer beladenen Schlitten im Schlepptau waren sie mit dem Eis schneller nach Westen abgedriftet, als sie in östliche Richtung gegangen waren. »Das ist nicht sehr ermutigend«, schrieb Andrée. »Aber so lange es sinnvoll erscheint, halten wir an unserem Kurs nach Osten fest.«

Bald aber beschlossen die Forscher, nach Westen zur kleinen Inselgruppe Seven Islands zu ziehen, wo ein weiteres Vorratslager angelegt worden war.

Dort kamen sie allerdings nie an, wie Andrée berichtete. Schlecht ausgerüstet und von Verletzungen und Krankheit geschwächt, gelangte die Gruppe schließlich Anfang Oktober das erste Mal seit ihrer Abreise auf festen Boden. Die Insel hieß Kvitøya. Andrées letzter zusammenhängender Eintrag am 7. Oktober lautete: »Niemand hat den Mut verloren. Mit solchen Kameraden kann man sich erheben aus allen möglichen Umständen.«

Der Journalist schloss das Heft und trat an das kleine Bullauge seiner Kajüte. Während er sich den Nacken rieb, hielt er konzentriert Ausschau nach dem Horizont, doch der Nebel war zu dicht. Also nahm sich Stubbendorff das letzte Heft vor und las die erste Seite, auf der stand: »Die Grübeleien und Vorstellungen des Nils Strindberg, Juli 1897«.

Das Heft enthielt genau das, was es verhieß: eine Niederschrift der Ideen und Gefühle des jungen Forschers, seine Ängste und seine Träume von der Zukunft. Strindberg beschrieb die enge Kameradschaft mit seinen beiden Kollegen, wie sie während der Rast nach einem zehnstündigen Fußmarsch durch kniehohen Schnee »schwatzten, aßen und tranken«, und dabei »frohen Mutes waren«. Die Männer gaben wohl ein ungewöhnliches Trio ab, das sich auch in extremsten Situationen amüsieren konnte. Als Andrée einen Bären erlegte, neckte Strindberg ihn wegen der Qualität des Fleisches, das er als »zäh wie Ledergaloschen« beschrieb. Die drei hatten sogar festliche Kleidung im Gepäck, inklusive Zylinder, um für die feierliche Rückkehr gerüstet zu sein.

Stubbendorff gewann den Eindruck, dass die Männer sich stets einig waren. Während der gemeinsamen drei Monate scherzte man miteinander, beging Geburtstage und Feiertage. Obwohl doch jeder von ihnen schon recht früh geahnt haben musste, dass die Expedition zum Scheitern verurteilt war, versetzte keiner den anderen mit seinen persönlichen Zweifeln in Unruhe. Strindberg war glücklich, sich in Begleitung solch standhafter Männer zu befinden.

Am tiefsten beeindruckt war Stubbendorff jedoch von Strindbergs Erinnerungen an den Alltag mit seiner Familie in Stockholm. Als Einzelkind war der Journalist fasziniert von den kindlichen Späßen des älteren Bruders Erik und der jüngeren Brüder Sven und Tore. Strindberg beschrieb, wie »Erik und Sven stets das Spiel vorgaben, das fast immer mit Wikingern oder Drachen zu tun hatte.« Bei Mannschaftsspielen bekamen »Tore und ich keinen Stich gegen Erik und Sven, doch wir beschwerten uns nicht. Es war einfach zu lustig.« Die Welt dieser Jungen erschien Stubbendorff, der sich selten und nur ungern an seine Jugend erinnerte, völlig fremd.

Die Jungs stachelten sich nicht nur gegenseitig zum Lernen und zu Hochleistungen an, sondern wurden auch von ihren Eltern dazu ermutigt, die ihnen dabei alle Freiheiten ließen. Strindberg erinnerte sich an »grässliche Konzerte, die wir unseren Eltern zuliebe für Gäste geben mussten, bei denen Erik sang, während Sven, Tore und ich Geige und Klavier spielten.« Seinen Aufzeichnungen zufolge respektierten seine Eltern sämtliche seiner Entscheidungen, bis auf den Entschluss, sich Andrée anzuschließen.

Stubbendorff dachte an seine Mutter, die alles getan hatte, um ihren Sohn ständig zu überwachen, weil sie fürchtete, ihr würde der Zorn Gottes oder, schlimmer noch, der Gemeinde zuteil, wenn sie die Zügel auch nur ein wenig locker ließ. In den Jahren nach dem Tod seines Vaters hatte Stubbendorff sich dagegen aufgelehnt. Bei den Mahlzeiten hatte er seine Ellbogen auf dem Tisch aufgestützt, sich geweigert, am Gottesdienst teilzunehmen, sich mit Kindern herumgetrieben, mit denen umzugehen die Mutter ihm verboten hatte, nie »danke« oder »bitte« gesagt. Der Ungehorsam des jungen Stubbendorff war von einer Vehemenz, die Frau Stubbendorff bei einem Kind nie für möglich gehalten hatte und die sie zutiefst erzürnte. Schon der geringste Regelverstoß wurde mit Schlägen und Schimpftiraden geahndet. Der Unterschied zwischen seiner und der Kindheit der Gebrüder Strindberg hätte größer nicht sein können, und diese Feststellung schmerzte ihn. Er drückte das Heft kurz an seine Brust, dann las er weiter.

Ein Großteil der Notizen Strindbergs war allgemeiner Natur, doch er hatte auch einige Liebesbriefe an seine Verlobte Anna Charlier verfasst. Diese Briefe kamen aus tiefstem Herzen – das erkannte Stubbendorff auf den ersten Blick –, aber keiner von ihnen enthielt einen Hinweis auf Strindbergs düsteres Schicksal. Im Gegenteil, sie waren durchweg munter, sorglos, sogar heiter. Er beschrieb die Ballonfahrt und berichtete, dass sie »so wunderbar dahinfuhren, dass es um jeden Atemzug schade war, denn das machte den Ballon nur noch leichter.« Er schilderte Anna, wie er mit seinem Schlitten in die »Suppe« fiel, aber seine einzige Sorge »deinem Bildnis, mein liebster Schatz, für den herannahenden Winter« galt. Strindberg ermunterte seine Liebste, »sich weiter den Hochzeitsvorbereitungen zu widmen, auch wenn ich etwas später als erwartet zurückkehren werde«. Und ständig versicherte er ihr, dass er sie im Herzen trage. »Ich sehne mich nach dem Duft deines Haares und danach, wieder in die dunklen Seen deiner Augen tauchen zu dürfen«, schrieb er.

Die starke Zuneigung Strindbergs zu dieser Frau, dieses unerschütterliche Gefühl, war in jedem einzelnen Brief zu spüren. Stubbendorff kannte nichts Vergleichbares, eine solche Liebe lag außerhalb seiner Vorstellungskraft. Er kniff die Augen zusammen und versuchte sich an einen Augenblick zu erinnern, in dem sein Vater und seine Mutter in seiner Gegenwart miteinander gelacht, sich umarmt oder wenigstens einen Blick ausgetauscht hätten. Doch die beiden hatten wie Fremde im selben Haus gelebt und jeder auf seine Weise dasselbe Kind großgezogen.

Anna Charlier hatte Strindbergs Briefe nie gelesen, und vielleicht waren sie auch gar nicht dafür bestimmt gewesen, aber es machte Stubbendorff traurig, dass eine so einzigartige Liebe ein derart tragisches Ende gefunden hatte. Er fragte sich, aus welchen Gründen Strindberg sich Andrée angeschlossen und warum er diese Frau verlassen hatte. Strindberg war ein Narr gewesen. Er hatte den Tod verdient.

Aber dieses Tagebuch enthielt eine große Geschichte. Bergman würde entzückt sein.

Als Stubbendorff die Augen schloss und langsam einschlief, entspannten sich sein Körper und sein Geist. Ihm wurde klar, dass er wenig wusste über die Verstrickungen der Liebe. Aber als er wieder erwachte, hatte sich seine Unbarmherzigkeit aufgelöst wie ein Traum.

Kapitel 4

TORQUAY, ENGLAND
SEPTEMBER 1930

Atemlos schreckte sie hoch. Sie setzte sich auf, doch ihr Mann lag ruhig atmend neben ihr im Bett. Erleichtert legte sie ihre zitternde Hand auf die Brust und stellte fest, dass sie schweißgebadet war. Sie stand auf und ging ins Bad. Ihr dunkles Haar war feucht, und das Nachthemd klebte ihr am Rücken.

Während sie sich kaltes Wasser über Gesicht und Brust laufen ließ, betrachtete Anna ihr Spiegelbild. Immer noch atmete sie heftig, und ihre großen Hände zitterten. Wieso hatte sie nach all diesen Jahren plötzlich wieder einen so fürchterlichen Alptraum?

Der erste Alptraum hatte sie heimgesucht, als Nils verkündet hatte, dass er an der Expedition teilnehmen würde. An jenen Abend konnte sie sich noch ganz genau erinnern. Sie musste wohl ziemlich gefasst gewirkt haben, als ihr Verlobter der entgeisterten Familie sein Vorhaben unterbreitet hatte.

Es schmerzte so sehr, denn sie und Nils waren während ihrer Beziehung immer enge Vertraute gewesen. Als sie sich begegnet waren, hatten ihr sein offenes Gesicht und seine unkomplizierte Art sofort gefallen. Noch bevor ihre Romanze begann, hatte er sie stets mit einem herzlichen, aufrichtigen Lächeln begrüßt, das sie den ganzen Tag lang begleitete. Er behandelte sie bei allen Überlegungen, Kommentaren oder Fragen als Ebenbürtige, als würde er gar nicht bemerken, dass sie eine Frau war. Und genauso sprach er mit großem Eifer mit ihr über sein Studium, seine Arbeit und seine Freunde. Wenn sie an Sonntagnachmittagen die verwinkelten Straßen der Staden mellan broarna entlangspazierten, vertraute er ihr regelmäßig die Sorgen an, die er sich um seine Karriere machte. Wenn Anna ihm Ratschläge geben konnte, fühlte sie sich bedeutsam und respektiert. Die beiden wurden bald zu Vertrauten. Die Liebe kam erst später.

Nicht allein die Vorstellung, Nils zu verlieren, beunruhigte sie, es war vielmehr die Tatsache, dass er sie bei seiner Entscheidung überhaupt nicht zurate gezogen oder sie eingeweiht hatte. Nie zuvor war Nils so gefühllos vorgegangen, und sie wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Er hatte ihr einen Antrag gemacht, den sie angenommen und sich damit an ihn gebunden hatte. Jetzt hatte er seine Pläne ohne Rücksicht auf sie einfach geändert. In ihrer Ohnmacht war ihr nichts anderes übrig geblieben, als den Raum zu verlassen.

Bei ihrer Rückkehr war Nils allein gewesen. Er saß auf dem Sofa, den Kopf zwischen den Händen, eine Zigarette im Mund. Er blickte auf, und in seinen blauen Augen erkannte sie so etwas wie Schuldgefühl.

Er drückte die Zigarette aus, dann sagte er: »Es tut mir so leid. Es gibt keine Entschuldigung, nur Feigheit und Gier.« Ihre Verwirrung war ihr wohl deutlich anzusehen. »Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte. Das war der falsche Weg, und das tut mir furchtbar leid.«

»Wieso nennst du dich gierig?«

»Ich will alles. Dich heiraten und auf diese Reise gehen.« Seine innere Qual war offensichtlich.

»Das ist keine Gier.« Anna nahm seine Hände und setzte sich. Er vergrub das Gesicht in ihrem duftenden Kleid. »Dir ist nie etwas versagt worden. Du bist in der Vorstellung groß geworden, dass du dein Leben selbst bestimmen und alles erreichen kannst, wenn du nur willst. Das hat dich zu dem Mann gemacht, der du heute bist, nur …«

»Wenn du unsere Verlobung deswegen lösen willst, schreibe ich Andrée sofort, dass ich doch nicht an der Expedition teilnehme.« Sie wusste, dass dies kein Ultimatum war. Seine Stimme klang nicht verärgert.

»Du hast meine Gefühle verletzt«, erklärte sie, »egal, wie unwichtig das nun erscheinen mag, nachdem du uns deine Pläne eröffnet hast.« Nils drückte sie fest an sich und küsste sie innig auf die Stirn. Dann schmiegte er sich erleichtert und wie ein Kind in ihren Schoß. Es dauerte eine Weile, bis Anna weitersprach.

Es stand in ihrer Macht, seine Abreise zu verhindern. Nur eine Träne wäre genug. Anna strich ihrem Verlobten übers Haar. Er hatte sein Vorhaben nicht mit ihr besprochen, weil er nicht wollte, dass sie ihn davon abhielt. Ihr war auch klar, dass Nils an diese Expedition glaubte, gleichgültig, was sie oder ihre Familie davon halten mochten. Vielleicht stimmte wirklich, was er gesagt hatte: Er glaubte an den wissenschaftlichen Nutzen dieser Reise. Und dennoch war sie überzeugt, dass Erik eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung seines Bruders gespielt hatte.